Mitarbeiter-Apps von Genossenschaftsbanken

Intranet für die Hosentasche

09.10.2017

Vier von fünf Beschäftigten der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte nutzen eine neue Mitarbeiter-Anwendung, um sich zu informieren und auszutauschen. Weitere Kreditgenossenschaften stehen in den Startlöchern, um die interne Kommunikation mit Smartphone-Apps zu bündeln und zu beschleunigen.

Mitarbeiter-Apps von Volksbanken Raiffeisenbanken
Die Mitarbeiter-Apps der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte und der VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg.


Über den hohen Stellenwert interner Unternehmenskommunikation haben Wissenschaftler und PR-Berater viele Bücher geschrieben. In ihren Ausführungen weisen sie darauf hin, dass der Dialog mit den Mitarbeitern wesentlich dazu beiträgt, die Identifikation mit dem Unternehmen zu fördern und die Entscheidungen des Vorstands nachvollziehbar zu machen. Und dass er die Motivation steigert sowie das Arbeitsklima verbessert. Daran zweifelt niemand mehr.

Aber wie sieht erfolgreiche interne Kommunikation heutzutage in der Praxis aus? Mit dieser Frage hat sich Michael Miehling vor mehr als einem Jahr intensiv beschäftigt. Miehling ist Prokurist und verantwortet den Bereich Vorstandsstab bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Albert Buchner, Teamleiter Kommunikation, stellte er auf der Suche nach Optimierungspotenzialen die Kanäle des Instituts auf den Prüfstand. Dabei entwickelten die beiden die Idee, die interne Kommunikation neu zu strukturieren.

StaffApp - die Mitarbeiter-App der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte


Zentrales Instrument sollte eine Smartphone-App werden, die alle Mitarbeiter auf ihren eigenen Mobiltelefonen oder Tablets nutzen können. Diese Anwendung sollte die bisher genutzten klassischen Kommunikationsinstrumente ersetzen und bündeln: die Mitarbeiterzeitung, den Personal-Newsletter und Teile des Intranets.

„Aufgrund der zunehmenden Informationsflut, wollten wir kompakter, aber auch schneller und digitaler werden“, sagt Miehling. Diese Anforderung konnte ihrer Ansicht nach eine App am besten erfüllen. Zudem ermöglicht sie es den Mitarbeitern, sich auch dann über die Vorgänge in ihrer Bank zu informieren, wenn sie einmal nicht im Büro vor dem PC sitzen. Das gilt zum Beispiel für Auszubildende während der Berufsschulaufenthalte oder für Mütter und Väter in Elternzeit.

Der Vorstand war schnell überzeugt und gab grünes Licht. Seit November 2016 können die rund 580 Mitarbeiter der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte die „StaffApp“ kostenlos für Geräte mit iOs- und Android-Betriebssystem herunterladen. Die übersichtliche, in blau und orange gehaltene Anwendung bietet topaktuelle, aber bewusst kompakt gehaltene Nachrichten aus dem eigenen Unternehmen.

Das Kommunikationsteam der Bank hat sich das Ziel gesetzt, einmal täglich einen Beitrag zu veröffentlichen, wie Buchner sagt. Auf die neuen Einträge können sich die Nutzer mit einer auf dem Display des Smartphones sichtbaren Meldung hinweisen lassen. Eine im Nachgang eingeführte Bewertungsfunktion ermöglicht Rückmeldungen.

Die Inhalte der App für Mitarbeiter


Das Themenspektrum der Text- und Video-Beiträge beschränkt sich nicht nur auf aktuelle Vorgänge in der Bank, wie zum Beispiel Vorstandsentscheidungen oder Personalwechsel. Neu ist, dass auch Zukunftsthemen aus der Finanzbranche kompakt aufbereitet werden. So wird erklärt, was ein Chatbot ist oder welche Möglichkeiten Sprachassistenten wie Amazons Alexa bieten. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter ein Gespür für die Trends und Entwicklungen in der Branche bekommen“, sagt Bereichsleiter Miehling.

Zusätzlich beinhaltet die App eine Adressdatenbank mit Kontaktdaten aller Mitarbeiter. Außerdem sind die Unternehmensgrundsätze hinterlegt, sowie Informationen zum Gesundheitsmanagement, zur Personalentwicklung oder zu Einkaufsvergünstigungen. Weitere Funktionalitäten sollen in Zukunft ergänzt werden. So wird derzeit der Einsatz eines Diskussionsforums geprüft.

Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung der App dauerte es rund sechs Monate. Wesentliche Herausforderung war die Umsetzung durch den Dienstleister incognito, ein Tochterunternehmen der Werbeagentur genokom. „Der Programmierer hatte es nicht leicht mit uns, da uns im Verlauf der Zeit immer neue Ideen gekommen sind“, erzählt Buchner. Auch das Redaktionssystem, mit dem die Inhalte eingestellt werden, wurde nach den Wünschen der Bank erarbeitet. Das kostete alles zusammen einen hohen vierstelligen Betrag, dem jedoch Einsparungen unter anderem durch den Wegfall der früheren Mitarbeiterzeitung gegenüberstehen.

Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte als eine der ersten Regionalbanken mit Mitarbeiter-App


Die Mühen haben sich gelohnt: Nachdem es anfangs kritische Stimmen gab, hat sich die App ein knappes Jahr nach dem Start in weiten Teilen der Belegschaft als zentraler interner Kommunikationskanal durchgesetzt. Die Nutzungsquote liegt bei mehr als 80 Prozent und damit bei einer Größenordnung, die auch andere Unternehmen mit vergleichbaren Angeboten erzielen. Dazu beigetragen hat neben dem inhaltlichen Mehrwert die enge Einbindung der Mitarbeiter, die zur Handhabung der App mehrfach befragt wurden. Miehling: „Wir freuen uns über das gute Feedback, aber Luft nach oben gibt es immer.“

Die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte zählte zu den ersten Regionalbanken in Süddeutschland, die eine Mitarbeiter-App eingeführt haben. Nun legen andere Institute nach. Dazu gehört im Freistaat etwa die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg, mit rund 490 Mitarbeitern ebenfalls eine der größeren Genossenschaftsbanken im Freistaat. Sie will ihre App voraussichtlich im September für alle Beschäftigten des Instituts freischalten. Am 29. November soll das Angebot den Teilnehmern der von der ABG ausgerichteten Fachtagung Digitalisierung vorgestellt werden.

Die Mitarbeiter-App der VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg


„Die App wird unser zentrales Kommunikations-und Informationswerkzeug werden“, sagt Vorstand Josef Pölt, der die Entwicklung maßgeblich begleitet hat. Auch sein Institut möchte mit der mobilen Anwendung das interne Angebot an Kommunikationswegen und Plattformen bündeln und vereinfachen. Dies sei ein expliziter Wunsch der Mitarbeiter gewesen. So werden künftig in der App Funktionen zusammengefasst, die zuvor über Lotus Notes oder das Intranet angeboten wurden.

Funktional und inhaltlich ähneln die Apps aus Ingolstadt und Starnberg einander. So beinhaltet auch das Programm der Starnberger ein Digitalisierungsblog, das einen Blick über den Tellerrand hinaus ermöglicht. Zusätzlich zu den allgemeinen Unternehmensinformationen gibt es ein Schwarzes Brett, die Möglichkeit Umfragen einzustellen und eine Chat-Funktion. Pölt: „Wir haben bei der Konzeption der App auf die Mitarbeiter gehört. Was sie an Inhalten und Funktionen wünschen, haben wir eingebaut oder werden es noch tun.“

Der Unterschied zur App aus Ingolstadt besteht nicht nur darin, dass sie von einem anderen Dienstleister programmiert wurde. Die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg hat sich für eine Zusammenarbeit mit Valido, einem Unternehmen aus Nürnberg, entschieden, nachdem sie ein Dutzend Angebote geprüft hatte. Darüber hinaus wird es die Starnberger App auch als Arbeitsplatzversion geben. Sie lässt sich also nicht nur auf mobilen Geräten, sondern auch am stationären Rechner der Bankmitarbeiter aufrufen. Damit werden auch Mitarbeiter erreicht, die über kein Smartphone verfügen. Josef Pölt ist daher zuversichtlich, ebenfalls eine Nutzungsquote von 80 Prozent und mehr zu erreichen.


Der Beitrag ist in der September-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.