Verleihung der Journalistenpreise 2016

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken zeichnen Qualitätsjournalismus aus

21.10.2016

Bayerns Volksbanken und Raiffeisenbanken haben zum fünften Mal ihre Journalistenpreise vergeben. Die Gewinner decken mit ihren Beiträgen ein breites journalistisches Spektrum von investigativ bis aufklärend ab. Die Themen: Unternehmensnachfolge, ein Salmonellenskandal und Datenschutz.


Preisträger der Journalistenpreise 2016 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Bei der Verleihung der Journalistenpreise 2016 der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken (von links): Jürgen Gros, Axel Höpner, Martin Wanninger, Julia Häglsperger, Robert Grantner, Julia Graven, Frederik Obermaier, Philipp Grüll und Andreas Bachmann.


Gewinner der Preise sind die freie Journalistin Julia Graven, Philipp Grüll vom Bayerischen Rundfunk und Frederik Obermaier von der Süddeutschen Zeitung sowie Julia Häglsperger und Robert Grantner, ebenfalls vom Bayerischen Rundfunk. Sie erhielten ihre Auszeichnungen bei einer Festveranstaltung in Ingolstadt. Die Preise sind mit insgesamt 20.000 Euro dotiert.

Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, betonte in seiner Eröffnungsrede den Wert von Qualitätsjournalismus für die Gesellschaft. Die zahlreichen für die Ausschreibung eingereichten Beiträge seien ein deutlicher Beleg dafür: „Sie liefern Antworten, schaffen Bewusstsein, öffnen das geistige Auge. Sie machen Missstände öffentlich. Und sie tragen im besten Fall dazu bei, diese Missstände zu beseitigen“, so Gros.

Video-Einspieler zur Verleihung der Journalistenpreise 2016



Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis


Julia Graven
erhielt den Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preis (8.000 Euro) zum Thema wirtschaftliche Bildung für ihre vierteilige Artikelserie „Weiter geht’s“. Die Beiträge sind im Wirtschaftsmagazin „Impulse“ erschienen. Die Journalistin porträtiert darin kleine und mittlere Unternehmen, die vor der Herausforderung einer Unternehmensnachfolge standen.

Aus Sicht der Jury überzeugte Graven damit, dass sie „mit Liebe zum Detailwissen ein ungemein wertvolles Kompendium zur Betriebsübergabe geschaffen hat“. Dieses werde der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Themas mehr als gerecht, begründen die Juroren ihre Entscheidung.

„Julia Gravens Serie sticht wohltuend aus dem journalistischen Einheitsbrei hervor“, sagte Laudator Andreas Bachmann vom Bayerischen Fernsehen. Die Autorin habe keine Schwarzmalerei betrieben, sondern umfassend und komplett Lösungen für das wirtschaftlich relevante Thema Unternehmensnachfolge aufgezeigt. Dies zeige, dass preiswürdiger Journalismus nicht kritisch sein müsse. Bachmann: „Er kann auch inspirierend sein.“ Vor allem, weil Graven die Fakten nicht trocken aneinanderreihte, sondern die Geschichten mit Beispielen nah an betroffenen Unternehmern erzählte.

Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis


Der Hermann-Schulze-Delitzsch-Preis (8.000 Euro) für Verbraucherschutz ging an Philipp Grüll vom Bayerischen Rundfunk und Frederik Obermaier von der Süddeutschen Zeitung. Sie erhielten die Auszeichnung für ihre gemeinsamen Arbeiten zum Lebensmittelskandal um die niederbayerische Firma Bayern-Ei. Hierzu veröffentlichten sie einerseits einen Beitrag im Bayerischen Fernsehen unter dem Titel „Die Story: Die Spur führt nach Niederbayern“. Zum anderen erschienen mehrere Artikel in der Süddeutschen Zeitung.

Mit ihrer Recherche deckten die beiden Journalisten die Hintergründe einer europaweiten Salmonellen-Epidemie auf. Dabei stießen sie auf die Firma Bayern-Ei aus der Nähe von Straubing als möglichen Verursacher der Erkrankungen. Zudem wurde die zögerliche Informationspolitik der Behörden offensichtlich. „Die Aufdeckung des Skandals löst letztendlich den Existenzgrund für Journalismus ein“, lautet das Urteil der Jury. Verbunden mit der Frage: „Was wäre, wenn die Missstände nicht aufgefallen, wenn nicht weiterrecherchiert worden wäre?“

Philipp Grüll und Frederik Obermaier stünden exemplarisch für guten Journalismus, sagte Laudator Axel Höpner, Büroleiter des Handelsblatts in München. „Sie haben schon mehr Preise gewonnen als ich Laudationes gehalten habe.“ Beide hätten mit ihren Beiträgen wirklich Wirkung erzielt und zählten zu den hundertprozentigen Investigativjournalisten.

Förderpreis für junge Journalisten


Julia Häglsperger und Robert Grantner, ebenfalls vom Bayerischen Fernsehen, nahmen den Förderpreis für junge Journalisten (4.000 Euro) zum Themenfeld Digitalisierung entgegen. Für ihre Reportage „Jetzt mal ehrlich: Wie sicher sind unsere Daten?“ begab sich das Fernsehteam auf Spurensuche bei einer Familie im Bayerischen Wald.

In ihrem Beitrag zeigen die beiden Redakteure exemplarisch, wie leichtfertig Nutzer im Internet persönliche Daten preisgeben. Egal ob Online-Einkauf, Chatten oder Surfen: Die damit verbundenen Informationen sind nicht nur für Internetgiganten wertvoll. Und trotz Warnungen von Sicherheitsexperten wollen die Familienmitglieder ihr Verhalten nicht ändern. „Das erschreckt und alarmiert“, erklärte die Jury hierzu. „Gerade dieses Ende macht den hohen Aufklärungswert dieses Stücks und damit seine Preiswürdigkeit aus“, so das Gremium.

Laudator Martin Wanninger, stellvertretender Chefredakteur der Passauer Neuen Presse, nannte den Beitrag von Häglsperger und Grantner „ein starkes Stück Journalismus“. „Wer den Beitrag gesehen hat, der wird mit einem anderen Bewusstsein im Netz unterwegs sein“, sagte Wanninger. Es sei den beiden Jungjournalisten auf hervorragende Art und Weise gelungen, ein „maximal sperriges“ und gleichzeitig relevantes Thema anschaulich, verständlich und aufklärend darzustellen. Dabei hätten sie den richtigen Ton getroffen und vor Fallstricken und Gefahren gewarnt - ohne in „künstlichen Alarmismus“ abzugleiten.

Festrede zur Verleihung der Journalistenpreise


Nach der Übergabe der Preise hielt Dirk Ippen, Verleger und Herausgeber des „Münchner Merkurs“, der „tz“ und weiterer Medien, eine Festrede zum Thema „Freiheit braucht Mut – Gedanken zur Pressefreiheit“.

„Ich bin wirklich nur Lokalzeitungsverleger und kann keine große Festrede halten“, sagte er. Fest stünde: Man brauche Mut, um sich die Presse- und Meinungsfreiheit zu erkämpfen. „Unverzichtbares Element der Demokratie und Freiheit ist, dass es kritischen Journalismus gibt“, so Ippen weiter. „Wir sehen hier heute an den ausgezeichneten Journalisten, wie gut man arbeiten kann“, schloss der Verleger.

Video-Einspieler zur Festrede von Dirk Ippen


Impressionen von der Verleihung der Journalistenpreise 2016