Regulierung der Milchwirtschaft

Wieviele EU-Gesetze in der bayerischen Milch stecken

07.08.2014

Milch und Milchprodukte gehören zu den empfindlichsten Lebensmitteln überhaupt. Der Markt ist in der Europäischen Union dementsprechend stark reguliert. Ein Überblick über die Vorschriften, die Molkereien und Erzeuger beachten müssen.

Milch im Zeichen der Regulierung: Eines der am stärksten reglementierten Lebensmittel. Foto: Panthermedia / andreykuzmin (1), wwwebmeister (1)Milch im Zeichen der Regulierung: Eines der am stärksten reglementierten Lebensmittel. Foto: Panthermedia / andreykuzmin (1), wwwebmeister (1)


Regulierung bei der Tierhaltung

Schon beim Halten der Tiere fangen die Vorschriften auf EU­-Ebene an. Sie regeln zum Beispiel, dass Kälber nicht mehr angebunden werden dürfen. Für die Produktion von Bio­-Erzeugnissen gibt es eine europaweit gültige Bio-Verordnung, die neu überarbeitet werden soll. Hier ist unter anderem geplant, eine Nulltoleranzgrenze bei Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in Bio-­Produkten zu verankern. Auch bei der Milchgewinnung gibt es Vorschriften, unter anderem wie die Bauern zu melken und die Milch zu lagern haben, auf welche Temperatur sie zu kühlen ist und welche qualitativen Grenzwerte einzuhalten sind.

Standards für Milchprodukte  

Auch die Milchprodukte selbst kommen nicht ohne Regelungen aus. So ist zum Beispiel der Fettgehalt der Konsummilch mit den verschiedenen Bezeichnungen „Vollmilch“, „fettarme Milch“ und „Magermilch“ genau bestimmt. Bei Streichfetten sind die Anforderungen an die Produkte mit bestimmten Verkehrsbezeichnungen wie „Butter“, „Dreiviertelfettbutter“, „Margarine“, „Mischfett“ et cetera ebenfalls auf europäischer Ebene festgelegt.

Kennzeichnungspflichten

Allgemein dürfen Lebensmittelunternehmer in Europa behandelte Erzeugnisse tierischen Ursprungs nur in den Verkehr bringen, wenn sie über ein gültiges Genusstauglichkeits-­ oder Identitätskennzeichen verfügen. Dieses Kennzeichen gibt Auskunft über den Betrieb, der das Lebensmittel anbietet und soll die Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Identitätskennzeichen der bayerischen Molkereibetriebe beginnen mit „DE BY“. Produkte der Goldsteig Bayerwald Käsereien erkennt man beispielsweise an der Zeichenfolge DE BY 301 EG.

Zwingend sind darüber hinaus auch Angaben zum Beispiel zur Bezeichnung, zum Zutatenverzeichnis, eine Allergenkennzeichnung, das Ursprungsland, der Alkoholgehalt, die Nährwertdeklaration und vieles mehr. Das soll ein hohes Verbraucherschutzniveau gewährleisten. Umfangreich geregelt sind auch die zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Nahrungsergänzungsmittel sowie Vitamine, Mineralstoffe und Aromastoffe.

Mengensteuerung

Außer den Vorschriften zur Herstellung und zur Verarbeitung von Milchprodukten, gibt es zudem Bestimmungen, die Produktionsmengen und ­Preise regeln. So wurde im Jahr 1984 die sogenannte Garantiemengenregelung, auch als „Quotenregelung“ bezeichnet, eingeführt. Sie schreiben die zu produzierenden Milchmengen der Landwirte fest. Seit 2009 sind die Milchquoten kontinuierlich um insgesamt 5 Prozent erhöht worden. 2015 sollen sie ganz abgeschafft werden.

Keine Liberalisierung in Sicht

Die Regelungen, die die Produktionsmengen und -­preise auf dem Milchmarkt betreffen, werden also immer mehr den tatsächlichen Markterfordernissen angepasst. Die Regelungen im Sinne des Verbraucherschutzes nehmen auf Europaebene dagegen immer stärker zu. Sie ersetzen zunehmend nationale Rechtsvorschriften. Der Verbraucherschutz ist demnach in Europa angekommen.



Einen ausführlichen Überblick über die Verordnungen und Richtlinien der EU in der Milchwirtschaft erhalten Sie in der August-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".