Radiologicum adserv eG

Mit der eG können sich Münchner Radiologen wieder auf die Medizin konzentrieren

 


Aus der alt-eingesessenen Praxis „Radiologie Schwabing“ an der Münchner Freiheit ist von 2006 bis heute ein Verbund aus acht radiologischen und nuklearmedizinischen Praxen geworden – das radiologicum München. Die Philosophie: Man möchte mit den in ganz München verteilten  Einrichtungen eine möglichst wohnortnahe Versorgung erreichen.

Um von den Patienten trotzdem als ein großes Ganzes wahrgenommen zu werden und eine stärkere Schlagkraft zu erzielen, suchten die Ärzte nach einer übergeordneten Struktur. Die Mediziner wollten bestimmte Aufgabengebiete zusammenlegen, Kräfte bündeln und Synergien nutzen, um Kosten zu sparen. Das Ergebnis der  Überlegungen ist die Radiologicum adserv eG, die im Februar dieses Jahres gegründet wurde.


Administration und Service

Wie das „adserv“ im Namen schon vermuten lässt, werden  Administrations- und Serviceleistungen der einzelnen Praxen zusammengelegt. „Mit der Genossenschaft geben wir gewisse Aufgaben an einen eigenen Dienstleister ab. Primäres Ziel davon ist, dass wir Ärzte uns wieder auf unser Hauptanliegen konzentrieren können – die Medizin“, sagt das Vorstandsmitglied Michael Röttinger, einer der Radiologen aus dem Netzwerk. Die Genossenschaft beschäftigt, orientiert an den Anforderungen der Ärzte, 10 bis 15 Mitarbeiter. Der Großteil davon ist festangestellt und stellt den Praxen ein umfassendes Angebot zur Verfügung.

Zu den Haupttätigkeitsfeldern zählt das Personalmanagement: Der Zusammenschluss übernimmt in diesem Bereich sowohl die Personalsuche als auch die Einsatzplanung und die Organisation der Fortbildungen. Es ist sogar geplant, einen Personal-Pool aufzubauen. Bei Bedarf könnte jede Praxis, auch von außerhalb der Genossenschaft, darauf zurückgreifen. Außerdem haben die Ärzte die betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten an die eG abgetreten. Dazu zählen unter anderem das Controlling oder die Rechnungsstellung an die Patienten.


Bessere Konditionen


Das Gerätemanagement ist eine weitere Kernaufgabe, bei der die Genossenschaft zum Beispiel die  regelmäßigen Wartungen der medizinischen Apparaturen koordiniert. Ein großer Gewinn für die Praxen: Die Bestellung dieser Geräte kann gebündelt werden. Die Radiologicum adserv führt die Verhandlungen mit den Herstellern im Namen aller und kann somit deutlich bessere Konditionen erzielen.

In Zukunft ist sogar denkbar, dass die Genossenschaft die Geräte anschafft, um sie weiterzuvermieten. Schließlich bemüht sich das Unternehmen noch um das Image der Mediziner. Zu diesem Zweck steuert sie Marketingmaßnahmen und führt Qualitätskontrollen durch. Jede der Praxen aus dem Verbund zahlt für die Leistung, die sie in Anspruch genommen hat.

In Zukunft ist angedacht, dass die Genossenschaft ihre Dienste auch Nichtmitgliedern anbietet. „Dadurch, dass wir als Ärzte unser Know-how in die Angebotsgestaltung einbringen, können wir ein attraktiver Geschäftspartner für andere Mediziner sein“, so Röttinger. Ein erster Schritt ist schon getan: Der IT-Mitarbeiter der Genossenschaft ist bereits für drei Praxen tätig, die nicht dem Radiologicum München angehören.


Praxisgerechtes Angebot

Die Ärzte hätten die aufgezählten Aufgaben  auch an ein beliebiges Unternehmen übertragen können. Die Genossenschaft bietet ihnen jedoch entscheidende Vorteile: „Sie ist etwas viel  persönlicheres als eine reine Outsourcing-Firma, bei der man Leistungen bucht. Im Gegensatz dazu kann ich in einer eG als Arzt und Genosse selbst mitbestimmen“, sagt Röttinger. Durch die Mitgliedschaft jeder der acht Praxen in der Genossenschaft entsteht ein Dienstleistungsangebot, das den jeweiligen Bedürfnissen ideal angepasst ist.

Zudem können die Ärzte die Kosten beeinflussen. Und zudem können eventuelle Gewinne der Genossenschaft wieder den Praxen zugute kommen. Röttinger vergleicht die Funktionsweise der Genossenschaft mit der eines Seesterns. Mit einem Mix aus zentraler Bündelung von Aufgaben und dezentraler Steuerung entsteht ein praxisgerechtes  Angebot. Im Zentrum steht die Genossenschaft – die übergeordnete Struktur, nach der die Ärzte gesucht hatten. Auf der anderen Seite stehen die Mediziner selbst, die als  Teilhaber die Radiologicum adserv mitgestalten. „So wie der Seestern dezentral gesteuert wird und jeder Arm  seine Bestimmung hat, so hat bei uns jedes Mitglied das gleiche Mitspracherecht“, so Röttinger.