Versicherungsvertrieb: Regeln zur Weiterbildungspflicht nachbessern

20.12.2017


Die im Jahr 2016 beschlossene EU-Richtlinie über den Versicherungsvertrieb sieht vor, dass sich Vertriebsmitarbeiter jährlich 15 Stunden fortbilden müssen. Die ständige Weiterqualifizierung gewährleistet ein hohes Qualitätsniveau in der Beratung und dient den Kundeninteressen. Kürzlich hat das Bundeswirtschaftsministerium einen Verordnungsentwurf zur Konkretisierung der Weiterbildungspflicht vorgelegt. Diese Vorschläge gehen jedoch deutlich über die europäischen Anforderungen hinaus.

So stellt die EU-Richtlinie den Versicherungsvermittlern die Wahl eines passenden Weiterbildungsformats frei. Selbststudium und Inhouse-Schulungen sind ebenso zulässig wie der Besuch von Konferenzen und Seminaren. Diese Wahlfreiheit schränkt der Verordnungsentwurf jedoch ein, indem für jede Weiterbildungsmaßnahme die Durchführung einer Lernerfolgskontrolle gefordert wird. Eine solche Kontrolle ist jedoch bei bestimmten Formaten praktisch nicht möglich – man denke an Kongressbesuche oder Kundengespräche im Beisein eines Trainers. Ebenso wird die Wahlfreiheit durch überzogene Anforderungen an die Organisation von Weiterbildungsmaßnahmen eingeschränkt: So sollen die Teilnehmer im Vorfeld jeder Weiterbildungsmaßnahme schriftlich eingeladen werden. Diese Anforderung ist inkompatibel mit E-Learning-Formaten, die auf eigene Initiative wahrgenommen werden.

Außerdem schlägt das Bundeswirtschaftsministerium vor, dass die Erfüllung der Weiterbildungspflicht für jeden einzelnen Mitarbeiter und für jede einzelne Bildungsmaßnahme jährlich gegenüber der zuständigen Industrie- und Handelskammer nachzuweisen ist. Auch das geht über die EU-Richtlinie hinaus. Der Einzelnachweis bedeutet für die betroffenen Unternehmen erheblichen Bürokratieaufwand. Angesichts der immensen Zahl an Nachweisen ist zudem davon auszugehen, dass die IHKs diese nur in Einzelfällen prüfen können.

Schon im Sommer 2017 hat der Bundesrat gefordert, unnötige bürokratische Belastungen durch die neuen Weiterbildungspflichten zu vermeiden. Diesen Worten müssen nun Taten folgen. Auf eine Lernerfolgskontrolle kann verzichtet und stattdessen die Weiterbildung durch Teilnahmebestätigungen dokumentiert werden. Auch von überzogenen Organisationsanforderungen für Weiterbildungsmaßnahmen sollte abgesehen werden. Vor allem aber ist eine jährliche Nachweispflicht gegenüber den IHKs nicht zielführend. Eine anlassbezogene Überprüfung ist ausreichend.