Milchmarkt

Nachfrage nach Milch gestiegen

19.02.2014

Der Milchpreis ist 2013 wegen der zunehmenden Nachfrage auf dem Weltmarkt auf Rekordhöhe gestiegen. Für 2014 hängt die Stabilität des Milchmarktes von den künftigen Anliefermengen ab. Ein Überblick über den aktuellen Milchmarkt.


Milchabfüllung in der Molkerei: Der Milchdurst ist weltweit gestiegen und sorgt für höhere Preise. (Foto: PantherMedia/elarina)

Milchabfüllung in der Molkerei: Der Milchdurst ist weltweit gestiegen und sorgt für höhere Preise. (Foto: PantherMedia/elarina)


Der Milchmarkt befindet sich vor Beginn des letzten Milchquotenjahres, welches am 1. April 2014 anfängt, in stabiler Verfassung. Experten der Agrarmarkt Informations-GmbH sagen für das abgelaufene Jahr 2013 einen Auszahlungspreis in Deutschland in Höhe von 37,50 Cent pro Kilogramm Milch bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß voraus, ein Rekordpreis, der seit mehreren Jahrzehnten nicht erreicht worden ist. Im Vergleich zum Vorjahr würde dieser Preis um 5,4 Cent pro Kilogramm oder 17 Prozent höher liegen.

Zurückzuführen ist die Entwicklung im Wesentlichen auf die Gegebenheiten an den internationalen Märkten: Einerseits lag die Rohmilchanlieferung im ersten Halbjahr 2013 in den wichtigsten Exportländern für Milch und Milchprodukte unter der des Vorjahres. In Neuseeland herrschte starke Dürre, in Europa gab es einen ungewöhnlich langen Winter und in Südamerika sowie den USA verhinderte das ungünstige Erlös-Kosten-Verhältnis ein stärkeres Wachstum der Milchproduktion.

Chinesen lassen Preise auf dem Milchmarkt steigen


Andererseits führte die steigende Nachfrage nach Milch und Milchprodukten insbesondere aus China im Jahr 2013 zu deutlich höheren Weltmarktpreisen. China gilt vor Russland, Mexiko und Algerien als größter Nachfrager am Weltmilchmarkt. Die zunehmende Verstädterung und die steigenden Löhne treiben die Nachfrage nach Milchprodukten in dem asiatischen Land nach oben. Während es 2005 noch 5 Prozent des Inlandsbedarfs durch Importe deckte, waren es im Jahr 2012 schon 14 Prozent. 2013 wird der Anteil noch höher liegen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Milch ist in China in sieben Jahren um 39 Prozent auf etwa 35 Kilogramm pro Jahr gestiegen. Im Vergleich dazu: In der Europäischen Union ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in den vergangenen sechs Jahren lediglich um 2 Prozent gestiegen und liegt derzeit bei über 250 Kilogramm pro Jahr. Dieses leichte Wachstum ist dabei überwiegend auf den Verbrauchszuwachs in den neuen osteuropäischen Beitrittsländern zurückzuführen. Das Wachstumspotenzial des chinesischen Milchmarkts ist demnach riesig. China kompensierte 2013 auch die Kaufzurückhaltung anderer Abnehmer am Weltmarkt, die normalerweise bei zu hohen Preisen zu beobachten ist.

Ist am Milchmarkt die Nachfrage höher als das Angebot, steigen als erstes die Preise für Milchpulver, Butter und Versandmilch. Demnach profitieren in der Regel Molkereien, die höhere Produktionsanteile dieser Produkte aufweisen, schneller von den steigenden Preisen am Weltmarkt. Trotz der guten Marktsituation werden daher weiterhin Verwertungsunterschiede zwischen den Molkereien bestehen.

In Bayern liegen im Jahr 2013 die Milchpreise vermutlich nur geringfügig über dem Durchschnitt der Preise in Deutschland, eine Situation, die bisher selten vorkam. Grund dafür ist der vergleichsweise hohe Anteil von Käse in der Verwertungsstruktur. Aufgrund der Vertragslaufzeiten konnten die Käsepreise nämlich erst im Herbst angehoben werden, während sie bei Butter, Pulver und Produkten des weißen Sortiments schon früher und stärker gestiegen sind. Auch innerhalb Bayerns kann es daher zu größeren Auszahlungsunterschieden zwischen den Molkereien kommen. Wichtig für die Beurteilung der Auszahlungspreise einzelner Molkereien ist und bleibt deshalb eine langfristige Betrachtungsweise. Im langjährigen Schnitt ist die bayerische Milchwirtschaft bundesweit Spitzenreiter bei den Milchpreisen.

Stabiler Milchmarkt in der ersten Hälfte 2014 erwartet


Für das erste Halbjahr 2014 ist mit einer weiterhin stabilen Marktlage zu rechnen. Geringe Bestände an Butter, Käse und Pulver begünstigen die Marktsituation. Allerdings zeichnen sich aufgrund der hohen Milchpreise und einer weltweit verbesserten Kostensituation der Landwirte bereits wieder steigende Anlieferungsmengen ab, die den Markt ins Wanken bringen könnten. So hat im Jahr 2013 deutschlandweit die Zahl der Milchkühe erstmals wieder zugenommen, die Kuhschlachtungen sind im Vergleich zum Vorjahr um circa 6 Prozent zurückgegangen, eine Strafabgabe infolge der Überschreitung der festgelegten Milchquoten droht.

Auch in anderen EU-Ländern wie den Niederlanden, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, aber auch in Neuseeland steigen die Anlieferungsmengen. In den USA ist nach Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums USDA ebenfalls mit einem Aufbau der Milchkuhherde zu rechnen. Die Stabilität des Milchmarkts im Jahr 2014 und damit der gleitende Ausstieg aus dem Milchquotensystem werden davon abhängen, wie die zusätzlichen Mengen auf dem Weltmarkt abzusetzen sind. Für die Zukunft ist klar: Der Milchpreis für die bayerischen Erzeuger hängt zunehmend von den immer unberechenbar bleibenden Gegebenheiten des Weltmarkts ab.