Kreditrisikostandardansatz (KSA)

Einschränkung und Verteuerung der Kreditvergabe vermeiden

06.04.2016

Ausgangslage

Um für unerwartete Ausfälle gewappnet zu sein, müssen Banken ihre Kredite mit Eigenkapital unterlegen. Wie viel Eigenkapital vorgehalten werden muss, wird auch durch das jeder Ausleihung zugeordnete Risikogewicht bestimmt. Während international tätige Großbanken dieses mit Hilfe eigener Risikomodelle im Rahmen des internen Rating-Ansatzes (IRBA) bestimmen, ermitteln kleinere Banken wie die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Risikogewichte in der Regel mit dem einfacheren Kreditrisikostandardansatz (KSA). Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht möchte den KSA nun grundlegend überarbeiten. Im Dezember 2015 hat er hierzu ein zweites Konsultationspapier veröffentlicht. Bis Ende 2016 soll das Regelwerk finalisiert werden.

Problem

Bisher sieht der KSA je nach Forderungsklasse (z.B. Hypothekarkredite, Forderungen an Institute oder an Unternehmen) pauschale oder von externen Ratings abhängige Risikogewichte vor. Positiv zu bewerten ist, dass der Baseler Ausschuss die externen Bonitätsbewertungen weiterhin zur Berechnung der Risikogewichte zulassen will. Ein Verbot hätte den Banken durch die Erfassung und Verwaltung zahlreicher zusätzlicher Daten einen erheblichen Mehraufwand verursacht.

Dies ist jedoch lediglich ein Schritt in die richtige Richtung. Gerade im Kerngeschäft der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken – der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen sowie der Immobilienfinanzierung – ist auch durch die Vorschläge des zweiten Konsultationspapiers mit höheren Risikogewichten zu rechnen. Schätzungen des GVB zufolge würden die überarbeiteten KSA-Regelungen die Eigenmittelquote der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken durchschnittlich um rund 2 Prozentpunkte verringern.

Ein Grund hierfür ist, dass die empfohlenen Risikogewichte für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. Euro zu höheren Eigenkapitalanforderungen führen als in den europäischen Vorschriften bislang vorgesehen. Auch für außerbilanzielle Positionen sollen höhere Risikogewichte gelten. Selbst für jederzeit kündbare Kreditlinien, die nicht in Anspruch genommen wurden, muss zukünftig Eigenkapital vorgehalten werden.

Zudem sind die Kapitalanforderungen für Immobilienkredite – insbesondere für den von langen Laufzeiten und festen Zinssätzen geprägten deutschen Immobilienkreditmarkt – zu hoch bemessen. Teilweise sind durch die Vorschläge des Baseler Ausschusses deutliche Steigerungen der Risikogewichte möglich. Beispielhaft steigt das Risikogewicht für eine Mietwohnung, die bis zu 60% fremdfinanziert ist, von 35% auf 70%. Ähnlich sieht es auch bei vermieteten Gewerbeimmobilien aus. Hier würde sich nach den Vorschlägen des Baseler Ausschusses das Risikogewicht in einem solchen Fall von 50% auf 80% erhöhen.

Lösung

Die Realwirtschaft ist auf eine verlässliche Kreditvergabe durch Banken angewiesen. Höhere Risikogewichte und damit Eigenkapitalanforderungen würden gerade dies erschweren und wären somit gesamtwirtschaftlich schädlich. Daher muss sich das im ersten Konsultationspapier angestrebte Ziel, bei der Überarbeitung des KSA insgesamt keine Kapitalerhöhung vorzunehmen, auch im neuen Regelwerk widerspiegeln. Dies gilt insbesondere für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen sowie Immobilienkredite. Bei letzteren sollten auch nationale Besonderheiten stärker berücksichtigt werden. Dies kann durch eine Öffnungsklausel für Staaten geschehen, deren Immobilienmärkte und Kreditvergaberichtlinien weit geringere Risikogewichte rechtfertigen.