Theaterstück der Volksbank Straubing

Wie eine Bank ihre digitalen Dienstleistungen auf der Bühne erklärt

18.05.2017

Mit einem Theaterstück bringen Mitarbeiter der Volksbank Straubing ihren Kollegen die digitalen Angebote des Kreditinstituts näher. Für die Bank gibt es gute Gründe, auf diese unkonventionelle Form der Wissensvermittlung zu setzen.

 

Theatergruppe bestehend aus Mitarbeitern der Volksbank Straubing
Die Schauspieler um den Vorstandsvorsitzenden Edmund Wanner (hinten, 2. v. re.), Helmut Petzendorfer, Leiter Organisation (hinten re.), sowie Nadine Hellmig, Leiterin Personalabteilung (vorne re.).



Ihr Liebesglück beginnt in der Bankfiliale: Eine junge Frau tritt in die Schalterhalle und sieht einen gleichaltrigen Mann, der per Handy Geld abhebt. Auf ihre Nachfrage erklärt er, dass er dafür das Angebot VR Mobile Cash nutzt. Das wirkt offenbar anziehend: Schnell sind sich die beiden sympathisch und verabreden sich zum Kaffee.

Das ist die erste Szene aus einem Theaterstück, das zwölf Mitarbeiter der Volksbank Straubing entwickelt haben. Damit wollen sie ihren Kollegen die elektronischen Dienstleistungen der genossenschaftlichen FinanzGruppe näherbringen. Warum so viel Aufwand? „Wir haben uns gefragt, warum nicht alle Mitarbeiter unsere Online-Angebote nutzen“, sagt Helmut Petzendorfer, Leiter der Abteilung Organisation. Die Antwort: Bei einigen Mitarbeitern gab es Berührungsängste. Andere waren von der Technik schlicht überfordert.

Das möchte die Kreditgenossenschaft ändern, den Anstoß zum Projekt lieferte der Vorstandsvorsitzende Edmund Wanner. Online-Banking nur der erste Schritt „Viele unserer Kunden wollen ihre Bankgeschäfte elektronisch abwickeln. Deswegen müssen alle Mitarbeiter das Know-how haben, um ihre Fragen zu beantworten“, sagt Petzendorfer. Aktuell nutzen knapp 30 Prozent der Privatkunden bei der Volksbank Straubing das Online-Banking. „Schon im Laufe des Jahres wollen wir diese Quote deutlich ausbauen“, sagt er.

Kunden per Theaterstück die digitalen Angebote der Bank näherbringen


Ziel ist es, die Kunden nicht nur vom Online-Banking zu überzeugen, sondern auch von den weiteren Angeboten wie dem elektronischen Kontoauszug, der VR-BankingApp oder dem Bezahlservice paydirekt. „Sie sollen möglichst das Gesamtpaket nutzen“, sagt Petzendorfer. Der erste Schritt auf dem Weg zum Theaterstück war eine Projektgruppe. Im August 2016 gab es eine interne Ausschreibung, bei der Mitarbeiter gesucht wurden, die ihren Kollegen die digitalen Dienstleistungen des Instituts näherbringen wollten. Aus 35 Bewerbungen wählte die Personalabteilung zwölf aus.

„Wir haben ein bunten Mix aus alten, jungen, langjährigen und neuen Mitarbeitern zusammengestellt“, sagt Nadine Hellmig, Leiterin der Personalabteilung. Schnell einigte sich die Projektgruppe auf ein Theaterstück. „Die Form bietet sich an, weil wir die elektronischen Angebote in einer spannenden und kurzweiligen Geschichte verpacken konnten“, sagt Hellmig. Zudem seien keine aufwendigen Dreharbeiten wie bei einem Film notwendig. Das rund 30-minütige Bühnenstück schrieben die zwölf Mitarbeiter in ihrer Freizeit. Dazu griffen sie verschiedene Lebensphasen eines Paares vom Kennenlernen bis zur Geburt der Kinder auf.

Theaterstück der Volksbank Straubing als „beste Schulung“ für Mitarbeiter


Aufgeführt wurde das Stück viermal an zwei Tagen für alle 230 Bankmitarbeiter. Im Anschluss gab es eine Hausmesse. An den Ständen konnten die Mitarbeiter die Angebote, die sie auf der Bühne gesehen hatten, selbst testen. Die Mischung aus Theaterstück und Messe kam gut an: „Ein langjähriger Kollege hat gesagt, das sei die beste Schulung gewesen, die er bisher erlebt hat“, sagt Petzendorfer. Die Mitarbeiter sind nun gerüstet, um die elektronischen Dienstleistungen in Kundengesprächen zu präsentieren. Falls sie dennoch Fragen haben, hilft ein „Wissenslexikon“ weiter, das die Organisationsabteilung erstellt hat. Wie bei Produktinformationsblättern enthalten sie die wichtigsten Angaben auf einen Blick. Das Dokument wird laufend aktualisiert.

„Die Mitarbeiter sollen sich darauf verlassen können, dass sie aktuelle Informationen erhalten“, sagt Petzendorfer. Derzeit schreibt die Theatergruppe das Stück für Schüler um. Noch vor den Sommerferien wollen die Mitarbeiter es an regionalen Gymnasien und Realschulen aufführen. Damit möchte die Bank ihre digitalen Kompetenzen präsentieren und mögliche Auszubildende ansprechen. Auftritte für Privatkunden des Instituts sind hingegen nicht geplant. „Diese wollen wir durch eine hochwertige Beratung von unseren digitalen Angeboten überzeugen“, sagt Hellmig.


Der Artikel ist in der Mai-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.