Schattenbanken: Transparenz und wirksame Risikoüberwachung schaffen

30.06.2015

 

Die EZB warnt erneut vor der wachsenden Gefahr von Schattenbanken für die Finanzstabilität. Die Aktivitäten außerhalb des regulären Bankensystems wüchsen rapide weiter, schreibt die Zentralbank in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht. Damit steige auch das Potenzial systemischer Risiken. Eine adäquate Regulierung der Schattenbankaktivitäten gibt es allerdings weiterhin nicht.

Laut Schätzungen der EZB sind die Schattenbankaktivitäten im Euroraum seit 2009 um über 40 Prozent angestiegen – auf rund 23,5 Billionen Euro zum Jahresende 2014. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass in Europa bereits jeder vierte Kredit von Schattenbanken vergeben wird. Immer mehr Geschäft wird aus dem regulierten in den kaum beaufsichtigten Schattenbereich verlagert.

Die Aufsichtsbehörden, vom internationalen Finanzstabilitätsrat (FSB) über den Europäischen Systemrisikorat (ESRB) bis hin zur deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beobachten das starke Wachstum des Schattenbanksektors seit geraumer Zeit mit Sorge. Neben seiner schieren Größe liegt das Risiko für die Finanzstabilität insbesondere in der mangelnden Transparenz der Schattenbankaktivitäten und damit der fehlenden Möglichkeit für die Aufsichtsbehörden, die Aktivitäten zu überwachen und Gefahren für die Finanzstabilität frühzeitig zu erkennen.

Der Appell der Aufseher, auf politischer Ebene die Voraussetzungen für eine wirksame Risikoüberwachung zu schaffen, ist nicht neu. Trotz der seit Langem bekannten Gefahren sind die Fortschritte bei der Regulierung der Schattenbankaktivitäten in Europa aber gering. Zwar werden EU-Parlament und Rat demnächst eine Verordnung zur strengeren Regulierung von Geldmarktfonds verabschieden, die vor allem deren Transparenz erhöhen soll. Zudem ist eine EU-Verordnung zur Meldung von Wertpapierfinanzierungsgeschäften geplant. Eine systematische Erfassung aller Schattenbankaktivitäten in Europa sowie für alle Akteure geltende klare und stimmige Regeln, die sich an dem für Banken geltenden Regelungsrahmen ausrichten, stehen jedoch weiterhin aus. Die Entscheider in Berlin und Brüssel müssen dieser Aufgabe endlich nachkommen, um der wachsenden Bedrohung für die Finanzstabilität zu begegnen.