Theaterwunder von Ansbach

23.03.2016

Einer der Leuchttürme der fränkischen Bühnenszene ist das Theater Ansbach, getragen von der „Theater Ansbach – Kultur am Schloss eG“. Innerhalb von wenigen Jahren hat es die Genossenschaft geschafft, aus einem wenig beachteten Gastspielhaus ein Ensembletheater mit eigenen Produktionen zu machen, das in der Kulturszene weit über die Grenzen Frankens hinaus Bekanntheit erlangt hat.

Das achtköpfige Ensemble des Theaters Ansbach mit Intendantin Susanne Schulz (4.v.re.).

Seinen Anfang nahm das „Theaterwunder“ von Ansbach, wie es in den Medien hieß, im Jahr 2006. Der ehemalige Bundesminister Carl-Dieter Spranger, damals Vorsitzender der Genossenschaft, setzte alles daran, ein eigenes Stadttheater zu gründen. Er sprach mit Experten und ließ sich die Konzepte anderer erfolgreicher städtischer Bühnen erklären. Schon bald hatte er die Ansbacher Stadtspitze auf seiner Seite, die entsprechende Zuschüsse in Aussicht stellte. Dann ging alles ganz schnell: 2007 war mit Jürgen Eick der Gründungsintendant gefunden, seit 2008 läuft der Spielbetrieb.

In einem Interview beschrieb Eick die Situation, als er im Winter 2006 zum ersten Mal in die Stadt kam: „Ein Gastronomiebetrieb, wo kein Gast war. Ein Theater, das sich zwei Minuten nach dem Schlussapplaus komplett auflöste. Ein ehrenwertes, aber altes Abo-Publikum. Eine Kasse, die man als Fremder vergeblich gesucht hat.“ Trotzdem hatte Eick das Gefühl, etwas bewegen zu können. Er verzichtete auf Allerweltsstücke und bezog Stadt und Bürger in seine Arbeit ein. Das Ansbacher Theater sollte Tatort sein, nicht Museum.

Stark verjüngtes Publikum

Das gefiel zunächst nicht allen. Viele ältere Abonnenten kündigten, doch dafür erschloss sich das Theater neue Publikumsschichten. „Es war eigentlich der wesentlichste Vorgang in der Neuerfindung des Theaters in Ansbach“, blickte Eick zu seinem Abschied im vergangenen Jahr zurück. „Wir haben in der Tat das Publikum schätzungsweise um 20 Jahre verjüngt. Am Ende  haben sich die Zuschauerzahlen im Theaterbereich von 7.000 auf 25.000 erhöht.“

Der Ritterschlag erfolgte 2012, als das Theater Ansbach in die Landesförderung des Freistaats Bayern aufgenommen wurde. Doch auf Erfolg soll man sich nicht ausruhen, fand Eick, und wechselte als künstlerischer Leiter zum E-Werk in Freiburg. Die Genossenschaft ließ ihn nur ungern ziehen, merkte aber spätestens bei der Ausschreibung der Intendantenstelle, welchen Ruf sich das Theater innerhalb von sechs Jahren erarbeitet hatte. „Wir haben über 40 Bewerbungen bekommen, darunter waren viele bekannte Namen von großen Häusern. Wir waren richtig platt“, erzählt Heribert Schmidt, pensionierter Verwaltungsgerichtspräsident und seit 2012 Vorsitzender der Theater Ansbach - Kultur am Schloss eG. Die Genossenschaft stellte eine Findungskommission zusammen und lud zehn Kandidaten zum Bewerbungsgespräch ein. Die Wahl fiel einstimmig auf Susanne Schulz, bis dahin Intendantin es Theaters Naumburg in Sachsen-Anhalt. Ein Glücksfall für Ansbach.

Vielseitiges Programm


Im vergangenen Herbst trat Schulz ihr Amt in Ansbach an. Ein Jahr lang hatte sie sich auf ihre Aufgabe vorbereitet. „Sie hat unserem Theater sehr schnell ihren Stempel aufgedrückt und bietet ein sehr vielseitiges Programm an“, lobt der Genossenschaftsvorsitzende. Die neue Intendantin treibt die  Verjüngung des Theaterpublikums und die Vernetzung mit der Stadt weiter voran.

Ausschnitt aus dem Schauspiel „Elisabeth von England“ von Ferdinand Bruckner. Mit diesem viel beachteten Stück feierte Intendantin Susanne Schulz im vergangenen Herbst ihr Debüt am Theater in Ansbach.

Erstmals sind am Theater Ansbach acht Schauspielerinnen und Schauspieler durchgehend fest engagiert. „Alle können nicht nur spielen, sondern auch tanzen, singen und musizieren. Diese künstlerische Vielfalt eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten“, sagt Schulz.

Der Spielplan konzentriert sich neben dem klassischen Theater für Erwachsene stark auf die Arbeit für Kinder und Jugendliche und die Kooperation mit den Ansbacher Schulen. Auch ein Klassenzimmerstück zur Drogenprävention in Zusammenarbeit mit dem Ansbacher Verein „Wir gegen Jugendkriminalität“ ist dabei.

Das ganze Haus wird zur Bühne

„Noch ist das Publikum von der Fülle des Angebots etwas überrumpelt“, hat Schulz festgestellt. Doch es gehe mit Neugier auf die zahlreichen neuen Formate zu. Die fallen tatsächlich nicht zu knapp aus. Alleine das Theater bietet gegenüber der vorangegangenen Saison fünf Neuproduktionen mehr, dazu hat die Intendantin das ganze Haus zur Bühne erklärt und im Foyer drei weitere Spielstätten eingerichtet. Das „Rote Kabinett“ ist für Kleinkunst-Abende und Einführungsveranstaltungen gedacht, die Lust auf Theater machen sollen. Im oberen Foyer finden die Kindertheaterstücke und das Familienfrühstück statt, bei dem  Klassiker der Kinderliteratur vorgelesen werden.

Welche Bedeutung das Theater Ansbach für die Region hat, formuliert die Intendantin ganz selbstbewusst: „Es verleiht der Stadt überregionale Strahlkraft und es garantiert die Bildung des Herzens und des Verstands von Kindheit an.“ Außerdem locke das Theater als wirtschaftlicher Standortfaktor neue Bürger und Touristen in die Stadt. „Kurzum: Unser Theater wirkt identitätsstiftend und ist ein energetischer Treffpunkt für alle Generationen.“

Über weitere Premieren informiert der Spielplan des Theaters in Ansbach.