Photovoltaikanlagen richtig warten

So bleiben Solarzellen fit

20.02.2017

Vogeldreck, Staub, Materialschaden: Es gibt viele Gründe für einen Leistungsabfall von Photovoltaikanlagen. Energiegenossenschaften können mit regelmäßiger Wartung gegensteuern, um den Ertrag zu optimieren.Die wichtigsten Tipps zur richtigen Pflege im Überblick.

Photovoltaikanlage mit Unkraut und Wärmebild mit Folgen für die Leistung der Solarzellen
Kleine Ursache, große Wirkung: Der Schatten des Unkrauts führt dazu, dass die Solarzelle keinen Strom mehr produziert. Stattdessen verbraucht sie Energie und wird heiß, wie das Wärmebild zeigt. Das führt langfristig zu einem Defekt. Dagegen hilft nur regelmäßige Wartung.



Wer in Traunstein, Fürstenzell oder Saldenburg eine Photovoltaikan­lage betreibt, wird von den Wetterheiligen begünstigt. Langjährigen Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts zufolge scheint die Sonne über diesen drei Orten bayernweit mit am längsten. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden pro Jahr spielt die Hauptrolle, wenn es darum geht, wie viel Strom eine Solaranlage produziert. Doch es gibt noch andere Faktoren, die sich auf den Ertrag auswirken. Im Gegensatz zum Wetter kann der Mensch auf sie einwirken.

Schmutz und Unkraut entfernen


Einige dieser Einflüsse werden bisweilen unterschätzt. Dazu zählt etwa Schmutz, der sich auf den Modulen ablagert und die Stromproduktion beeinträchtigt. „Besonders in langen Trockenperioden ohne Regen sammelt sich viel Staub und Vogelkot auf den Solarzellen“, sagt Dominik Fröhler, Geschäftsführer der Baywa­Tochter renerco plan consult GmbH.

Auch in der Nachbarschaft von landwirtschaftlichen Betrieben staubt es manchmal beträchtlich. In solchen Fällen steigere eine Reinigung der Paneele oftmals den Stromertrag, sagt Fröhler. Bei Freiflächenanlagen empfiehlt er zudem, Unkraut, Bäume und Sträucher regelmäßig zurückzuschneiden, weil sie sonst Schatten auf die Module werfen. Auch das vermindert die Stromausbeute.

Technische Defekte beseitigen und regelmäßig warten lassen


Der Grund für einen Leistungsabfall muss jedoch nicht in der Natur liegen. Er hat oftmals auch technische Ursachen. Die Fehlerquellen reichen von ausgefallenen Paneelen und altersschwachen Wechselrichtern bis hin zu durchgeschmorten Leitungen und defekten Sicherungen. Wechselrichter wandeln den von den Modulen produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um, der in das Netz eingespeist werden kann.

Günther Heidingsfelder, Sachverständiger und ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Solargenossenschaft Wiedersbach, empfiehlt deshalb, Anlagen mindestens einmal pro Jahr warten zu lassen. Viele Fehlerquellen wie etwa eine verstopfte Lüftung oder eine falsche Konfiguration des Wechselrichters werden so frühzeitig bemerkt. „Das verhindert nicht nur den Totalausfall, sondern erhöht auch die Lebensdauer“, ergänzt Fröhler.

Anlagenerträge und Messdaten protokollieren


Fachleute raten zudem, die Anlagenerträge und Messdaten zu protokollieren und mindestens einmal im Monat zu prüfen. Das erleichtert es, Probleme frühzeitig zu erkennen und finanzielle Verluste zu minimieren. Heidingsfelder empfiehlt für die Kontrolle Online-Datenbanken mit Referenzwerten, beispielsweise die des Solarenergie­-Fördervereins Deutschland: „Sobald man bemerkt, dass die eigene Anlage im Vergleich zu anderen abfällt, sollte man reagieren.“

Energiegenossenschaften: Fachleute unter den Mitglieder um Rat fragen


Gerade bei Genossenschaften lohnt es sich, die Mitglieder einzubinden. Sind Elektriker unter ihnen, können diese zum Beispiel Sicherungen selbst prüfen und tauschen. Auch der Austausch mit den Beratern des GVB sowie den Vorständen anderer Energiegenossenschaften hilft weiter. Heidingsfelder: „Der Verband ist gut aufgestellt und andere Energiegenossenschaften beschäftigen sich mit den gleichen Themen. Warum also nicht einfach die Kollegen fragen?“ Der Austausch nützt vor allem bei der Frage, ob und wann es sich wirtschaftlich rechnet, bei Leistungsabfällen externe Dienstleister mit der oftmals aufwendigen Fehlersuche zu beauftragen.

Ausführliche Prüfung vor Ablauf der Garantie durchführen


Unabhängig davon sollte bei jeder Anlage kurz vor Ablauf der Produktgarantie eine ausführliche Prüfung erfolgen. „Manche Module sind bereits ab Werk fehlerhaft, ohne dass es gleich bemerkt wird. Das führt irgendwann zum Ausfall“, sagt Fröhler. Diese Mängel müsse der Käufer jedoch rechtzeitig nachweisen, um von der Gewährleistung zu profitieren.

Alte Wechselrichter austauschen


Vor allem Solargenossenschaften mit älteren Anlagen rät Fröhler zudem, einen Tausch der alten Wechselrichter gegen neuere, effizientere Geräte zu erwägen. „Bei neuen Wechselrichtern ist der Wirkungsgrad bis zu 5 Prozent höher. Das bringt nicht nur mehr Geld in die Kasse, sondern senkt obendrein das Ausfallrisiko“, pflichtet Heidingsfelder bei. Danach muss nur noch das Wetter mitspielen.