Peter Driessen im Interview

„Kreditangebot und vielfältige Bankenlandschaft erhalten“

04.05.2015

Die Regulierung des Finanzsektors trifft zunächst die Banken, indirekt aber auch deren Kunden. Über die Folgen für den Mittelstand spricht Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern.

Peter Driessen. Foto: IHK / Faces by frankPeter Driessen. Foto: IHK / Faces by frank



Herr Driessen, wie wichtig ist für mittelständische Unternehmen der Bankkredit und die Beziehung zu ihrer Hausbank?


Peter Driessen: Trotz oder vielleicht auch wegen der Finanzkrise ist die Beziehung zu der Hausbank ungebrochen stark, sie bleibt der Anker. Das liegt insbesondere daran, dass die Banken meist langjährige, vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen zu den Mittelständlern vor Ort pflegen. Zugleich schrecken viele kleine und mittlere Firmen davor zurück, andere Geldgeber in die Betriebe zu holen, da die Anforderungen an kapitalmarktorientierte Finanzinstrumente oft sehr hoch sind und sie Kontrollverlust befürchten. Für den Mittelstand bleibt daher der klassische Bankkredit die Basis der Unternehmensfinanzierung.

Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die aktuellen Regulierungsaktivitäten und Regulierungsvorhaben, die in letzter Konsequenz oft auch die Kreditfinanzierung beeinträchtigt?

Driessen: Insbesondere die langfristige Bankfinanzierung wird durch die strengere Regulierung, die Basel III bringt, zunehmend schwieriger. Das gilt gerade auch für Unternehmen, die als risikoreicher eingestuft werden, wie neu gegründete oder innovative Betriebe. Dazu kommt die erschwerte Fristentransformation. Sie bewirkt, dass Banken ihr Angebot an langfristigen Krediten zunehmend einschränken. Zudem veröffentlichte vor Kurzem erst der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht einen neuen Vorschlag für den Standardansatz für Kreditrisiken, der jetzt ebenfalls überarbeitet werden soll. Nach den Plänen des Basler Ausschusses soll sich nun auch diese Methode zu einem risikosensitiven, komplexen, auf internes Rating basierten Ansatz weiterentwickeln.

Warum sieht das der Mittelstand kritisch?

Driessen: Dieses Vorhaben konterkariert das ursprüngliche Ziel des Standardansatzes, gerade für kleinere Banken einfach anwendbar zu bleiben. Zudem sollen die Kapitalanforderungen durch diesen neuen Vorschlag insgesamt nicht höher werden, beteuert der Basler Ausschuss. Allerdings gelingt das nicht. Gerade bei Unternehmensfinanzierungen, aber auch bei Immobilienkrediten sind danach die Risikogewichte zu hoch angesetzt. Um die Mittelstandsfinanzierung nicht zu beeinträchtigen, müssen die Regeln angepasst werden.

Befürchten Sie Auswirkungen auf die Kreditvergabe?

Driessen: Die vorgesehene Granularitätsgrenze benachteiligt kleinere Kreditinstitute, denn sie könnten dann nicht mehr den Mittelstandsfaktor ausschöpfen. Dieser Faktor aber, der Erleichterungen für Kredite an kleine und mittlere Firmen vorsieht, muss weiterhin bestehen bleiben. Vor allem Regionalbanken und Privatbanken würden mit diesen Plänen des Basler Ausschusses zu kämpfen haben. Um jedoch unsere bewährten, kleinteiligen Bankenstrukturen zu erhalten, sollte die Möglichkeit geschaffen werden, hier national spezifische Konzepte zu entwickeln. Denn auch für die Zukunft gilt: Unser Mittelstand finanziert sich überwiegend über seine Hausbanken, also über Regionalbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen und kleinere Privatbanken, die häufig den Standardansatz anwenden. Daher beeinflusst die geplante Regelung unmittelbar, inwieweit Kredite für mittelständische Betriebe verfügbar sind.

Die EU-Kommission plant eine Kapitalmarktunion, um in Europa mehr Wachstum und Beschäftigung zu schaffen. Wie beurteilen Sie dieses Vorhaben, das den Unternehmen den Kapitalmarktzugang erleichtern soll?

Driessen:
Selbst wenn Mittelständler sich künftig stärker solchen Instrumenten öffnen, wird ihr Anteil immer eine geringere Rolle als der Kredit spielen. Wer daher die mittelständische Finanzierungs- und Investitionstätigkeit wirksam sichern will, muss das Kreditangebot und die Vielfalt der Bankenlandschaft erhalten.