Unternehmenskredite: Krediterfordernissen mittelständischer Unternehmen Rechnung tragen

30.03.2015

Seit Anfang 2014 gelten für die Banken mit der überarbeiteten Kapitaladäquanzrichtlinie (CRD IV) und der dazugehörigen Verordnung (CRR) die beiden wichtigsten Regelwerke zur europäischen Umsetzung von Basel III. Das Gesetzespaket sieht unter anderem eine schrittweise Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute vor. Aktuell beschäftigt sich die EU-Kommission intensiv mit seinen Auswirkungen auf die Finanzierung des Mittelstands. Der zuständige EU-Kommissar Jonathan Hill hat deshalb für Sommer 2015 ein Konsultationsverfahren zum Einfluss der CRR auf die Vergabe von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) angekündigt.

Hierbei wird auch der KMU-Korrekturfaktor im Fokus stehen. Dieser wurde in den Gesetzestext der CRR eingefügt, um den Krediterfordernissen mittelständischer Betriebe Rechnung zu tragen. Er gleicht die in Basel III vorgesehene pauschale Erhöhung der Kapitalanforderungen an Banken für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen wieder aus.

Der Korrekturfaktor steht jedoch unter einem Prüfungsvorbehalt. Derzeit arbeitet die Europäische Bankenaufsicht EBA an einer Analyse zu Konditionen und Risikogehalt von KMU-Krediten. Es zeichnet sich ab, dass die EBA zu einer Streichung des Korrekturfaktors tendiert und dies der EU-Kommission empfehlen wird. Eine Streichung hätte weitreichende Folgen für mittelständische Unternehmen in Deutschland. Denn die Eigenkapitalanforderungen für Kredite an KMU würden schlagartig steigen, was eine erhebliche Verteuerung und Verknappung dieser Kredite zur Folge hätte.

Die EU-Kommission darf das Rad deshalb nicht zurückdrehen. Der Korrekturfaktor wurde von den EU-Gesetzgebern eingeführt, um eine Einschränkung der Kreditvergabe an KMU zu verhindern. Zu Recht hält eine große Mehrheit der Europaabgeordneten deshalb weiterhin daran fest. Auch Vertreter bayerischer und deutscher Mittelstandsverbände sprechen sich unisono für den Erhalt des KMU-Korrekturfaktors aus.

Zudem liefert eine Studie der Deutschen Bundesbank gute Anhaltspunkte dafür, dass der Korrekturfaktor in Deutschland unter Risikogesichtspunkten gerechtfertigt und die Eigenkapitalanforderungen an KMU-Kredite somit angemessen sind. Zu deren Untermauerung unterstützt der Genossenschaftsverband Bayern die Bundesbank bei der Fortsetzung ihrer Studie mit neuem Datenmaterial. Um ein umfangreiches Risikobild der Mittelstandsfinanzierung in Europa zu schaffen, muss jedoch auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten der Risikogehalt von KMU-Krediten anhand dieser Methodik untersucht werden. Sollten die dann vorliegenden Länderergebnisse stark voneinander abweichen, müsste der EU-Regulierungsrahmen so angepasst werden, dass er länderspezifische Regelungen auf nationaler Ebene erlaubt. Eine pauschale Streichung des KMU-Korrekturfaktors muss aber im Interesse des deutschen Mittelstands verhindert werden.