Unternehmensnachfolge mit Bayerns Kreditgenossenschaften

Wie Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken bei Betriebsübergaben helfen

21.11.2017

Die Übergabe des Betriebs ist für Unternehmer eine der wichtigsten Entscheidungen. Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken begleiten sie dabei mit Finanzierungen und Beratung. Wie das geht, zeigen zwei Beispiele aus der Praxis.

 

Unternehmensnachfolge: Landwirt Heinrich Östreicher (links) und seine Ehefrau Maria (2. von links) haben ihren Hof an Sohn Gerhard (2. von rechts) übergeben. Michael Deibler (rechts) von der Raiffeisen-Volksbank Ries unterstützte sie dabei.Landwirt Heinrich Östreicher (li.) und seine Ehefrau Maria (2. v. li.) übergaben den Hof an Sohn Gerhard (2. v. re.). Michael Deibler (re.) von der Raiffeisen-Volksbank Ries unterstützte sie dabei.



Angebote der Raiffeisen-Volksbank Ries zur Unternehmensnachfolge


Bei der Hofübergabe vom Senior an den Junior kann viel falsch laufen. Wenn die Eltern die Nachfolgeregelung nicht richtig kommunizieren, führt das schnell zu Streitigkeiten innerhalb der Familie. Geschwister bekommen sich – aufgestachelt von den Partnern – in die Haare, oder das zweitgeborene Kind fühlt sich übergangen. Problematisch wird es auch, wenn die Eltern nicht loslassen können und noch im Alter von 75 Jahren die Nachkommen an der kurzen Leine lassen. Ist der Sohn plötzlich auf sich alleine gestellt und bekommt erstmals Einblick in die finanzielle Situation, folgt häufig das böse Erwachen.

„Bei der Hofübergabe ist es wichtig, sich rechtzeitig über den Ablauf und die Vorbereitung Gedanken zu machen“, sagt Michael Deibler, Leiter Gewerbe und Landwirtschaft bei der Raiffeisen-Volksbank Ries. Die Berater des Instituts weisen Landwirte ab einem Alter von 60 Jahren darauf hin, sich Gedanken über die Nachfolge zu machen. Entscheiden sie sich für eine Beratung, kommt das Team um Michael Deibler zum Einsatz. Die fünf Mitarbeiter kümmern sich speziell um Investitionen und Nachfolgeregelungen. Dafür sind sie durch interne Fortbildungskurse geschult. Solche Kurse bietet auch die ABG an.

Ein Beispiel für eine gelunge Hofübergabe, die Michael Deibler begleitet hat, ist Familie Östreicher. Diese besitzt einen Hof mit Rinderzucht und 70 Milchkühen sowie rund 100 Hektar Agrarfläche. Der Betrieb liegt in Möttingen, einer Gemeinde mit knapp 2.500 Einwohnern im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. Er gehört der Familie seit 1906 und wurde lange Zeit von Senior Heinrich in der vierten Generation geführt. Kurz nach seinem 65. Geburtstag Ende 2014 entschied er sich, den Hof an die Kinder weiterzugeben. Eine andere Lösung – etwa ein Verkauf – stand nicht zur Debatte.

Raiffeisen-Volksbank Ries unterstützt langjährige Kunden bei Unternehmensnachfolge kostenlos


Das befürwortet auch Deibler: „Der Hof ist zukunftsorientiert aufgestellt. Für einen jungen Menschen war die Übernahme sehr interessant“, sagt er. Die Nachfolge hätte kompliziert werden können, immerhin haben Heinrich und Ehefrau Maria sieben Kinder. Doch schon frühzeitig hatte sich herauskristallisiert, dass nur Sohn Gerhard Interesse an der Hofübernahme hatte. Der 38-Jährige hatte – im Gegensatz zu seinen Geschwistern – eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen und war bereits 2003 in den Betrieb eingestiegen. Die Geschwister waren sich einig, das Erbe auszahlen zu lassen und zugunsten ihres Bruders auf den Hof zu verzichten. „Eine Traumlösung“, sagt Deibler.

Die erste Station der Östreichers war der Steuerberater. Dieser erarbeitete ein steueroptimiertes Modell und gab die Unterlagen an den Notar. An dieser Stelle bekam Berater Deibler die Dokumente zur Durchsicht. Deibler änderte nach Rücksprache mit den Landwirten wenige Bestimmungen im Grundbuch und der Vertrag wurde beim Notar auf den Weg gebracht. Zudem unterstützte die Kreditgenossenschaft die Familie bei weiteren Formalitäten: Behörden informieren, Konten und Versicherungen überschreiben oder Kontakt mit Förderbanken herstellen gehört für Deibler zum täglichen Geschäft.

Mit der Leistung ist Gerhard Östreicher, der den Betrieb mittlerweile übernommen hat, rundum zufrieden: „Es war sehr wichtig, einen finanziellen Überblick zu erhalten und gleichzeitig Denkanstöße für mögliche weitere Investitionen zu bekommen“, sagt er. Auch Michael Deibler empfiehlt seinen Kunden, Geld für die juristische und steuerliche Beratung in die Hand zu nehmen. Im Rahmen der Hofübergabe fallen für Landwirte vor allem Kosten beim Steuerberater und Notar an. Die Raiffeisen-Volksbank Ries unterstützt langjährige Kunden kostenlos mit ihren Dienstleistungen, allenfalls fallen kleinere Umschreibungsgebühren für Kredite an. „Wer die Hofübergabe nicht richtig durchführt, der zahlt häufig gewaltig drauf. Deshalb ist es sinnvoll, sich beraten zu lassen. Dann geht der Betrieb einer gesicherten Zukunft entgegen“, sagt Deibler.

Unternehmensnachfolge-Beratung bei der Volksbank Regensburg


Andreas Alius weiß, dass der Tod keinen Kalender hat. Seit 1991 begleitet der Geschäftsführer von „Bestattungen Friede“ – einem Unternehmen mit neun Filialen in der Regensburger Region – Verstorbene auf ihrem letzten Weg. Regelmäßig bekommt er mit, dass ein Firmeninhaber plötzlich stirbt, ohne seine Nachfolge geregelt zu haben. Im schlimmsten Fall zerstreitet sich dann die ganze Familie über die Frage, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll.

Deswegen hat Alius schon lange einen Notfallkoffer gepackt. In dem sind die wichtigsten Unterlagen, Verträge, betrieblichen Daten und Abläufe zusammengepackt. Doch langsam macht sich der 50-Jährige auch Gedanken, wann und an wen er sein Unternehmen übergeben möchte. Potenzielle Kandidaten sind seine zwei Kinder, beide Anfang 20. Sie haben sich aber noch nicht entschieden, ob sie den Betrieb einmal weiterführen möchten.

„Bestattungen sind ein spezielles Feld. Das muss man können und mögen“, sagt Alius. Er nahm deshalb den diesjährigen Geburtstag zum Anlass, um einen Verkauf durchrechnen zu lassen. Dazu griff er auf ein entsprechendes Angebot der Volksbank Regensburg zurück, bei der er seit 2003 Firmenkunde ist.


Für die Zukunft gut aufgestellt: Andreas Alius (rechts), Inhaber von „Bestattungen Friede“ in Regensburg, mit Ehefrau Petra (links).
Für die Zukunft gut aufgestellt: Andreas Alius, Inhaber von „Bestattungen Friede“ in Regensburg, und Ehefrau Petra haben sich von der Volksbank Regensburg beim Thema Unternehmensnachfolge beraten lassen.



Die Beratung zur Unternehmensnachfolge ist eine Teildisziplin des Geschäftsfelds „Generationenberatung“, welches das Oberpfälzer Kreditinstitut seit 2016 systematisch anbietet. Dabei werden Privat- und Firmenkunden über alle wirtschaftlichen Fragen zum Thema Erbe aufgeklärt. „Unser Anliegen ist es, den Kunden bei so wichtigen Themen wie Nachlass und Vorsorge nicht alleine zu lassen“, sagt Günther Winkler. Dafür hat er sich 2015 an der Akademie Deutscher Genossenschaften zum zertifizierten „EstatePlanner“ fortbilden lassen.

Winkler hält es für richtig, dass sich Alius schon mit 50 Gedanken über die Zukunft macht. „Wer das Thema zu spät angeht, der findet häufig nur noch eine wenig zufriedenstellende Notlösung“, sagt der Generationenberater. Das belegt folgendes Beispiel: Im Jahr 2022 laufen einige Darlehen aus, die Alius aufgenommen hat. Zusätzlich endet dann die Verpflichtung, seiner Schwiegermutter eine Leibrente zu zahlen. So hatte er ihr den Betrieb abgekauft. Es wäre also ein guter Zeitpunkt, um entweder neues Kapital ins Unternehmen zu stecken, dieses an die Kinder zu übergeben oder es an einen externen Partner zu verkaufen.

Beratung zur Unternehmensnachfolge: „Viele Kunden sind froh, wenn sie es gemacht haben“


Diese Szenarien spielte Winkler für Alius durch. Das ist komplex, da viele Faktoren zu bedenken sind: Wie viel ist das Unternehmen wert? Welches zusätzliche Vermögen gibt es? Welche Verpflichtungen müssen weiterhin erfüllt werden? Zudem muss Winkler berücksichtigen, dass Alius nicht nur sich, sondern auch seine Ehepartnerin und die Kinder gut versorgt wissen will. „Deshalb frage ich immer zuerst, wie viel Rente die Kunden später einmal erhalten möchten“, sagt der Generationenberater.

Um eine Lösung zu finden, die realistisch ist und den Wünschen des Kunden entspricht, kooperiert Winkler je nach Fall mit Notaren, Rechtsanwälten und Steuerberatern. Der gesamte Beratungsprozess für Andreas Alius nahm rund neun Monate in Anspruch. Dabei trafen sich der Bestatter und der Bankberater fünf Mal. „Die Zusammenarbeit lief sehr angenehm, ich bin sehr zufrieden mit der Beratung durch die Volksbank“, sagt Alius.

Das kann er auch mit dem Ergebnis sein: Günter Winkler stellte fest, dass der Bestatter seinen Betrieb nach heutigem Stand in fünf Jahren verkaufen kann, falls die Kinder es nicht übernehmen möchten. Mit der veranschlagten Summe könnte Alius’ Familie den gewünschten Lebensstandard bis zu seinem Ableben halten. Der Bestatter ist beruhigt: „Wir haben alles richtig gemacht“, sagt er.

Alius ist nicht der einzige, der die Dienstleistung der Volksbank Regensburg schätzt. Jährlich führt Winkler rund 100 vertiefende Gespräche und entwickelt circa 35 konkrete Nachfolgepläne. „Das Angebot der Generationenberatung kommt sehr gut an, viele Kunden sind froh, wenn sie es gemacht haben“, sagt Günther Winkler. Und das lohnt sich im Endeffekt auch für die Bank: Sie erzielt durch die Beratung zinsunabhängige Einkünfte. Zudem können auch Produkte und Leistungen der Verbundpartner wie Versicherungen oder Vermögensübertragungen für die Kunden angeboten werden.


Der Artikel ist in der November-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen. Darin geht es um das Schwerpunkt-Thema Unternehmensnachfolge.