RugenDorfladen eG

Mehr als ein Supermarkt

20.01.2015

Im oberfränkischen Rugendorf wollte 2013 die letzte Einkaufsmöglichkeit des Orts schließen. Eine Genossenschaft hat das verhindert.


Die Bäckerei wollte aufgeben, da der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hatte. Die Suche nach alternativen Verkaufsräumen erschien aussichtslos. Das jedoch mobilisierte die Bürger: „Dass Rugendorf keine Einkaufsmöglichkeit mehr hat, wollten wir nicht hinnehmen“, erzählt der ortsansässige Matthias Rödel.

Im November 2013 gründeten er und seine Mitstreiter eine Genossenschaft, die RugenDorfladen eG. Die Entscheidung für die Rechtsform hatte einen Grund: „Wir brauchten den Rückhalt aller Mitbürger“, sagt Rödel. Und die eG sollte für die nötige Akzeptanz sorgen.

Warum der Dorfladen eine Genossenschaft wurde

Rödel, der mittlerweile Vorstand der Genossenschaft ist, berichtet über die Vorteile der Unternehmensform: „Die eG ist die Rechtsform, die man wählen kann, ohne dass Neid aufkommt, weil ein Mitglied mehr Stimmrecht als das andere hat.“

Doch nicht nur die Rechtsform, sondern auch das Gebäude des Dorfladens ist genossenschaftlich. Unter den drei zur Auswahl stehenden Objekten fiel die Wahl auf eine ehemalige Raiffeisenlagerhalle. Die Kulmbacher Bank eG Raiffeisen­Volksbank, die in den Nebenräumen der Halle firmiert, verkaufte das Gebäude an die Gemeinde, als sich die Geschäftsgründung abzeichnete. Die Bank selbst blieb als Mieter und bekam mit dem Dorfladen einen willkommenen Nachbarn – schließlich pflege man die gleichen Ideale, so Rödel.

Hilfe von der Gemeinde

Auch die Gemeinde war daran interessiert, die Nahversorgung zu sichern: In letzter Zeit hatten sich mehrere Unternehmen in der Gegend niedergelassen. Ihnen wollte die Kommune etwas bieten. Sie baute deshalb die Raiffeisenhalle nach den Wünschen der Dorfladen-­Ge­nossenschaft um.

Im September 2014 öffnete der Dorfladen in Rugendorf erstmals seine Pforten. Auf 170 Quadratmetern bietet er alles für den täglichen Bedarf, von Molkereiprodukten bis zu Drogerie-­Artikeln. Ein Großteil der Produkte stammt aus regionaler Herstellung: Die Backwaren liefert der Bäcker, dessen ursprünglich geplante Schließung den Stein überhaupt ins Rollen brachte. Wurst und Fleisch kommt aus dem Nachbarort. Die Getränke stammen von der ebenfalls genossenschaftlich organisierten Plassenburg Kelterei. Selbst Pralinen gibt es aus einer lokalen Manufaktur.

Mehr als ein Supermarkt

„Wer nicht mobil ist oder keine Zeit hat, kann sich die Ware liefern lassen“, sagt Rödel. Des Weiteren befinden sich in der ehemaligen Raiffeisenhalle ein DHL-­Paketshop und eine Lotto­-Annahmestelle. Im Gegensatz zu einem normalen Supermarkt ist der RugenDorfladen dabei mehr als eine Einkaufsstätte. Täglich gibt es ein Mittagessensangebot im Bistro. Nachmittags trifft man sich auf einen Kaffee. Vom Schüler bis zum Rentner – die Kundschaft ist bunt gemischt: „Mit unserem RugenDorfladen haben wir nicht nur die Nahversorgung gesichert“, sagt Rödel. „Wir haben einen Ort der Begegnung geschaffen.“


Weitere Informationen zum RugenDorfladen lesen Sie in der Januar-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".

Der Dorfladen ist nicht das einzige Beispiel eines genossenschaftlichen Einkaufsmarktes. Auch in den mittelfränkischen Ortschaften Schönberg, Arberg und Absberg oder im oberfränkischen Unterleinleiter haben in letzter Zeit Bürger die Nahversorgung über die Rechtsform eG übernommen.



Bilder vom RugenDorfladen