NEW – Neue Energien West eG

Energiewende im Kleinen

01.06.2015

Die Neue Energien West eG bringt in Nordostbayern den Ausbau der Erneuerbaren Energien voran. Sie bietet privaten Haushalten mittlerweile selbst erzeugten Solarstrom an.

Solaranlage der NEW Neue Energien West eG. Foto: NEW Neue Energien West eGEine Solaranlage der NEW - Neue Energien West eG. Foto: NEW


Anfangs waren die Hemmungen groß. „Wir mussten den Leuten erst einmal klarmachen, dass das Licht nicht ausgeht, wenn sie zu uns wechseln“, erzählt Bernhard Schmidt. Mittlerweile sind die Verbraucher in der Region mutiger geworden: Immerhin 60 Bürger haben ihrem bisherigen Stromlieferanten den Rücken gekehrt und beziehen jetzt den Ökostromtarif Regionalstrom – Nordoberpfalz. Das ist noch keine große Zahl, aber einer von zahlreichen kleinen Schritten in Richtung Energiewende.

Seit Juni 2014 bietet die Energiegenossenschaft NEW – Neue Energien West eG aus dem oberpfälzischen Grafenwöhr einen eigenen Stromtarif an. Sie kooperiert dabei mit dem Stromanbieter Grünstromwerk, der den Tarif an die regionale Bevölkerung vermarktet. Ein Viertel des Stroms stammen aus Solaranlagen der NEW in der Nordoberpfalz, die restlichen 75 Prozent aus skandinavischen Wasserkraftwerken. „Es war uns wichtig, reinen Grünstrom anzubieten“, sagt Schmidt, Geschäftsführer der NEW.

Wie viele der 255 bayerischen Energiegenossenschaften hat sich auch die NEW dem Motto „Energie aus der Region für die Region“ verschrieben. Ihr gelingt es, sowohl Kommunen in den Landkreisen Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth, Amberg-Sulzbach und Bayreuth als auch die Bürger in der Region in eine zunehmend autarke Energieversorgung einzubeziehen. Der Stromtarif ist dabei nur ein Betätigungsfeld der im Jahr 2009 gegründeten Genossenschaft. Die NEW investierte bislang in erster Linie in Photovoltaikanlagen, die auf kommunalen Flächen montiert werden, zum Beispiel auf Dächern von Rathäusern oder Kläranlagen.

Solaranlage der NEW Neue Energien West eG in Speichersdorf. Foto: NEW Neue Energien West eGLuftaufnahme einer Anlage der Genossenschaft. Foto: NEW


„Solarenergie war damals relativ leicht umzusetzen und der Erfolg schnell sichtbar. Das war ideal für den Start“, sagt Helmuth Wächter, ehemaliger Bürgermeister von Grafenwöhr und neben Helmut Amschler von den Stadtwerken Gründer der NEW. Derzeit erzeugen die 18 Dach- und 7 Freiflächenanlagen der NEW eine Leistung von 16,5 Megawatt. Ziel ist es, die Gründungskommunen bis zum Jahr 2030 ausschließlich mit regenerativen Energien zu versorgen.

Momentan werden bereits 40 Prozent des Bedarfs abgedeckt. Um die 100 Prozent zu erreichen, will die NEW nicht alleine auf Sonnenenergie setzen: „Ich bin zuversichtlich, dass wir im Jahr 2015 unser erstes Windrad errichten können“, sagt Wächter. Zudem stehen Aktivitäten im Bereich Wasserkraft, Nahwärme, Energiespeicherung und Energieeffizienz zur Debatte.

Die NEW ist ein Kind der in den Jahren 2008 und 2009 stark gestiegenen Energiepreise. Die Stadt Grafenwöhr hatte sich damals vorgenommen, die Energieversorgung nicht mehr den großen Konzernen zu überlassen. Gemeinsam mit anderen Gemeinden stieß die Stadt die Gründung einer eG an. Mittlerweile sind in der NEW 20 Kommunen und die Bürger-Energiegenossenschaft West eG – kurz Bürger eG – vereint. Über die Bürger eG kann sich die Bevölkerung an der Energiewende in der Region beteiligen. Das Interesse ist groß: 1.300 Mitglieder haben gemeinsam schon 14,5 Millionen Euro an Kapital eingebracht, die in Projekte vor Ort investiert werden.

Der größte Wunsch der NEW ist es, neben der Stromproduktion und der Vermarktung auch noch die Verantwortung über einen Teil des Stromnetzes zu übernehmen. Dann wäre der regionale Stromkreislauf geschlossen. Die aktuellen Rahmenbedingungen bremsen die Pläne der NEW zwar aus. „Derzeit müsste man eher von einer Energieverwirrung als von einer Energiewende sprechen“, sagt Geschäftsführer Schmidt. Trotzdem will die Genossenschaft daran festhalten, die Energieversorgung wieder zurück in die Hände der Kommunen zu holen. Schmidt: „Wir sind regional, wir bleiben regional und wir wollen das Regionale weiter in den Vordergrund stellen.“