Soziales Engagement von Bank-Azubis

Persönlichkeitsbildung auch außerhalb der Filiale

26.05.2017

Ob Kontoeröffnung, Kundengespräch oder Überweisung: Tätigkeiten wie diese gehören für Auszubildende in Banken zum Alltag. Bei der Raiffeisenbank Aschaffenburg und der Raiffeisenbank Main-Spessart können sich Lehrlinge darüber hinaus noch sozial engagieren, zum Beispiel im Seniorenstift oder in Schulen. Die Verantwortlichen der Banken erklären, warum sowohl ihr Institut als als auch die Azubis davon profitieren. Und eine junge Nachwuchsbankerin berichtet, welchen Eindruck das Projekt bei ihr hinterlassen hat.

Soziales Engagement von Auszubildenden der Raiffeisenbank Aschaffenburg
Bei ihren Besuchen im Senioren-Wohnstift St. Elisabeth unternehmen die Auszubildenden der Raiffeisenbank Aschaffenburg mit den Bewohnern auch Ausflüge in den Park.



Am ersten Mittwoch des Monats besuchen fünf junge Menschen das Aschaffenburger Senioren-Wohnstift St. Elisabeth. Es sind Auszubildende der Raiffeisenbank Aschaffenburg. Sie wollen aber nicht über Finanzthemen sprechen und tragen weder Anzug noch Kostüm. Stattdessen spielen sie in Freizeitkleidung mit den Bewohnern „Mensch ärgere dich nicht“, unterhalten sich oder unternehmen Ausflüge in den Park.

Soziales Engagement von Azubis: Lektionen für den Berufsalltag


„Wir wollen den jungen Menschen in ihrer Ausbildung soziale Fähigkeiten vermitteln, die sie in der Schule so nicht lernen“, sagt Ausbildungsleiterin Monika Bauer-Echle. Seit 2011 können sich Azubis im zweiten Lehrjahr darum für das Besuchsprogramm im Seniorenstift melden. Jeweils fünf angehende Bankkaufleute werden dann für die Aktion ausgelost. Sie unterstützen das Pflegepersonal ein Jahr auf einer der Stationen.

Sonja Stenger ist eine der Azubis, die derzeit an dem Projekt teilnehmen. Sie besucht im Wohnstift einen Bereich mit vielen dementen Bewohnern. „Ich fange bei jedem Besuch von vorne an und rede oft mit ein und derselben Person die ganze Zeit immer aufs Neue über das gleiche Thema“, berichtet die 18-Jährige. Das sei nicht leicht. Sie lerne dabei aber viel über die weniger angenehmen Seiten des Lebens und werde geduldiger sowie gelassener. Davon profitiert sie auch im Berufsalltag.

Daneben erfahren die Auszubildenden viel Wertschätzung durch die Bewohner. „Sie bedanken sich jedes Mal sehr herzlich für den Besuch“, sagt Stenger. Diese Anerkennung und die Lebensweisheiten, die sie aus den Gesprächen mit den alten Menschen mitnehmen, hinterlassen bei den Azubis Spuren. „Nach dem Jahr im Seniorenheim erlebe ich die jungen Leute viel selbstbewusster und reifer“, sagt Ausbildungsleiterin Bauer-Echle. Das sei vor allem bei Beratungsgesprächen ein Vorteil.

Jährlich ein anderes Projekt für die Auszubildenden


Ähnliche Erfahrungen mit dem sozialen Engagement ihrer Azubis macht die Raiffeisenbank Main-Spessart. Dort stellen die Nachwuchs-Banker des zweiten Lehrjahrs seit 2015 jährlich ein soziales Projekt auf die Beine. „Damit wollen wir als Bank anderen helfen und zugleich die persönliche Entwicklung unserer Azubis unterstützen“, sagt Hilmar Ullrich, Bereichsleiter Marketing und Kommunikation.

2015 etwa organisierten die angehenden Banker ein Sommerfest für die Grundschüler der St. Nikolaus-Schule der Lebenshilfe Main-Spessart. Im Jahr darauf veranstalteten sie eine Messe für minderjährige Flüchtlinge, auf der diese alles rund um die Themen Geld, Girocard und Konto erfuhren und im Gegenzug von ihren Erfahrungen berichteten. „Da ist nachhaltig etwas hängen geblieben“, sagt Ausbildungsleiterin Susanne Roth. Die Auszubildenden hätten durch den Umgang mit behinderten Kindern und Flüchtlingen eine andere Perspektive erhalten, seien reifer geworden und könnten nun besser auf andere zugehen.

Langer Dankesbrief für Azubis


Die Lehrer der St. Nikolaus-Schule bedankten sich bei der Raiffeisenbank Main-Spessart mit einem Dankesbrief. Die Betreuungseinrichtung der Flüchtlinge lobte den „wertvollen Beitrag“ zur Integration. In diesem Jahr haben sich die Teilnehmer für das Motto „Generationen verlinken“ entschieden. Dabei wollen die jungen Menschen Senioren digitales Banking näherbringen. „Dafür müssen die Azubis herausfinden, welche Fragen ältere Menschen umtreiben und sich in sie hineinfühlen“, sagt Ausbildungsleiterin Roth. Deshalb führen die angehenden Banker derzeit Umfragen in Fußgängerzonen durch und knüpfen Kontakte, beispielsweise zum Seniorenbeirat der Stadt Lohr und der Senioren-Internet-Gruppe von Marktheidenfeld.

Eingebettet sind diese Aktionen in eine Projektmanagementstruktur mit Projektleiter, Zeit- und Budgetplan, Statusberichten an den Vorstand sowie regelmäßigen Abstimmungstreffen. „Dadurch lernen die Azubis, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte untereinander zu lösen“, sagt Marketing-Chef Ullrich.

Dass sich die Azubis dadurch charakterlich weiterentwickeln, ist nicht der einzige positive Aspekt für die Raiffeisenbank Main-Spessart. Auch in der Presse gibt es regelmäßig wohlwollende Berichte. Das wirkt sich nicht zuletzt auf die Bewerberzahlen aus. „Wir haben keine Nachwuchssorgen“, sagt Ullrich. Allein das sei schon Grund genug, sich in den nächsten Jahren sozial zu engagieren.