Vertrieb umsatteln

Käsegenuss auf neuen Wegen

29.06.2020

Dieser Artikel ist Teil eines größeren Beitrags in unserem GVB-Magazin „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“. Die neue Ausgabe erscheint am 1. Juli 2020 auf www.profil.bayern.

Die 14 genossenschaftlichen Sennereien in Bayern produzieren in Handarbeit hochwertige Butter-, Milch- und Käsespezialitäten. Diese verkaufen sie in eigenen Läden direkt an ihre Kunden. Mit dem Konzept behaupten sich die Betriebe – teilweise seit über einem Jahrhundert – erfolgreich am Markt. Doch so einen starken Besucherrückgang wie in diesem Frühjahr haben die Sennereien noch nicht erlebt. „Normalerweise startet die Saison mit Touristen und Tagesausflüglern rund um Ostern. Heuer sind deutlich weniger Kunden gekommen“, sagt Ursula Mohr, Geschäftsführerin der Bergkäserei Diepolz eG. „Die Ausgangsbeschränkungen sind einhergegangen mit spürbaren Umsatzeinbußen. Dazu beigetragen hat zusätzlich, dass wir unsere Gaststube nicht öffnen durften“, sagt auch Sophie Obermüller, Vorstandsvorsitzende der Naturkäserei Tegernseerland eG.

„Der Online-Shop ist mittlerweile ein wesentlicher Vertriebsweg.“

In dieser Situation sind andere Vertriebswege gefragt. Und viele Sennereien nutzen diese bereits oder haben kurzfristig umgesteuert. Beispiel Bergkäserei Diepolz: Die Genossenschaft betreibt seit 2002 einen Online-Shop, in dem die Kunden Käse bestellen können. Das Angebot entstand damals vor allem für die Wintermonate, in denen der Publikumsverkehr vor Ort zurückgeht. Doch mittlerweile kaufen immer mehr Kunden auch in der Sommerzeit online ein, beobachtet Geschäftsführerin Mohr. „Und jetzt in der Corona-Zeit läuft der Versand wirklich sehr gut. Wir verzeichnen deutlich mehr Bestellungen.“

Bergkäserei mit Käslädle in Diepolz: Die Kunden kaufen vermehrt online ein. Foto: Bergkäserei Diepolz.

Die gute Entwicklung bestärkt die Geschäftsführerin in ihrem Vorhaben, den Online-Shop weiter zu professionalisieren. Derzeit werden zwei Verpackungsräume neu gebaut, in dem die Mitarbeiter den Käse in Zukunft für den Versand vorbereiten können. Weitere Optimierungsmöglichkeiten gibt es beim Verpackungsmaterial. Einerseits möchte die Bergkäserei unnötigen Müll vermeiden, andererseits soll der Käse gut beim Kunden ankommen. Das ist vor allem im Sommer eine Herausforderung. „Derzeit testen wir verschiedene Möglichkeiten, wie man die Verpackung optimieren kann, sodass der Käse den Versand auch bei wärmeren Temperaturen gut übersteht“, sagt Mohr. Die Geschäftsführerin ist überzeugt, dass sich der Zeit- und Kostenaufwand lohnt: „Der Online-Shop ist mittlerweile ein wesentlicher Vertriebsweg. Die Bedeutung wird in Zukunft weiter zunehmen.“

Am Tegernsee haben die Verantwortlichen ebenfalls reagiert, um die Folgen der Krise abzufedern. Zum einen setzt die Genossenschaft auf die Kraft der Gemeinschaft. Vorstandsvorsitzende Sophie Obermüller hat einen Brief an die mehr als 1.700 Mitglieder geschrieben, in der sie die aktuelle Lage der Genossenschaft schildert. Außerdem informierte sie über Produkte und Angebote wie einen Geschenkkorb. „Das Schreiben ist sehr gut angekommen, viele unserer Mitglieder wussten gar nicht, dass wir die Produkte auch liefern. Dankenswerterweise haben sie fleißig bestellt, der Umsatz im Versandgeschäft ist im Vergleich zum Vorjahr um 100 Prozent gestiegen“, sagt Obermüller. Dazu beigetragen hat auch, dass die Genossenschaft die Versandkosten von 17 Euro auf 9,90 Euro gesenkt hat.

„Wenn die Kunden nicht zum Käse kommen, muss der Käse eben zum Kunden kommen“

Getreu dem Motto „Wenn die Kunden nicht zum Käse kommen, muss der Käse eben zum Kunden kommen“, setzt die Genossenschaft zudem auf ihren mobilen Verkaufswagen. Fünf Mal pro Woche sind die Mitarbeiter auf Wochenmärkten in der Region unterwegs, beispielsweise in Oberhaching oder Grünwald. „Dort verzeichnen wir ein deutliches Absatzplus“, sagt Obermüller. Auch der Käseautomat, den die Genossenschaft bereits im Oktober auf dem Parkplatz der Käserei aufgestellt hat, kommt gut an. Außerhalb der Öffnungszeiten lassen sich dort Frischeprodukte sowie Weich-, Hart- und Schnittkäse beziehen.


100 Prozent Zuwachs im Versandgeschäft: Die Naturkäserei verkauft deutlich mehr Produkte wie den Geschenkkorb über den Versand. Foto: Naturkäserei Tegernseer Land eG

Die Gaststube der Naturkäserei ist aus Infektionsschutzgründen derzeit geschlossen, somit steht als Einkehrmöglichkeit lediglich die Terrasse bei schönem Wetter zur Verfügung. Als Kompensation bietet die Genossenschaft seit Kurzem eine „Bergsteiger-Brotzeit“ zum Mitnehmen an. Diese besteht aus Käse, Kaminwurzn, Brot sowie einem Apfel und wird laut Obermüller gut angenommen. „In der Corona-Zeit zahlt es sich aus, dass wir verschiedene Vertriebskanäle bespielen und auch mal etwas Neues ausprobieren. Auf diese Weise können wir unsere Kunden zielgenau beliefern – unabhängig davon, ob sie gerade zu uns an den Tegernsee kommen können oder nicht“, sagt Obermüller.

Nicht nur Sennereien haben in der Krise aus der Not eine Tugend gemacht. Auch andere bayerische Genossenschaften zeigten in der Krise Kreativität. Lesen Sie mehr dazu in der neuen Ausgabe von „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“, die am 1. Juli 2020 online erscheint.