Tagung mit dem Bayerischen Bauernverband Schwaben in Grainau

14.02.2020

Am 7. und 8. Februar trafen sich Repräsentantinnen und Repräsentanten des Bayerischen Bauernverbandes Schwaben mit den Kreisverbandsvorsitzenden des Bezirksverbandes Schwaben zu einer gemeinsamen Tagung in Grainau. GVB-Bezirkspräsident Dr. Hermann Starnecker und der schwäbische Bezirkspräsident des Bauernverbandes Alfred Enderle begrüßten die Teilnehmer und verwiesen zu Beginn an die gemeinsamen Wurzeln der Raiffeisenorganisation und der Landwirtschaft.

Dipl.-Ing. agr. Guido Seedler vom Deutschen Raiffeisenverband begann mit dem Thema Wochenmarkt und Weltmarkt – Chancen und Risiken für Genossenschaften. Beste Preise werden nur erzielt, wenn Wochenmarkt und Weltmarkt gleichermaßen bedient werden können. Konsumfertige Produkte können hochpreisiger abgesetzt, während Rohstoffe nur über den Weltmarktpreis gehandelt werden.

Turbo im Betrieb – Kolbenfresser in der Familie? Dann wird es Zeit was zu ändern, sagte Dipl.-Ing. agr. Rolf Brauch vom Bildungshaus Neckarelz. Landwirtschaftliche Familienbetriebe sind eine starke Konstruktion. Doch wenn man als Familie zusammen lebt und arbeitet, sind Konflikte vorprogrammiert. Überlastung, Hofübergabe und Generationskonflikte führen zu Spannungen, unter denen zumindest Teile der Familie leiden. Der erfahrene Familienberater erklärte, wie man Wahrnehmung und Kommunikation trainiert, die eigene Familie und den Betrieb einschätzt, Potenziale erkennt und so einsetzt, dass es allen gut geht.

Am zweiten Tag hielt Otto Körner, Direktor der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, einen spannenden Vortrag zum Thema „Landwirtschaft und Ernährung 2050 – Trend und Entwicklungen“. In 30 Jahren werden 80% der Menschen in Städten leben, die mit Nahrungsmitteln beliefert werden müssen. Bereits heute lebt rund eine Milliarde der insgesamt 7,5 Milliarden Menschen in einer der 50 Megacities, deren größte die Metropolregion Tokio mit 55 Millionen Einwohnern ist. Wenn die Weltbevölkerung so weiter wächst wie bisher, werden in 2050 10 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Die Nahrungsmittelerzeugung steht in Konkurrenz zu den nachwachsenden Rohstoffen. 15 Prozent der Ackerfläche werden verwendet um Zuckerrohr und Mais anzubauen, aus denen Ethanol als Erdöl-Ersatz hergestellt wird. Und so kommt es, dass 1950 noch 0,5 Hektar landwirtschaftliche Fläche je Erdenbürger zur Verfügung standen, heute sind es noch etwa 0,2 Hektar. Länder wie China erwerben oder pachten auf der ganzen Welt im großen Stil Ackerland. Auch hierzulande verteuern die „Strombauern“ die Pachten, so dass Nahrungsmittel erzeugende Landwirte den Mehrertrag der vergangenen Jahre für höhere Grundstückspreise und moderne Technik aufwenden mussten. Zum Ende seines Vortrages ging Herr Körner auf die Imagekrise der Landwirtschaft ein. Er führte sie unter anderem darauf zurück, dass sich die öffentliche Wahrnehmung etwa durch unechte Lebensmittelwerbung („Kühe lieben offenbar Sonnenuntergänge“) oder idealisierte Bilderbücher von der Realität der heutigen Hightech-Landwirtschaft weit entfernt habe. Trotzdem werde der Verbraucher in Zukunft stärker mitreden. Dafür müsse er auch bereit sein, den entstehenden Mehraufwand zu honorieren.  

Franz Manzinger, stellvertretender Abteilungsdirektor Transaction Management der DZ BANK AG, zeigte auf, wie man sich das Banking von morgen in der digitalen Wertschöpfungskette vorstellen kann. Er sieht in der Entwicklung der Landwirtschaft und der Banken viele Parallelen. In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich allerdings die Richtung: Während die Landwirtschaft mit steigende Pachtpreisen kämpfen muss, sehen sich die Banken mit fallenden Zinsspannen konfrontiert. Geschäftsmodelle werden obsolet und wandeln sich. Ein bunter Themenstrauß über VR Smart Guide mit farmpilot bis hin zu VR Business Online fesselte die Zuhörer.