Unternehmensnachfolge

Wie Kreditgenossenschaften bei der Betriebsübergabe helfen können

23.05.2016

Viele Unternehmensgründer aus der Generation der Babyboomer gehen nach und nach in Rente. Wie es mit dem Betrieb weitergeht, ist aber oft nicht klar. Ein Unternehmensberater und zwei Kreditgenossenschaften berichten, wie Firmeninhaber ihre Nachfolge regeln können.


Vater und Sohn vor ihrem landwirtschaftlichen Anwesen: Eine Unternehmensnachfolge muss rechtzeitig geklärt werden.


Unternehmensnachfolge rechtzeitig planen und Kontinuität sicherstellen


„Ab Mitte 50 sollte man sich mit der Nachfolge auseinandersetzen“, sagt Karl A. Niggemann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft „Institut für Wirtschaftsberatung Niggemann & Partner“. Nach seinen Erfahrungen ist es erforderlich, dass sich Unternehmer rechtzeitig überlegen, wer die Firma später übernehmen soll, und wer nicht. Das hilft, um mögliche Konflikte zu entschärfen.

Niggemann hat auch festgestellt, dass viele Betriebe kurze Zeit nach der Weitergabe an die nächste Generation um ihr Überleben kämpfen. Die Gründe: Zur Sicherung ihrer Altersversorgung ziehen die Seniorunternehmer Geld aus dem Unternehmen, indem sie beispielsweise die Gewinne ausschütten oder das Gesellschafterdarlehen zurückzahlen. Zusätzlich wenden sie zu wenig Kapital für Modernisierung und Innovation ein. Mit diesem Investitionsstau kämpfen dann die Nachfolger.  

Darum ist die familieninterne Übergabe nicht immer die richtige Wahl – auch ein Verkauf des Unternehmens kann sinnvoll sein. „Das ermöglicht die gesicherte Altersversorgung und auch die gerechte Vermögensnachfolge bei mehreren Erben“, erklärt Niggemann die Vorzüge. Entscheiden sich Unternehmer für den Verkauf, gibt es viele Optio­nen: Beispielsweise können andere Unternehmen, Beteiligungsgesellschaften oder das Management den Betrieb übernehmen.

Eine Patentlösung gibt es allerdings nicht, da jede Form individuelle Vor­und Nachteile biete. Niggemann hat beobachtet, dass sich ausgeschiedene Unternehmer in letzter Zeit häufig als Minderheitengesellschafter weiterhin an ihren Betrieben beteiligen wollen. „So stellen sie Kontinuität sicher und schließen die Eigenkapitallücke des Unternehmens.“

Hilfe zur Unternehmensnachfolge bei der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost


Damit die Betriebsübergabe reibungslos klappt, können Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Firmenkunden zielgerichtet beraten. Wie das funktioniert, erklärt Anton Moosleitner von der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost. Er hat sich im letzten Jahr zum zertifizierten EstatePlanner ADG bei der Akademie Deutscher Genossenschaften fortbilden lassen und berät neben Privat­- und Firmenkunden auch Landwirte bei der Hofübergabe.

„Was würde heute passieren, wenn Sie gestern verstorben wären?“ Das ist eine der provokanten Fragen, die Moosleitner gleich zu Anfang stellt und die regelmäßig für Betroffenheit sorgen. Vielen ist nämlich nicht bewusst, was passiert, falls sie zum Pflegefall werden oder plötzlich sterben und nicht für rechtliche Klarheit gesorgt haben. Mögliche Folge: Lange Gerichtsstreitigkeiten, die nicht selten zuungunsten der Nachkommen entschieden werden. Bevor es dazu kommt, versucht Moosleitner die Landwirte und potenzielle Hofnachfolger für solche Fragen zu sensibilisieren.

Wenn Landwirte die VR Generationenberatung des Instituts in Anspruch nehmen, stehen die Themen Vermögen und Vorsorge im Mittelpunkt. Bei der Vermö­gensplanung geht es um die Frage, wie sie sich für den Ruhestand absichern können und wie und wem sie ihr Erbe vermachen wollen. Dabei prüft Moosleitner, wie das Vermögen angelegt ist und welche Familienteile nach dem Tod begünstigt werden sollen.

Für die Fachexpertise im Bereich der Hofübergabe verweist die Bank auf den Bayerischen Bauernverband. Sofern das Testament erstellt oder angepasst werden muss, empfiehlt sie Notare oder Rechtsanwälte. Zusätzlich weist Moosleitner darauf hin, steuerliche Fragen mit einem Steuerberater zu besprechen. Im Bereich der Vorsorge geht es um den finanziellen Bedarf im Alter: Was passiert, wenn ich zum Pflegefall werde oder mein Partner stirbt?

Generationsberatung bei der Volksbank Regensburg


Ähnliche Erfahrungen zu diesem Thema hat auch Generationenberater Günther Winkler von der Volksbank Regensburg gemacht. Er hat im vergangenen Jahr zusammen mit Moosleitner den Lehrgang bei der ADG besucht. Die Volksbank Regensburg hat das Geschäftsfeld Generationenberatung Anfang des Jahres eingeführt. Für Winkler ein logischer Schritt: Denn viele Kunden aus der Generation 50 plus hätten einen besonderen Beratungsbedarf. Auch er hat beobachtet, dass sich viele Unternehmer mit der Weitergabe schwer tun.  

Im Beratungsgespräch zur Nachfolgeplanung erhalten Unternehmer eine komplette Erbanalyse. Zum Beispiel erstellt die Volksbank Regensburg einen Familienstammbaum und eine Vermögensbilanz. Danach vergleicht der Bera­ter den aktuellen Zustand mit den Zielvorstellungen und stellt Handlungsempfehlungen zusammen. Während die Volksbank Regensburg auf diese Weise die wirtschaftlichen Auswirkungen darstellt, verweist sie für die rechtliche Umsetzung an Notare oder Steuerberater.

Um für den Fall der Fälle vorzusorgen, empfiehlt Winkler allen Firmenkunden den sogenannten „Notfallkoffer“. In diesem befinden sich dann das Testament, Vollmachten und weitere wichtige Dokumente. Damit können Unternehmer sich und ihre Nachkommen optimal absichern, so Winkler. Voraussetzung: Sie bringen die nötige Zeit mit. „Einen vollständigen Notfallplan erstellt man nicht von heute auf morgen“, sagt er.


Der Artikel ist in voller Länge in der Mai-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen. Darin geht es um das Thema „Generation 50 plus - mitten im Leben“.