Phänomen Kreditschöpfung

10.10.2013

Warum ein deutsch-britischer Professor dazu zur Raiffeisenbank Wildenburg kam.

Marco Rebl, Vorstand der Raiffeisenbank Wildenberg (li.) und Professor Richard Werner.

Der deutsch-britische Professor Richard Werner hat mithilfe der Raiffeisenbank Wildenberg das Phänomen Kreditschöpfung untersucht. Mit Bankvorstand Marco Rebl erklärt er, was das ist und warum er dazu nach Niederbayern kam.

Profil: Herr Rebl, wie kam eigentlich der Kontakt zu Professor Werner überhaupt zustande?


Rebl: Unsere Familien stammen aus demselben Ort und Professor Werners Vater war unser Hausarzt. Als er eine Bank für ein Forschungsprojekt suchte, waren wir daher sehr schnell bereit teilzunehmen.


Profil: Sie, Herr Professor Werner, waren nämlich nicht nur als Werber für Regionalbanken in Niederbayern, sondern auch als Forscher …

Werner:
Genau. Einer meiner Forschungsschwerpunkte sind die Auswirkungen der Kreditschöpfung auf die Volkswirtschaft – also der Geldmengenerweiterung durch Banken. In der Wissenschaft ist bislang nicht ganz unumstritten, ob es diese überhaupt gibt. Die Bundesbank bejaht diese, die amerikanische Notenbank Fed lehnt die Kreditschöpfungstheorie ab und behauptet, dass allein die Zentralbanken die Geldmengen ausweiten können.
In Niederbayern führen wir daher eine empirische Forschungsstudie durch, deren Ziel es ist, am Beispiel der Raiffeisenbank Wildenberg erstmals die Effekte der Kreditschöpfung auf lokale Wirtschaftskreisläufe zu belegen. Die ersten Ergebnisse werden gegen Ende des Jahres erwartet.


Profil: Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Kreditschöpfung“?

Werner: Das ist leicht erklärt: Wachstum bedeutet im Grunde, dass dieses Jahr mehr Transaktionen mit insgesamt größeren Volumina stattfinden als letztes Jahr. Dafür muss mehr Geld im Umlauf sein. Wie kommt nun mehr Geld in Umlauf? Zentralbankgeld kennt jeder – aber es macht nur 3 Prozent der Geldmenge aus. Weniger bekannt ist, dass auch Banken die Geldmenge erweitern und zwar indem sie Kredite ausreichen.
Sie erfüllen hierdurch eine Schlüsselfunktion in der Volkswirtschaft. Nun muss man aber unterscheiden zwischen Krediten, die sich positiv auswirken und jenen, die negative Folgen haben. Wenn viel Geld in Spekulationsobjekte fließt – egal ob es sich um Immobilien, Zertifikate oder Aktien dreht – ist das nicht gut. Es treibt die Vermögenswertepreise, ohne reale Werte zu schaffen.
Fließt dagegen Geld in die Schaffung von Gütern und Dienstleistungen oder in die Forschung ist das positiv. Denn durch diese Form der Geldschöpfung wachsen die echten Werte in einer Volkswirtschaft, aber nicht die Inflation.


Profil: Und warum sind Sie für Ihre Forschungen ausgerechnet nach Niederbayern gekommen?

Werner:
Deutschland ist ein großartiges Beispiel positiver Kreditschöpfung durch Banken. Denn das kleinteilige Regionalbankensystem sorgt dafür, dass die Institute vor allem produktive Kredite an kleine und mittlere Unternehmen ausreichen.

Rebl: Unsere Bank vergibt demnach Kredite mit positiver Auswirkung. Die Kreditnehmer, seien es Gewerbetreibende, Handwerker oder Landwirte finanzieren mit ihren Kreditmitteln grundsätzlich ihren Geschäftsbetrieb und arbeiten damit produktiv.
Selbst Immobilienfinanzierungen dienen im Wesentlichen dem Bau oder der Modernisierung selbiger und eben nicht der Spekulation. Diesen positiven Beitrag zum Wachstum in der Region können wir als genossenschaftliche Gruppe insgesamt für uns in Anspruch nehmen.

Werner: In Großbritannien ist das anders: Wie bereits erwähnt, wollen Großbanken Großkredite ausgeben. Hier finden sie als Abnehmer hauptsächlich andere Banken, Hedgefonds, Private Equity Fonds und die Finanzierung von Umstrukturierungen, Firmenfusionen und -aufkäufen.
Diese stellen aber nicht produktive Kreditschöpfung dar. Es sind Finanzgeschäfte, die nicht einmal zum BIP beitragen, aber dafür die Finanzwerte in die Höhe treiben und nicht nachhaltige Blasen entstehen lassen – die Auswirkungen des spekulativen Kredits.



Das gesamte Interview finden Sie in der Oktober-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt"