Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land

„Die Zeichen der Zeit erkennen“

01.06.2015

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft geht auch am genossenschaftlichen Warenhandel nicht spurlos vorüber. Franz Breiteneicher, Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land, spricht über Veränderungen, Herausforderungen und Strategien.

Betrieb der Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land. Foto: Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land.
Ein Betrieb der Genossenschaft. Foto: Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land.


Der Wandel in Landwirtschaft und Warenhandel

„In meiner Anfangszeit zählte ein Betrieb mit 20 bis 30 Milchkühen schon zu den Großen. Heute haben die Landwirte 250 Milchkühe. Der Trend zu größeren Tierbeständen und mehr landwirtschaftlicher Nutzfläche hat auch zur Erweiterung der Warenbetriebe geführt. Der gleichzeitige Rückgang der Anzahl  landwirtschaftlicher Betriebe hat bewirkt, dass viele Warengenossenschaften jetzt auch Bau-, Brenn- und Treibstoffe oder Produkte rund um Haus und Garten anbieten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Der Strukturwandel im Agrarsektor wird sich fortsetzen. Wie die Handyhersteller, müssen auch wir die Zeichen der Zeit erkennen.“

Die veränderten Bedürfnisse der Kunden

„Früher hatte eine Anlage zur Getreideannahme eine Leistung von 30 Tonnen in der Stunde. Heute verlangen Bauern eine Annahmekapazität von 150 Tonnen. Um dem gerecht werden zu können, legen wir mehrere Standorte zusammen. Im Landkreis Erding sind deshalb von ursprünglich 15 Betrieben noch neun übrig. Das kann längere Wege zur Folge haben, dafür müssen die Kunden nicht auf die neueste Technik verzichten.

Franz BreiteneicherZudem bauen wir das Angebot an landwirtschaftlichen Dienstleistungen und Beratungen aus, um den Kunden einen bestmöglichen Service zu bieten. Auch dabei müssen wir uns individuell an die Region anpassen: Derzeit verzeichnen wir in unserem Geschäftsgebiet zum Beispiel einen Rückgang an Milchkühen. Das ist der totale Gegentrend zu Deutschland. Die Nähe zum Flughafen und die große Zahl an Arbeitsplätzen bedingt aber, dass sehr viele Landwirte ihren Hof nur noch nebenerwerblich führen und nur noch Ackerbau betreiben. Folglich müssen wir unsere Beratung umstellen. Um kompetent zu bleiben, stellen wir in Erding jedes Jahr drei bis vier Auszubildende ein – auch wenn es immer schwieriger wird, geeignete Bewerber zu finden.

Franz Breiteneicher. Foto:
Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land

Hinzu kommt, dass auch unser Kunde immer mehr zu Onlinekäufen tendiert. Da hilft kein Jammern, sondern nur Handeln. Die Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land betreibt deshalb seit 2014 einen eigenen Onlineshop mit rund 200 Produkten für Haus, Hof und Garten.“

Die Folgen der Internationalisierung

„Früher waren die Mühlen vor Ort ein großer Abnehmer. Jetzt verkaufen wir sehr viel Getreide ins europäische Ausland. Um flexibel auf Preisschwankungen an den Weltmärkten reagieren zu können, analysieren wir kontinuierlich den Preistrend. So bleiben wir wettbewerbsfähig.“

Die Zukunftspläne

„Wir möchten mit unseren Agrarkunden mitwachsen, um weiterhin als kompetenter und leistungsstarker Partner der heimischen Landwirtschaft da zu sein. Nicht alle unsere Agrarstandorte werden erhalten bleiben können. Zudem werden wir spezialisierte Schwerpunktbetriebe bilden. Auch in zehn Jahren wird sich das Raiffeisen-Warengeschäft durch seine qualitativ hochwertigen Produkte und seine äußerst kompetente Fachberatung auszeichnen. Der Onlinehandel wird dann Routine sein und von uns vertriebene Apps werden den Landwirten die tägliche Arbeit erleichtern. Durch die örtliche Präsenz von Raiffeisen-Betrieben wird die Nähe zum Kunden aber weiterhin bestehen bleiben.“