Sennereigenossenschaft Gunzesried

Im Tal der 200 Kühe

01.06.2015

Die Sennereigenossenschaft Gunzesried geht seit mehr als 120 Jahren mit der Zeit. Sie investiert regelmäßig in moderne Anlagen und stellt neben Käse mittlerweile sogar Eis her. Damit machen die Allgäuer ihre Kunden aus aller Welt glücklich.

Kühe in einem Zulieferbetrieb der Sennereigenossenschaft Gunzesried
Kühe in einem Zulieferbetrieb der Sennereigenossenschaft Gunzesried.


Die Sennereigenossenschaft Gunzesried setzt längst auch auf das Internet als Vertriebskanal. Über eine Webseite können Käseliebhaber die Produkte des Allgäuer Betriebs kiloweise ordern. Der Parkplatz vor  dem Verkaufsladen in Gunzesried, südlich von Kempten, ist trotzdem meistens voll und es reihen sich Autos aus der Region an solche mit Nummernschildern aus Berlin und Kassel. „Die Kunden schätzen den persönlichen Kontakt vor Ort“, sagt Vorstandsmitglied Peter Haslach. Dabei gehören Berliner für ihn eher noch zum gängigen Klientel. Haslach: „Wir haben auch Käufer aus England, Spanien, Kanada und den USA.“

Schon seit 1892 produzieren die Gunzesrieder Käse. Damals schlossen sich 40 Landwirte zusammen, um ihre Milch gemeinsam weiterzuverarbeiten. Heute sind es immerhin noch 15. Die Genossenschaft ist die älteste durchgehend bewirtschaftete Sennerei Bayerns. Ihren Pioniergeist bewahrten sich die Allgäuer auch nach der Gründung. Sie investierten frühzeitig und regelmäßig in moderne Technologien: in die Elektrifizierung der Anlage in den 1930er-Jahren, den Bau einer Ölheizung in den 1960er-Jahren oder die Digitalisierung der Produktion im Jahr 1999 – alles Maßnahmen im Zeichen der Zeit.

„Unsere traditionsreiche Geschichte ist sicherlich ein Wettbewerbsvorteil“, sagt Vorstand Haslach. Das Erfolgsmodell der Genossenschaft basiert jedoch vor allem auf der lokalen Verwurzelung. Auch mehr als 120 Jahre nach ihrer Gründung produziert die Sennerei weitgehend autark : 200 Kühe aus dem Gunzesrieder Tal geben die Milch für den Käse, der in der zentralen Produktionsstätte weiterverarbeitet wird. Neben der gesamten Milch kommt selbst das Futter für die Tiere größtenteils aus dem Tal.

Das Konzept der Regionalität passt in die heutige Zeit, in der Konsumenten zunehmend kritisch hinterfragen, woher ihre Produkte kommen. In Gunzesried ist das für jeden Besucher ersichtlich : Sie können Gras kauenden Kühen auf der Weide zusehen und die verschiedenen Käsesorten im Sennereiladen durchprobieren. Beispielsweise den klassischen Bergkäse, den Rahmkäse, den Raclettekäse oder den Emmentaler.

Bei aller Traditionspflege und Regionalität orientiert sich die Sennerei vor allem an den Bedürfnissen ihrer Kunden. Reichte es früher aus, nur Bergkäse zu produzieren, gehen die Kundenwünsche heute stark in Richtung Schnittkäse. Der ist vor allem als Aufschnitt populär und macht mittlerweile 35 Prozent des in Gunzesried hergestellten Käses aus. Darüber hinaus bietet die Sennerei seit Kurzem noch ein weiteres Produkt an: Speiseeis. Von ihrem Erfolg in diesem neuen Produktfeld war die Genossenschaft selbst überrascht: „Wir hätten niemals gedacht, dass wir in der warmen Jahreszeit bis zu 250 Kilogramm Eis verkaufen können“, sagt Haslach. Einige Kunden kommen mittlerweile hauptsächlich wegen der Süßspeise in den Laden.

Wegen der ausgeweiteten Produktpalette und des steigenden Absatzes begann die Sennerei 2014, ihre Fertigung zu vergrößern. Gleich neben den Lagerhallen, in denen der Käse reift, entsteht ein Anbau, in dem einmal alle Produktionsstrecken Platz finden sollen. „Wir hoffen, dass wir mit der erweiterten Anlage und dem neuen Verkaufsraum die Kunden noch zielführender und schneller bedienen können“, sagt Peter Haslach.

Neben der zu erwartenden Qualitätssteigerung werden die Kunden nach dem geplanten Ende der Bauarbeiten im Herbst 2015 auch in anderen Punkten profitieren: Durch eine breite Glasfront können sie in Zukunft den Produktionsprozess visuell nachverfolgen und sich direkt von der Qualität der Milchprodukte überzeugen. Außerdem kann der Gastronomiebereich nach dem Umzug der Produktionsanlage in die alte Betriebsstätte integriert werden. Dann ist noch mehr Platz für Gäste aus aller Welt.