Sanacorp-Chef Herbert Lang im Interview

Wie eine Genossenschaft Apothekern hilft

15.12.2016

Die Sanacorp eG ist eine der umsatzstärksten bayerischen Genossenschaften. Der Pharmagroßhändler vertritt deutschlandweit rund 7.500 Apotheker. Vorstandschef Herbert Lang erklärt, warum sie vom Zusammenschluss profitieren und warum die Sanacorp auch nach 90 Jahren noch erfolgreich ist.

Apotheke
Rund 7.500 Apotheker sind Mitglied bei Sanacorp.


Profil: Herr Lang, warum sollten Apotheker Mitglied der Sanacorp werden?

Herbert Lang:
Weil Sanacorp alle Vorteile einer Genossenschaft bietet, allen voran die aktive Mitsprache. Die Apotheker bestimmen selbst über den Weg, den wir als Großhändler nehmen. Ein weiterer Vorteil ist die Identität von Eigentümer und Kunde. Daraus resultiert im Vergleich zu Wettbewerbern eine höhere Bindung. Zudem spielt bei uns die Dividende eine große Rolle. Wir bieten ab einem Jahresumsatz von 600.000 Euro 14 Prozent Gewinnausschüttung auf die Geschäftsanteile. Auch deshalb ist mehr als jeder dritte Apotheker in Deutschland bei uns Mitglied.

Profil: Wie hat sich die Genossenschaft über 90 Jahre am Markt behauptet?

Lang:
Pharmagroßhandel ist seit jeher ein margenschwaches Geschäft. Wir haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro und eine Umsatzrendite von knapp 0,7 Prozent erreicht. Das war relativ gut. Momentan liegen wir noch darunter. Die hohe Dividende können wir uns nur wegen des hohen Umsatzes leisten. Unsere Rendite ist niedrig, weil wir die mit der Industrie ausgehandelten Einkaufsrabatte zum Großteil an unsere Kunden weiterreichen. Die Mitglieder wissen: Die Sanacorp ist nicht irgendein anonymer Großhändler, sondern eine Genossenschaft mit langfristiger Geschäftspolitik, in der sie Mitglied sind.


Herbert Lang, Vorstandsvorsitzender SanacorpEin anderer Grund für unseren Erfolg ist die Entwicklung am Markt. Vor 40 Jahren gab es drei- bis viermal so viele selbstständige Großhändler. Heute laufen 91 Prozent des Umsatzes im deutschen Pharmagroßhandel über fünf Unternehmen. Davon sind zwei Genossenschaften. Die restlichen drei sind internationale, kapitalmarktorientierte Konzerne. Diese betreiben in den Ländern, wo Apothekenketten erlaubt sind, eigene Apotheken. Das empfinden viele selbstständige Pharmazeuten als Bedrohung und potenzielle Konkurrenz. Sanacorp ist deshalb ihr natürlicher Partner.



Herbert Lang

Profil: Wie unterscheiden sich die Bedürfnisse der heutigen Mitglieder von jenen der Sanacorp-Gründungsväter?

Lang:
Im Prinzip gar nicht. Natürlich hat sich der Markt in den vergangenen 90 Jahren verändert. Aber schon die Vorgängergenossenschaften von Sanacorp wurden gegründet, um Einkaufskraft zu bündeln und so Preisvorteile auszuhandeln. Zudem wollten die Apotheker schon damals auf der vorgelagerten Handelsstufe mehr mitreden. Wir sind bis heute in erster Linie eine Einkaufsgenossenschaft.

Dennoch gibt es Unterschiede: Wir haben uns zusätzlich zu einer Vermarktungsgenossenschaft weiterentwickelt. Unser Partnerprogramm heißt „mea – meine apotheke“. Das ist eine Kooperation innerhalb der Genossenschaft: Etwa 1.400 Teilnehmer vermarkten Teile des freiverkäuflichen Sortiments gemeinsam. Beispielsweise über monatliche Handzettelaktionen, gemeinsame Bonusmodelle oder eine einheitliche Warenplatzierung.


Das gesamte Interview mit Herbert Lang lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt".