Milchpreis

Globale Marktschwäche

07.10.2015

Russlands Boykott und Chinas schwache Nachfrage sind wesentliche Gründe für die unter Druck geratenen Milchpreise. Eine Analyse.


Kühe im Stall


Die aktuelle Situation am Milchmarkt ist sowohl von der Angebotsseite wie auch von der Nachfrageseite her mit Unsicherheit belegt. Die im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren EU­- wie auch weltweit sehr hohen Milchpreise haben dazu geführt, dass die Produktion nicht nur in Deutschland und in der EU, sondern weltweit stark ausgedehnt wurde. International steigerten vor allem Neuseeland und die USA ihre Milcherzeugung um mehr als 8 Prozent. Insgesamt wurde im ersten Halbjahr 2015 weltweit 0,9 Prozent mehr Milch hergestellt als im Vorjahreszeitraum. In Bayern wurde die Milchproduktion in den vergangenen vier Jahren um 400 Millionen Kilogramm auf 8,17 Millionen Tonnen (2014) erhöht.

Einbruch der Nachfrage aus Russland und China

Mit dem Auslaufen der Milchquote in Europa zum 1. April hat die globale Marktschwäche kaum zu tun. Das Ende der Quote hat nur in wenigen europäi­schen Ländern zu einer Steigerung der Milchmenge geführt, so zum Beispiel in Irland oder in den Niederlanden.

Neben der weltweit expansiven Roh­milchproduktion der letzten Jahre haben die Landwirte und Molkereien mit dem Wegfall der Nachfrage aus Russland und China zu kämpfen. So ist Russland als Absatzmarkt für europäische Milchprodukte infolge der Ukraine-­Krise gänzlich weggebrochen. Die russische Föderation boykottiert als Reaktion auf das Embargo der EU seinerseits Lebensmittelimporte aus Europa. Insgesamt wurden bis zum Ausbruch des Ukraine-­Konflikts Milchprodukte in die russische Föderation geliefert, die etwa 2,4 Prozent der Milchproduktion in der EU entsprechen. Vor allem Käse und veredelte Frischprodukte hatte Russland in den vergangenen Jahren verstärkt auch aus Bayern importiert.

Auch der chinesische Markt, welcher lange das internationale Handelsgeschehen wesentlich geprägt hat, zeigt bereits seit dem zweiten Halbjahr 2014 deutliche Schwächen. In den ersten Monaten dieses Jahres importierten die Chinesen knapp 50 Prozent weniger Vollmilchpulver und Magermilchpulver – eine Besserung ist nicht in Sicht.

Trotz der Marktkrise in Russland und China exportierte die europäische Milchwirtschaft die gleiche Milchmenge wie im Vorjahr. Allerdings hat sich die Absatzstruktur deutlich verändert. Der Export von Magermilchpulver sowie Butter, Kondensmilch und Molkenpulver wurde gesteigert, während bei Exporten von Käse und Vollmilchpulver deutliche Einbußen zu verzeichnen waren. Im Zuge der Preisverhandlungen mit den Molkereien – aktuell im Käsebereich – gab auch der deutsche Lebensmitteleinzelhandel die gefallenen Preise an die Konsumenten weiter.

Erstmals wieder positive Signale bei den Milchpreisen

Als Folge dieser Marktentwicklung sind die Milchpreise seit einigen Monaten stark unter Druck geraten. Aktuell liegen sie im Durchschnitt bei knapp 30 Cent pro Kilogramm Milch. Nach zwei Milchpreis-Rekordjahren folgt nun ein Tal in einem normalen Preis­-Zyklus, der immer Höhen und Tiefen mit sich bringt. Eine Milchmarktkrise wie 2009, als sich die Erzeugerpreise für das Kilogramm Rohmilch der 20­Cent­Marke näherten, wird es aber wohl nicht geben, da es erste Zeichen einer Trendwende hin zu seiner Marktstabilisierung gibt.

Inzwischen liegen wieder positive Marktsignale vor. Mitte August zogen die internationalen Handelspreise leicht an – zum ersten Mal seit Anfang März. Trotz dieser angedeuteten Trendwende auf niedrigem Niveau müssen die bayerischen Milcherzeuger in den nächsten Monaten – je nach Molkerei – dennoch mit einem weiteren Rückgang der Milchauszahlungspreise rechnen. Die weitere Milchpreisentwicklung hängt auch davon ab, wie sich der Lebensmitteleinzelhandel in den anstehenden Preisverhandlungen weiter verhält und sich insbesondere die für Bayern wichtigen Preise auch im Export entwickeln.


Der vollständige Artikel ist in der Oktober-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.