Meinungsbeitrag in der „Börsen-Zeitung“

Gros: Vormachtstellung der EZB in der Bankenaufsicht kritisch hinterfragen

28.08.2017

GVB-Präsident Jürgen Gros warnt in der „Börsen-Zeitung“ vor einer Zentralisierung der europäischen Bankenaufsicht durch die EZB.

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Der Beitrag in der Börsen-Zeitung vom 26. August.



„Während eine zentrale Kontrolle von international tätigen Großbanken sinnvoll ist, muss dem zunehmenden Gestaltungsdrang der EZB bei der Überwachung kleinerer Banken Einhalt geboten werden“, schreibt Gros in einem am Wochenende veröffentlichten Meinungsbeitrag in der Wirtschaftszeitung. Er macht deutlich, dass die zunehmende Einflussnahme der Notenbank etwa im Meldewesen zu Strukturen führt, die kaum zwischen den Geschäftsmodellen der Banken differenziere. Doch dieser „one size fits all“-Ansatz belaste insbesondere kleinere Institute und zerstöre die Vielfalt des europäischen Bankensektors. Gros: „Das führt schlussendlich in ein uniformes System aus Großbanken, das auf Grund seiner Homogenität krisenanfälliger ist.“

Der GVB-Präsident fordert in dem Artikel die politischen Entscheidungsträger in Brüssel dazu auf, bei der 2018 anstehenden Überprüfung der EU-Bankenaufsicht die Vormachtstellung der EZB kritisch zu hinterfragen. Dabei schlägt er drei Leitlinien als Maßstab für die Überprüfung vor:

  1. Die Aufsicht muss pragmatisch sein. Die Kontrolle kleinerer, regional tätiger Institute sei bei den nationalen Behörden am besten aufgehoben, da sie über ein fundiertes Wissen verfüge, so Gros.

  2. Um kleinere Banken zu entlasten, muss nicht nur die Regulatorik, sondern außerdem die Aufsichtspraxis verhältnismäßig sein. Denn: „Die EZB gefährdet mit ihrem Aufsichtsgebaren gegenüber kleineren Instituten die bewährte dreigliedrige Bankenstruktur in Deutschland und schafft damit neue Risiken für die Finanzstabilität.“

  3. Es muss verhindert werden, dass die europäischen Notenbanker weitere Kompetenzen an sich ziehen. Der GVB-Präsident spricht sich deshalb dafür aus, die demokratische Kontrolle der europäischen Aufsicht durch die Gesetzgeber zu stärken.