Medikamente: Sorge um Versorgungssicherheit

„Die Lage ist bedenklich!“

29.05.2020

Sanacorp sorgt sich um Versorgungssicherheit bei Medikamenten

Schon länger klagen Apotheker und Ärzte über Lieferengpässe bei Arzneimitteln. Derzeit sind mehrere hundert Wirkstoffe nicht oder nur stark begrenzt verfügbar. Die aktuelle Corona-Pandemie wird den Mangel noch verschärfen, ist Herbert Lang, Vorstandsvorsitzender der Sanacorp eG Pharmazeutische Großhandlung, überzeugt: „Sorgen bereitet mir ein Blick in die Zukunft, die Lage ist bedenklich!“, sagte er dem Online-Magazin „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“ in einem Interview.

Grund dafür: Die Produktion von Arzneimitteln und Wirkstoffen, die vor allem in Indien und China stattfindet, war teilweise unterbrochen. Hinzu kommt, dass die weltweiten Lieferketten gestört sind. „Die genauen Auswirkungen werden wir erst in einigen Wochen oder Monaten spüren. Wir gehen aber davon aus, dass sich die internationale Versorgungslage in den nächsten Monaten weiter verschlechtert“, betont Lang. Die Sanacorp zählt zu den führenden Unternehmen im pharmazeutischen Großhandel.

Herbert Lang: Foto Sanacorp

Die Politik hat die Abhängigkeit von Ländern wie China bei der Versorgung mit Medikamenten als Problem erkannt. So hat der Bayerische Landtag im Februar einen Dringlichkeitsantrag verabschiedet, der sich dafür einsetzt, die Produktion von Arzneimitteln und ihrer Wirkstoffe zu wesentlichen Teilen wieder ins Inland beziehungsweise in die Europäischen Union zurück zu verlagern. Auch auf Bundesebene gibt es Initiativen. „Wenn die Politik nun entsprechende Rahmenbedingungen schafft, begrüßen wir das“, sagt Lang.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass eine heimische Arzneimittelproduktion nicht allein zur Lösung beitragen würde. Zentrales Problem seien nämlich alleine an Kosten orientierten Auswahlkriterien und die Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern. Das Prinzip: Kassen schließen einen Exklusiv-Vertrag für ein bestimmtes Medikament ab und erhalten dafür Sonderkonditionen. Lang: „Es führt kein Weg daran vorbei: Die Rabattverträge und das Ringen um konkurrenzlos niedrige Preise der Kassen sind das ursächliche Problem aller vorhandenen Lieferschwierigkeiten. Wer das immer noch leugnet, der verkennt die Realität!“ Er fordert, das System grundsätzlich zu reformieren: „Krankenkassen müssen Rabattverträge grundsätzlich mit mehreren Herstellern abschließen. In der Apotheke muss der Austausch eines verfügbaren Medikaments leichter möglich sein.“

Zudem geht Lang im Interview darauf ein, mit welchen Maßnahmen die Sanacorp ihre Mitglieder während der Corona-Krise unterstützt, wie die Apotheken auf eine mögliche zweite Infektionswelle vorbereitet sind und inwiefern die Stärken der Rechtsform Genossenschaft in Krisenzeiten zum Tragen kommen. Das komplette Interview können Sie in „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ lesen. Ein kostenloser Newsletter weist auf die Veröffentlichung hin.