Vertrieb umsatteln

Winzer in Bayern: Lieferdienst statt „Nacht der Verführung“

17.07.2020

Weniger Gäste aus dem In- und Ausland, keine Großveranstaltungen: Die Corona-Pandemie hat auch die Tourismusregion Fränkisches Weinland hart getroffen. Aus der Not haben die Winzer eine Tugend gemacht und neue Absatzkanäle etabliert: Online und mit eigenem Lieferdienst.

Die Corona-Pandemie wirbelte bei der Winzergenossenschaft Divino Nordheim Thüngersheim eG die Termine für Feste und Veranstaltungen gehörig durcheinander. Events wie die „Nacht der Verführung“, die „Wein Grooves“, das zweitägige „Genussfestival“ und viele weitere mussten abgesagt werden. „Die Veranstaltungen sind ein Höhepunkt im Jahreskalender. Schließlich kommen wir dort mit Stammgästen sowie neuen Kunden zusammen, um unsere Weine zu präsentieren und gemeinsam zu genießen. Die Absagen werden wir Ende des Jahres beim Umsatz spüren – ganz klar“, sagt der geschäftsführende Vorstand Wendelin Grass.

In dieser Situation zahlt sich der breit aufgestellte Vertrieb für die Divino aus. Denn die
Genossenschaft setzt den Wein nicht nur bei Festen und in den eigenen Vinotheken ab, sondern auch im Lebensmitteleinzelhandel und im Online-Shop. Gerade diese Kanäle haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Zudem hat die Genossenschaft einen eigenen Lieferdienst eingerichtet. Der funktioniert so: Wer in der Gegend um Nordheim und Thüngersheim wohnt, erhält den Wein nicht per Post, sondern durch die Mitarbeiter, die normalerweise in den Vinotheken arbeiten. Für diesen Service hat die Divino vor allem online und in Radiospots geworben. „Das Angebot ist bei den Kunden – vor allem in der Hochphase der Pandemie – sehr gut angekommen“, sagt Grass.


Wendelin Grass, Geschäftsführender Vorstand
der Divino Nordheim Thüngersheim eG. Foto: Divino

Weitere Vertriebsaktionen der Divino zielen auf diejenigen Kunden, die außerhalb des Einzugsgebiets leben. Damit diese so unkompliziert wie möglich Wein bestellen können, hat die Genossenschaft ihre telefonischen Präsenzzeiten ausgeweitet. Ab zwölf Flaschen wird versandkostenfrei verschickt. Zudem erhalten die Kunden verstärkt Mailings mit einer Kombination aus Informationen und Angeboten. Gut kommt auch die Jahrgangsverkostung an: Da diese nur eingeschränkt in den Vinotheken stattfinden kann, hat die Divino entsprechende Pakete geschnürt und an ihre Kunden verschickt. Benötigen diese eine Beratung, melden sich die Sommeliers per Telefon.

Johannisberg in Thüngersheim: Die Divino liefert den Wein in der Umgebung mit ihrem eigenen Lieferdienst aus. Foto: Divino

In der Krise zeigen sich die Stärken der Rechtsform Genossenschaft, betont Grass: „Wir haben die Kraft, um den Wein über mehrere Absatzkanäle zu vertreiben. Auf diese Weise können wir die Umsatzeinbußen in den Vinotheken und bei den Winzerfesten halbwegs abfedern.“ Anders sähe es bei selbstvermarktenden Winzern aus. Wer seinen Wein beispielsweise vor allem über die Gastronomie oder über Veranstaltungen vertreibe, müsse kämpfen, um seine Flaschen loszuwerden, sagt Grass. Dennoch hofft auch der Divino-Vorstand, die Kunden bald wieder persönlich auf Veranstaltungen empfangen zu dürfen. „An einem schönen Sommerabend mit Musik, Show, Lichtspiel und gutem Essen schmeckt der Wein einfach doppelt so gut“, sagt Grass.

Nicht nur Winzer haben in der Krise aus der Not eine Tugend gemacht. Auch andere bayerische Genossenschaften zeigten in der Krise Kreativität. Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“.