Regulierung von Zinsänderungsrisiken

Bayerns Kreditgenossenschaften warnen vor Finanzierungsengpässen

26.01.2015

Dem deutschen Mittelstand drohen bei einer schärferen Regulierung von Zinsänderungsrisiken womöglich erhebliche Finanzierungsengpässe. Das geht aus einer Simulationsrechnung der Technischen Hochschule Nürnberg für den Genossenschaftsverband Bayern (GVB) hervor.

Baustelle mit Arbeitern
Auf der Baustelle: Die Regulierung von Zinsänderungsrisiken schränkt die Mittelstandsfinanzierung ein - mit negativen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.


Das Kompetenzzentrum Finanzen an der Hochschule hat untersucht, welche Folgen eine Eigenkapitalhinterlegungspflicht für Zinsänderungsrisiken auf die Kernkapital- und Eigenmittelquoten von Banken hätte. Dazu haben die Wissenschaftler Daten von 756 Volksbanken und Raiffeisenbanken aufbereitet und drei Szenarien mit unterschiedlich strengen Annahmen durchgerechnet.

Das Ergebnis: Die Quoten sinken bei allen Instituten teils deutlich und unterschreiten in mehreren Fällen im drastischsten Szenario die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerte. Damit würden die zur Verfügung stehenden Mittel für das Kreditgeschäft erheblich verknappt. Nach Einschätzung der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, würde dadurch die ohnehin zurückhaltende Investitionstätigkeit der Unternehmen in Deutschland weiter verringert.

GVB rechnet mit Verschlechterung der Finanzierungskonditionen


„Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Das pauschale Vorhalten von Eigenkapital für Zinsänderungsrisiken geht auf Kosten der Kreditvergabe an die Realwirtschaft", sagte GVB-Präsident Stephan Götzl. Der Genossenschaftsverband Bayern schätzt die daraus resultierende Verminderung des Kreditvergabepotenzials allein bei den 281 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat auf bis zu 47,6 Milliarden Euro.

Zudem rechnet der Verband mit einer Verschlechterung der Finanzierungskonditionen: Die Banken würden entweder verstärkt kurzfristige oder variabel verzinste Kredite ausreichen. Götzl: „Am Ende werden die Unternehmen für die fehlgesteuerte Regulierung bezahlen müssen."

Die Detailergebnisse der Simulationsrechnung sind in der Ausgabe 2/2015 von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt" zusammengefasst. Zudem steht eine ausführliche Ergebnisdarstellung der Studie zum Download zur Verfügung.


Weitere Informationen

Pressemitteilung des GVB: Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken warnen vor eingeschränkter Kreditvergabe