Kulmbacher Kommunbräu eG

„Freibier ist die beste Ausschüttung“

01.06.2015

In Kulmbach hat sich im Schatten eines Bier-Riesen eine kleine Brauereigenossenschaft etabliert. Geschafft hat das die Kommunbräu durch Engagement und Eigeninitiative. Die Oberfranken experimentieren mit Geschmacksrichtungen auf ihre eigene Art.


Braukessel der Kulmbacher Kommunbräu eG. Foto: Kulmbacher Kommunbräu eGBraukessel der Kulmbacher Kommunbräu. Foto: Kulmbacher Kommunbräu eG


Die Idee entstand, wie kann es anders sein, an einem Stammtisch im Wirtshaus. Zehn Kulmbacher saßen Anfang der 90er-Jahre beisammen und diskutierten über die kulinarischen Entwicklungen in ihrer fränkischen Heimat. Die Bürger waren besorgt: der gelernte Handwerker ebenso wie der Architekt, der Jurist oder der Lokaljournalist.

„Nach der Wiedervereinigung haben in Kulmbach viele neue Restaurants eröffnet“, erinnert sich Hans-Jürgen Päsler. Er saß damals mit in der Runde und sprach mit seinen Freunden über die Konsequenzen. Denn auf der anderen Seite mussten viele kleine, alteingesessene Wirtshäuser schließen, erzählt er. Ebenso sei es bei den Brauereien gewesen: Die großen Aktiengesellschaften hätten die Kleinbrauer vom Markt verdrängt. Päsler: „Wir hatten Angst, ein Stück unserer fränkischen Kultur zu verlieren.“

Dieser Entwicklung wollte die Stammtischgruppe gegensteuern: Sie beschlossen, eine eigene Bierbrauerei samt Gasthaus aufzumachen. Es war die Geburtsstunde der Kulmbacher Kommunbräu, einer genossenschaftlich organisierten Brauerei. Sie wurde 1992 „mitten in der Höhle des Löwen“ gegründet und hat trotzdem überlebt, sagt Päsler, der heute ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzender tätig ist. Der Löwe ist die Kulmbacher Brauerei, die im gleichen Ort angesiedelt ist und mittlerweile zu einem großen Konzern gehört.

446 Mitglieder mit 498 Geschäftsanteilen sind heute Eigentümer der Kommunbräu. Die Zahl ist seit vielen Jahren stabil, sagt Päsler. „Wir freuen uns, wenn jemand dazukommt, aber wir werben nicht darum.“ Alles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Mitglieder seien die beste Marketingabteilung. Das war jedoch nicht immer so, gibt Päsler zu. Die Aufbaujahre waren nicht leicht.

Auf die Rechtsform der Genossenschaft hatten sich die Gründungsmitglieder schnell geeinigt. Schließlich handelten sie nach dem Motto: Was einer nicht schafft, das schaffen viele. Ziel war es, mindestens 200 Mitglieder zu mobilisieren, die ein Kapital von 800.000 Mark bereitstellen. Die ersten 100 Mitglieder hatte die Kommunbräu schnell beisammen.


Biergarten der Kulmbacher Kommunbräu eG. Foto: Kulmbacher Kommunbräu eG
Im Biergarten kann man sich den genossenschaftlichen Hopfentrunk schmecken lassen. Foto: Kulmbacher Kommunbräu eG


„Dann ging die Arbeit erst richtig los“, sagt Päsler. Das Projekt stieß in der Bevölkerung zunächst auf Skepsis. Eine stillgelegte Getreidemühle musste aufwendig umgebaut und modernisiert werden, ehe das erste Bier fließen konnte. Doch die Mitglieder waren geduldig und engagiert. Niemand habe zunächst mit Gewinnen gerechnet. Bis heute gibt es auf der Generalversammlung Dividenden in flüssiger Form. „Freibier ist die beste Ausschüttung“, scherzt Päsler. Auch die Gaststätte wurde nach kurzer Zeit verpachtet: „Hier braucht man die Initiative und die Erfahrung eines Wirts.“

Viel Erfahrung hat mittlerweile auch der Braumeister Alexander Matthes. Mit 25 Jahren startete er 1995 seine Karriere in der Kommunbräu. Ihm gefiel die Grundidee: ein ungefiltertes Bier herstellen, nach traditioneller Rezeptur und mit hochwertigen Zutaten. Er und seine zwei Gesellen produzieren mittlerweile über 1.500 Hektoliter Bier im Jahr, darunter zwei Standardsorten (Bernstein und Hell) und das Bier des Monats, das regelmäßig variiert.

Auf Trends mit zugeführten Aromen verzichtet Matthes: „Wir suchen lieber nach traditionellen Rezepten und passen sie den neuen Herstellungsverfahren an.“ So gab es beispielsweise das Brezenbier, ein sehr dunkles, gehaltvolles Bier, das die Handwerker früher in der kalten Jahreszeit tranken. Verkauft wird es ausschließlich in der Gaststätte: „Wir wollen ja, dass die Menschen zusammenkommen“, sagt der Braumeister. Das Standardbier hingegen wird zusätzlich in einigen Getränkeläden in der Region verkauft.

Das Miteinander soll auch weiterhin im Vordergrund stehen. „Klar müssen wir Gewinn machen, sonst können wir nicht überleben“, sagt Vorstand Päsler. Zufrieden sei er mit Überschüssen, die wie bisher im moderaten Bereich liegen. Denn im Vordergrund steht das Wirtshaus als Ort der Kommunikation. „Ich denke, dass sich viele Menschen nach Traditionen sehnen.“ Und wie man sieht, entstehen am Stammtisch oft die besten Ideen.