Steuer-ID bei Freistellungsaufträgen

Wertlos ohne Nummer

14.04.2015

Steuern auf Kapitalerträge müssen ab 2016 vom Kreditinstitut abgeführt werden, wenn kein Freistellungsauftrag mit korrekter Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) vorliegt. „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ beantwortet die wichtigsten Fragen für Bankberater und Kunden.

Steuer-ID bei Freistellungsauftrag
Ab Januar 2016 werden Freistellungsaufträge ungültig, wenn keine Steuer­-ID hinterlegt ist.


Was ändert sich ab Januar 2016 bei den Freistellungsaufträgen?

Freistellungsaufträge sind ab dem 1. Januar 2016 unwirksam, wenn dem Kreditinstitut keine Steuer-Identifikationsnummer des Gläubigers der Kapitalerträge vorliegt. Das geht aus dem Einkommensteuergesetz hervor. Konkret bedeutet das, dass auf alle Kapitalerträge des Bankkunden Steuern anfallen, die das Kreditinstitut direkt an das Finanzamt abführt. Der Steuersatz liegt in der Regel bei 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Ist ein gültiger Freistellungsauftrag einschließlich Steuer-­ID vorhanden, bleiben Kapitalerträge bis zu einer Höhe von maximal 801 Euro im Jahr steuerfrei, bei Ehepaaren sind es jährlich 1.602 Euro.

Muss die Steuer­-ID nicht schon seit 2011 auf den Anträgen vermerkt sein?

Ja, das gilt für Aufträge, die ab dem 1. Januar 2011 erteilt wurden. Allerdings gibt es Kunden, deren Freistellungsaufträge älter sind. In diesen Fällen muss die Steuer­-ID nachgereicht werden. Bankkunden sollten überprüfen, ob sie für alle Freistellungsaufträge ihre Steuer­-ID nachgereicht haben. Der Freibetrag kann nämlich gesplittet und auf mehrere Aufträge verteilt werden.

Was müssen Ehepaare beachten?

Wichtig ist, dass auf einem gemeinsam gestellten Freistellungsauftrag die Steuer-­IDs beider Eheleute vermerkt sind. Das sieht das Einkommensteuergesetz vor. Sonst ist der Auftrag ungültig.

Warum ist die Steuer­-ID relevant?

Laut dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) lässt sich auf diese Weise besser überprüfen, ob einzelne Steuerpflichtige Freistellungsaufträge erteilen, die den Freibetrag überschreiten. Alexander Storg vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) holt weiter aus: In seltenen Fällen sei es bei der Finanzverwaltung zu Verwechslungen gekommen, etwa bei Personen mit demselben Namen. Mit der Steuer-­ID können die Aufträge eindeutig zugeordnet werden.

Wie erfährt man seine Steuer-­ID?

Die Nummer steht in der Regel auf dem Einkommensteuerbescheid oder auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung. Darüber hinaus kann sie beim BZSt für Steuern erfragt werden. Das geht auch online auf der Internetseite des BZSt. Die Nummer kommt dann aus Datenschutzgründen per Post.

Kann es sein, dass dem Kreditinstitut die Steuer­-ID bereits vorliegt?

Ja, sagt Alexander Storg. Als jüngstes Beispiel nennt er die Gesetzesänderung zur Abgabe der Kirchensteuer auf Zinserträge. Seit 2015 sind Banken dazu verpflichtet, auch den Kirchensteueranteil auf Zinserträge ihrer Kunden an das Finanzamt abzuführen. Dazu muss die Bank zunächst überprüfen, ob der Kunde kirchensteuerpflichtig ist. Dies geschieht über eine Abfrage beim BZSt. Allerdings wird für diese Abfrage die Steuer-­ID des Kunden benötigt, weshalb viele Banken diese im vergangenen Jahr erfragt haben. Liegt dem Kreditinstitut die elfstellige Nummer bereits aus anderen Gründen vor, darf es diese auch für Freistellungsaufträge des Kunden verwenden.

Welche Pflichten muss die Bank erfüllen?

Nach Aussage von Alexander Storg sind Banken nicht dazu verpflichtet, fehlende Steuer­-IDs einzuholen. Es ist Sache des Kunden, die fehlende Nummer bis Ende des Jahres 2015 beim Kreditinstitut einzureichen. Problematisch ist jedoch, dass die mitgeteilten Identifikationsnummern häufig nicht richtig angegeben wurden. Dann nimmt die Finanzverwaltung die Banken in die Pflicht und fordert eine Korrektur, auch wenn der Kunde die Zahlen fehlerhaft übermittelt hat. „Das ist ärgerlich“, sagt Storg, denn Bankmitarbeiter hätten dadurch einen großen Aufwand.

Was passiert, wenn Kunden ihre Steuer­-ID bis 2016 nicht mitgeteilt haben?

In diesen Fällen wird die Kapitalertragsteuer einbehalten werden, teilt das BZSt für Steuern mit. Der Steuerpflichtige kann den Freibetrag dann über die Einkommensteuererklärung geltend machen.


Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Bundeszentralamts für Steuern.


Der Artikel ist erschienen in der April-Ausgabe von "Profil - das bayerische Genossenschaftblatt".