Regionale Lebensmittel

„Verbraucher wünschen authentische Produkte“

29.03.2017

Die Deutschen schauen immer genauer hin, woher ihr Essen stammt. Regionalität spielt eine immer größere Rolle. Warum Genossenschaften als Erzeuger davon profitieren können, erklärt Agrarexperte Ulrich Hamm, Professor für Agrar­ und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel.

Lebensmittelmarkt in München. Foto: imago/Ralph Peters
Markt in München: Auch Stadtbewohner setzen immer mehr auf Produkte aus regionalem Anbau. Foto: imago/Ralph Peters



Herr Professor Hamm, Sie haben viele Studien zu regionalen Lebensmitteln durchgeführt. Welche Bedeutung haben sie für Verbraucher?

Ulrich Hamm:
Regionale Lebensmittel sind ein Megatrend. Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Erstens assoziieren die meisten Menschen damit positive Eigenschaften wie Frische und Geschmack. Zweitens wollen sie ein Zeichen gegen die Globalisierung des Essens setzen. Sie wünschen authentische Produkte statt austauschbarem Fast Food. Und drittens suchen Verbraucher einen Bezug zu ihren Lebensmitteln. Beim lokalen Erzeuger können sie sich vor Ort selbst ein Bild über die Produktionsbedingungen machen – etwa wie die Tiere gehalten werden.

Bei welchen Produktgruppen ist die regionale Herkunft besonders wichtig?

Hamm: Ganz oben stehen Obst und Gemüse sowie Fleisch und Wurstwaren. Danach folgen mit etwas Abstand Eier und Milchprodukte sowie Backwaren. Auch bei Getränken wie Bier, Wein oder Mineralwasser spielt die regionale Herkunft eine bedeutende Rolle. Weniger wichtig ist die regionale Herkunft bei Lebensmitteln mit vielen Bestandteilen sowie einem hohen Verarbeitungsgrad wie Pizza oder Müsli.

Sind Konsumenten bereit, für regionale Lebensmittel mehr Geld auszugeben?

Hamm: Die Zahlungsbereitschaft variiert je nach Lebensmittel und der Konsumentenansprache. Grundsätzlich sind Konsumenten bereit, für regionale Produkte rund 20 Prozent mehr auszugeben. Da ist aber noch viel Luft nach oben, zum Beispiel wenn Lebensmittel als regionale Spezialitäten angeboten werden. Wichtig ist, den Konsumenten zu vermitteln, welche besonderen Anstrengungen in Produktion und Verarbeitung unternommen worden sind. Und dann müssen Konsumenten interessante Rezepte angeboten werden, die jeder nachkochen kann. Beispiel Fleisch: Ein noch so gutes Rinderfiletsteak kann zur „Schuhsohle“ werden, wenn die falsche Pfanne, das falsche Fett, die falsche Hitze und Bratzeit verwendet werden. Es reicht also nicht, nur regionale Produkte zu vermarkten, sondern die Produkte müssen auch mit einem Mehrwert kommuniziert werden.

Was können regionale Erzeuger tun, um sich im Lebensmittelhandel stärker zu positionieren?

Hamm: Das Genossenschaftsmodell, in dem sich Erzeuger zusammenschließen und ihre Produkte gemeinschaftlich vermarkten, ist ein sinnvoller Weg. Zudem lohnt es sich, mit lokalen Verarbeitern wie Metzgern, Bäckern und Molkereien zu kooperieren. So lassen sich gezielt Produkte aus der Region für die Region als Spezialitäten entwickeln. Gerade selbstständige Lebensmitteleinzelhändler sind an guten Regionalkonzepten interessiert.

Wie können lokale Produzenten – wie Genossenschaften – Endverbraucher auf ihre Produkte aufmerksam machen?

Hamm: Es ist wichtig, die Kunden direkt im Supermarkt anzusprechen. Mit Hinweisen an den Regalen oder einem QR­Code auf den Verpackungen erhalten sie sofort weitergehende Informationen über Herkunft und Art der Erzeugung oder Tierhaltung. Zudem kommen Bilder gut an. Beispiel Eierregal: Kunden lieben es, wenn dort überraschende jahreszeittypische Fotos von Hühnern im Freiland hängen – zum Beispiel Hühner im Schnee oder beim Sandbad. So etwas steigert die Zahlungsbereitschaft enorm.


Das vollständige Interview ist in der April-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.