Richtig vorgehen gegen „Enkeltrick“

Wie Bankmitarbeiter Kunden vor Betrugsversuchen schützen können

21.05.2019

Derzeit häufen sich wieder „Enkeltrick“-Betrügereien. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbanken und Raiffeisenbanken können dazu beitragen, diesen Kriminellen das Handwerk zu legen. Der GVB fasst die Handlungsempfehlungen der Polizei zusammen.


Die Polizei ist aktuell mit vielen Fällen des „Enkeltricks“ konfrontiert. (Foto: @Bayerische Polizei)

Im ersten Quartal 2019 kam es vor allem im süddeutschen Raum zu einer Welle von Anrufen falscher Polizisten. An nur drei Tagen wurden der Polizei in München Anfang Februar allein 400 solcher Telefonate gemeldet. Die Täter konnten dabei mehr als 400.000 Euro erbeuten (Quelle: Weißer Ring) Diese Betrugsmasche ist eine Erweiterung des bereits bekannten „Enkeltricks“, bei dem der Schaden allein 2018 in Millionenhöhe ging. Bankmitarbeiter haben aber auch bereits zahlreiche Versuche vereitelt. Woran können sie den „Enkeltrick“ erkennen und wie sollten sie sich verhalten?

Enkel- und Polizistentrick


„Weißt du, wer da ist?“ Mit dieser unverfänglichen Frage beginnt die Betrugsmasche.  Kriminelle geben sich am Telefon als Verwandte in Not aus. Sie bitten ihre Opfer, meist Senioren, um hohe Beträge. Diese gehen zur Bank, um das geforderte Geld abzuheben. Danach übergeben sie es einem Boten, der vom vermeintlichen Familienmitglied geschickt wurde. Manche verlieren dabei ihre gesamten Ersparnisse. Mit der neuen „Polizisten“-Masche verfolgen die Betrüger ein ebenso perfides System. Am Telefon wird behauptet, dass es Hinweise auf einen geplanten Einbruch gebe. Auch die Bankmitarbeiter seien korrupt, daher solle man sein Konto leeren und das Geld mitsamt Schmuck etc. der Polizei übergeben, die jemanden zum Abholen schickt.

Wie verhält man sich als Bankmitarbeiter?


Die Polizei stellt unter www.polizei-beratung.de umfangreiche Informationen auch für Bankberater bereit. Ihnen kommt eine wichtige Rolle zu, um ihre Kunden vor dieser Betrugsform zu schützen. Wenn jemand eine ungewöhnlich hohe Abhebung wünscht oder zusätzlich auch noch das Bankschließfach räumen möchte, sollten sie sich folgende Fragen stellen:

  • Sind solche Abhebungen für den Kunden außergewöhnlich?
  • Will der Kunde rasch einen Kredit?
  • Braucht er das Geld sofort?
  • Ist der Verwendungszweck unklar oder widersprüchlich?
  • Gibt es Hinweise, dass der Kunde nichts über den Zweck der Abhebung sagen darf?
  • Wird der Kunde von einer deutlich jüngeren Person begleitet?


Gerade Bankmitarbeiter genießen bei Senioren besonderes Vertrauen. Sollten einige dieser Fragen also mit „Ja“ beantwortet werden können, können sie mit dem richtigen Verhalten ihre Mitmenschen schützen. Die Polizei empfiehlt:

  • Sprechen Sie mit dem Kunden und fragen Sie nach dem Verwendungszweck des Geldes.
  • Erkundigen Sie sich, ob der Senior den Enkel-/Polizistentrick kennt. Informieren Sie ihn gegebenenfalls und stellen Sie sicher, dass er sie verstanden hat.
  • Lösen Sie die Raumüberwachung aus, wenn sich Begleitpersonen im Schalterbereich befinden und rufen Sie ggf. die Polizei unter der Notrufnummer 110.
  • Bitten Sie Ihren Kunden für das Gespräch und die Auszahlung in einen separaten Raum. Besprechen Sie sich evtl. mit Kollegen.
  • Empfehlen Sie eine sichere Zahlungsform wie eine Blitzüberweisung.
  • Bieten Sie an, bei Bezugspersonen anzurufen, jedoch nur, wenn Ihnen diese Nummer bekannt ist. Rufen Sie niemals den Kontakt an, den Ihnen das Opfer gibt.

Weitere Informationen dazu gibt es unter https://www.polizei-beratung.de/medienangebot/detail/93-enkeltrick/.

Der GVB unterstützt die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken in juristischen Fragen zu diesem Thema: recht@gv-bayern.de, 089/2868-3700, bankaufsichtsrecht@gv-bayern.de, 089/2868-3860.

Die Polizei bietet zudem Schulungen für Bankmitarbeiter an. Für Anfragen bitte an die örtliche Polizeidienststelle wenden.