Neue Brauereigenossenschaft StreuBräu

Ein Heimatbier für den Südosten Nürnbergs

02.11.2018

Der Trend zum Heimatbier hält an: In Nürnberg ist eine weitere Brauereigenossenschaft entstanden. Die Gründer haben große Pläne und eine lange Einkaufsliste.

„Da braut sich was zusammen!“ Mit diesem Slogan warb die StreuBräu eG mit Sitz in Nürnberg für die Gründungsveranstaltung im April 2018. „Unser Ziel war es, dass 50 Interessierte kommen“, erzählt Hans Reißner, der auf der Veranstaltung im evangelischen Pfarrhaus zum Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde. Schließlich fanden sich fast 200 Menschen ein, von denen 100 sofort Mitglied wurden. Inzwischen ist die Genossenschaft im Register eingetragen und hat mehr als 180 Mitglieder, die über 200 Anteile à 250 Euro gezeichnet haben.

Begeistert: Die Mitglieder der StreuBräu eG mit „ihrem“ Heimatbier. Foto: StreuBräu eG

Sitz der StreuBräu ist Altenfurt, ein Stadtteil im Südosten von Nürnberg. Vor 1972 bildete der Ort zusammen mit den heutigen Stadtteilen Moorenbrunn und Fischbach eine eigenständige Gemeinde. Bis heute ist der Gemeinschaftsgeist stark ausgeprägt, es gibt eine Freiwillige Feuerwehr sowie zahlreiche Vereine für Schützen, Fußballer oder Gartenbau-Freunde. „Viele Menschen, die im Ort verwurzelt sind, haben uns von Anfang an positiv begleitet. Diese Unterstützung war einer der entscheidenden Faktoren bei der Gründung der Genossenschaft, denn wir wollen die Verantwortung auf möglichst viele Schultern verteilen“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bernhard Plail. Von den ersten 100 Mitgliedern hat sich etwa jeder Vierte bereit erklärt, beim Brauen, Ausschank oder Marketing zu helfen.

Erste Brauversuche im Keller

Dass es die Brauerei gibt, hat vor allem mit Hans Reißner zu tun. Er braut seit 2014 in seinem Keller Bier. „Mir haben die handelsüblichen Biere nicht mehr geschmeckt. Deswegen habe ich es einfach mal ausprobiert, selbst zu brauen. Und da die ersten Versuche so gut gelungen sind, habe ich weitergemacht“, sagt er. Auf diese Weise sind verschiedene Biersorten entstanden, unter anderem ein Rotbier, ein Hefeweizen, ein Rauchbier sowie ein Pils. Der Name der Brauerei leitet sich übrigens von der Straße „Streubuck“ ab, dort steht das Haus, in dem die ersten Brauversuche unternommen wurden.

Da die Nachfrage im Freundes- und Bekanntenkreis schnell wuchs, lag es auf der Hand, die Hausbrauerei auf eine professionelle Basis zu stellen. Nach einigen Überlegungen entschieden sich die Initiatoren um Hans Reißner für die Rechtsform Genossenschaft. „Es ist eine effektive Möglichkeit, um viele Interessenten gleichberechtigt in die neue Brauerei einzubinden“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Neben dem bereits erwähnten Ziel – die Verantwortung auf möglichst viele Schultern zu verteilen – sollte mit der Genossenschaft vor allem Kapital eingesammelt werden. Denn die 50-Liter-Anlage von Reißner reicht eigentlich nicht mehr aus, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Bald soll ein Braukessel gekauft werden. Auch Zubehörteile wie Reifebehälter, eine Fassreinigungsanlage sowie eine Schrotmühle stehen auf dem Wunschzettel, einen Gärbehälter haben die Genossen bereits eingekauft. Ebenso suchen sie noch nach einem geeigneten Raum für ihre Brautätigkeit.

„Wir sind total davon überzeugt, dass die StreuBräu perfekt zu unserer Heimat passt“

Die größte Herausforderung beim Gründungsprozess war es, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. „Die Mitglieder vertrauen uns ihr Geld an. Deswegen haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht, damit das Unternehmen kein Kamikaze-Flug wird“, sagt Plail. Die ersten Monate geben der Einschätzung der Mitglieder recht, dass der Nürnberger Südosten ein Heimatbier braucht. Bei drei Veranstaltungen rissen die Gäste der Genossenschaft das Bier aus den Händen. Auf der Fischbacher Kirchweih interessierte sich gar Ministerpräsident Markus Söder für das Bier.

Ganz oben auf der Einkaufsliste der StreuBräu steht neben dem Braukessel eine Flaschen-Waschanlage. Dann könnte die Genossenschaft ihr Bier auch in Flaschen anbieten. Bisher können Liebhaber das Bier nämlich nur in Fässern mit einer Kapazität von 5 bis 50 Litern erwerben. „Im Moment spüren wir, dass die Menschen richtig Lust auf das Projekt haben. Wir sind total davon überzeugt, dass die StreuBräu perfekt zu unserer Heimat passt“, sagt Oliver Prebeck, der sich im Vorstand besonders um den Vertrieb kümmert.