LfA-Chef Beierl: Bankenfinanzierung funktioniert

13.06.2016

Der Vorstandsvorsitzende der LfA-Förderbank Bayern, Otto Beierl, spricht im Interview über die Bedeutung von Förderdarlehen im Niedrigzinsumfeld, neue Mittelstandsprogramme und sein Unverständnis für die EU-Bankenabgabe.

Otto Beierl im Gespräch: Der 60-Jährige ist seit 2008 Mitglied im Vorstand der LfA-Förderbank Bayern. Seit 2012 sitzt der gebürtige Augsburger dem Gremium vor.


Herr Dr. Beierl, die Finanzierungskonditionen sind derzeit günstig wie nie. Wer braucht in einem solchen Umfeld eigentlich noch zinsgünstige Förderdarlehen?


Otto Beierl: Der bayerische Mittelstand. Das geht aus unseren Zahlen eindeutig hervor. Die LfA hat 2015 gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Zuwachs von 6,6 Prozent bei der Kreditvergabe erzielt. Wir haben 2,1 Milliarden Euro an Krediten zugesagt, das ist ein hohes Niveau. Wir sind zufrieden und ich gehe davon aus, dass wir im laufenden Jahr sogar noch etwas zulegen können. Das heißt, Förderdarlehen sind auch in Zeiten niedriger Zinsen attraktiv. Wobei nicht allein der Zinssatz über die Attraktivität entscheidet, sondern auch die langen Laufzeiten der Darlehen, mit denen sich die Unternehmen ein hohes Maß an Planungssicherheit verschaffen können, sowie die Möglichkeit von Risikoübernahmen.

Die LfA wird heuer 65 Jahre alt. Sie ist die älteste Förderbank Deutschlands. Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt und verändert?

Beierl: Die LfA ist 1951 als Flüchtlingsbank gegründet worden. Damals musste Bayerns Wirtschaft wieder in Gang gebracht und die Integration von zahlreichen Flüchtlingen bewältigt werden. Unsere Aufgabe damals war es, Kriegsflüchtlinge beim Aufbau einer beruflichen Existenz finanziell zu unterstützen. Heute fördern wir Gründungen sowie Investitionsvorhaben von Mittelständlern und Kommunen. Bis heute hat die LfA etwa 67 Milliarden Euro an Mitteln zugesagt. Diese Zahl zeigt, dass wir sehr viel Krediterfahrung sammeln konnten und seit Jahrzehnten erlässlich mit den Hausbanken zusammenarbeiten. Hier hat sich ein stabiles Vertrauensverhältnis aufgebaut, das sich insbesondere in schwierigen Zeiten bewährt.

Gibt es einen Optimierungsbedarf bei der Zusammenarbeit mit den Hausbanken?

Beierl: Was das Vertrauensverhältnis und die Zusammenarbeit betrifft, sind wir auf einem sehr hohen Level angelangt. Die Hausbank ist das Bindeglied zwischen uns und dem Unternehmen. Auch die Fallbearbeitung läuft schnell: Wir können die Förderdarlehen in der Regel innerhalb von fünf  Arbeitstagen zusagen. Trotzdem sehen wir noch Raum für Verbesserungen. Wir wollen noch schneller, effizienter und kostengünstiger werden. Denn jeder Euro, der in zu aufwendige Prozesse fließt, ist für die Wirtschaft verloren.

Profil: Wie stark wird die LfA als staatliche Förderbank mit Regulierungsmaßnahmen
konfrontiert?


Beierl: Die LfA muss sich seit einigen Jahren massiv mit dem Thema Regulierung auseinandersetzen. Früher gab es das nur rudimentär, weil jeder anerkannte: hinter der Förderbank steht der Freistaat Bayern mit Gewährträgerhaftung und Anstaltslast. Diese Betrachtungsweise hat sich geändert. Dabei würde ich mir wünschen, dass mehr auf unser Geschäftsmodell Rücksicht genommen wird.

Inwiefern?

Beierl:
Es ist nicht sinnvoll, für ein Institut wie die LfA einen Abwicklungsplan aufzustellen. Genauso wenig Sinn macht es, dass wir die europäische Bankenabgabe  in den europäischen Absicherungsfonds einzahlen müssen. Wir werden den  Fonds nie in Anspruch nehmen. Wir sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Sollten wir unsere Verbindlichkeiten tatsächlich einmal nicht mehr bedienen können, würde der Freistaat Bayern einspringen. Trotzdem haben wir allein für das vergangene Jahr 1,8 Millionen Euro in den Fonds abgeführt. In den kommenden acht Jahren wird sich der Aufwand für diese europäische Bankenabgabe auf insgesamt über 20 Millionen Euro summieren. Das ist Kapital, das der Wirtschaftsförderung entzogen wird. Wir werden deshalb einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag weniger an Förderkrediten an die Wirtschaft ausreichen können.

Ein weiteres Regulierungsthema, das eng mit der Mittelstandsfinanzierung verknüpft ist, ist die von der EU-Kommission geplante Kapitalmarktunion. Sie will die Unternehmensfinanzierung stärken, indem sie die Kapitalmärkte fördert. Profitieren davon die vielen kleinen und mittleren Betriebe in Bayern überhaupt?

Beierl: Nein, bei kleinen oder mittleren Unternehmen sehe ich nur einen sehr begrenzten Bedarf für Kapitalmarktfinanzierungen. Das hat mehrere Gründe. Die Bankenfinanzierung funktioniert hierzulande reibungslos. Der Kredit ist eines der bevorzugten Finanzierungsinstrumente. Das liegt auch daran, dass die Losgrößen von Kapitalmarktfinanzierungen mit 20 bis 30 Millionen Euro für den klassischen Mittelständler viel zu groß sind. Ebenfalls wichtig: Mittelständische Unternehmer kennen gerne ihre Gläubiger. Das ist bei der Hausbankenbeziehung, die oft schon seit Jahren andauert, gegeben. Am Kapitalmarkt hingegen sind die Gläubiger anonym.

Das ungekürzte Interview ist in der Juni-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.