Nüdlinger Energie-Genossenschaft eG

Windenergie in Bürgerhand

20.06.2014

Unsichtbare Windräder gibt es nicht – zum Leidwesen manches Anwohners. Im unterfränkischen Nüdlingen wollte man das Potenzial der erneuerbaren Energieform trotzdem nutzen: Aus einer politischen Initiative entwickelte sich die Nüdlinger Energie-Genossenschaft, deren Bürgerwindräder noch in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen.

Windräder auf den Hügeln von Nüdlingen: Die Fotomontage gibt einen Eindruck, wie die Anlage aussehen wird.

Die Einwohner der Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen stehen so gut wie alle hinter dem Projekt, obwohl die beiden Anlagen weithin sichtbar sein werden. Die Gründe der zahlreichen Befürworter klingen einleuchtend: „Da bereits eine Vorbehaltsfläche ausgewiesen war, kam eine politische Vereinigung auf die Idee, ein Windrad zu bauen“, erklärt Vorstand Thorsten Köck. „Wir standen vor der Wahl, entweder gemeinschaftlich ein Projekt nach unseren Vorstellungen zu realisieren und von der Wertschöpfung zu profitieren oder darauf zu warten, dass ein fremder Investor uns Windräder vor die Nase stellt“, fügt er hinzu.

Die Nüdlinger haben sich für die erste Alternative entschieden. Im April 2011 gründeten 124 Bürger eine Genossenschaft. In den Folgemonaten stieg die Mitgliederzahl auf über 300 an – heute beteiligen sich knapp 400 Menschen aus der Region. Doch trotz des großen Rückhalts wäre das Projekt beinahe gescheitert.

Projekt der Nüdlinger Energie-Genossenschaft eG fast vor dem Scheitern

Auf der Gründungsversammlung wollte die Genossenschaft noch ein einzelnes Windrad errichten. „Später stellte sich jedoch heraus, dass sich dabei die Planungskosten nicht rentieren“, so Köck. Deswegen sollten es drei Anlagen werden – die Flächen dafür wären vorhanden gewesen. Doch dann formierte sich Widerstand: Etwa 30 Anwohner wehrten sich gegen das Projekt. Um den Dorffrieden zu erhalten, wurde das eine Windrad, das der Bebauung am nächsten gewesen wäre, am Ende dann doch nicht realisiert.

Der wirklich kritische Punkt kam aber erst später, im vergangenen Jahr – als die beiden Anlagen eigentlich schon fertig projektiert waren. „Mehrere Windanlagenbauer haben uns abgesagt, weil sie keine Kapazitäten mehr für 2014 frei hatten“, berichtet Köck. Erst als Anfang dieses Jahres die politische Diskussion über die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ihren Höhepunkt erreichte, seien wieder Kontingente frei geworden.

Kurze Frist für die Finanzierung

Das wiederum stellte die Genossenschaft vor eine große Herausforderung: Innerhalb weniger Wochen musste man die Finanzierung auf die Beine stellen. „Von Mitte Februar bis Anfang März haben wir 2,3 Millionen Euro eingesammelt und die Anlagen angezahlt“, so der Vorstand. Die Nüdlinger Bürger konnten sich mit mindestens einem Genossenschaftsanteil in Höhe von 100 Euro und einem mit 3,5 Prozent verzinsten Nachrangdarlehen über 1.900 Euro beteiligen. Insgesamt investiert die Genossenschaft über 8 Millionen Euro.

Mittlerweile ist die Lage ruhiger geworden. Die Bauarbeiten für die Fundamente haben bereits begonnen. Spätestens Ende November sollen sich die Rotoren im Wind drehen. „Wir müssen noch heuer ans Netz gehen, um von einer höheren Einspeisevergütung zu profitieren“, erklärt Köck. Nach dem Zeitdruck bei der Finanzierung hat die Genossenschaft aber die bauliche Realisierung großzügig geplant. Die Nüdlinger sind sehr zuversichtlich, dass sie das jetzt auch noch schaffen.


Wie erneuerbare Energie in Bürgerhand ein Erfolg werden kann, zeigen auch die Bürger-Energiegenossenschaft Zeno und die VR-BürgerEnergie Landsberg.