Volontärsjahrgang V 16 der katholischen Journalistenschule ifp

Webprojekt „Ausgezahlt: Leben ohne Bargeld“

27.09.2018

Die Gewinner des Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Preises für wirtschaftliche Bildung 2018 beschäftigen sich in ihrem Webprojekt mit dem digitalen Bezahlen und wie sich eine Gesellschaft durch die Digitalisierung des Bezahlens verändert.


Link zum Webprojekt

Das digitale Bezahlen ist gerade bei jungen Menschen auf dem Vormarsch. Junge Leute sind es auch, die sich im Webprojekt „Leben ohne Bargeld“ damit beschäftigt haben. Wie verändert sich eine Gesellschaft durch die Digitalisierung des Bezahlens? Das ist die Leitfrage für ihre hintergründige Recherche. Sie zeigt auf: Die Deutschen wollen keine Zukunft ohne Bargeld. Ihr Herz hängt an Münzen und Scheinen. 84 Prozent können sich laut Studie eines großen Bankhauses ein Leben ohne Bares in der Tasche nicht vorstellen. Sie schätzen die Anonymität und die Freiheit, die Bargeldzahlungen mit sich bringen. Dennoch, so das Fazit der Autoren, habe das digitale Bezahlen bereits den Alltag der Menschen stark verändert. Dreiviertel der Deutschen fände das bargeldlose Zahlen einfacher und Fakt sei, dass sie so viele Produkte online kaufen wie nie zuvor. Dies würde aber die Werte unserer Gesellschaft nicht komplett auf den Kopf stellen.

Dem Volontärsjahrgang des ifp ist ein erfrischend kreatives Online-Stück mit professionell umgesetzten Webformaten gelungen: Vom animierten Erklärvideo über interaktive Karten bis hin zum Interview mit einer Psychologin, die seit Jahren untersucht, wie das Netz unser Handeln, Fühlen und Denken beeinflusst. Dem Projekt liegt eine gründliche Recherche zugrunde. Es beleuchtet das Bargeldthema von den unterschiedlichsten Seiten, der Fokus bleibt dabei aber immer auf den jungen Menschen. Auch die Autoren selbst lassen sich in den Geldbeutel schauen und vermitteln, wie die Haltung zum Bargeld divergiert - und wie privat sie im Grunde ist. Selten ist so verständlich erklärt worden, wie Bitcoin und Blockchain funktionieren. Es macht Spaß, sich durchzuklicken und ist gleichzeitig ungemein erkenntnisreich: Wirtschaftliche Bildung im besten Sinne und damit preiswürdig.

Fragen an die Preisträger des Volontärsjahrgang V 16 der
katholischen Journalistenschule ifp

Volontärsjahrgang V 16 (v. li. n. re.): Laurine Zienc, Henning M. Schoon,  Anna-Lena Herbert, Sara Mierzwa, Lena Binz, Michael Mahler, Linda Bößing (ganz vorne), Antonia Schlosser, Romina Carolin Stork, Philipp Adolphs (dahinter), Antonio Lagator, Johanna Fischotter, Melanie Pies

Wie ist der Volontärsjahrgang auf die Idee für das Webprojekt gekommen?

Der große Hype um Bitcoins nicht nur in der Börsenwelt, sondern auch in den Medien, hat uns bewusst gemacht, dass wir in einer sehr spannenden Zeit leben. Staaten, Banken und Verbraucher verabschieden sich zunehmend vom Bargeld und suchen nach digitalen Alternativen. Für das Abschlussprojekt im Rahmen unserer Journalistenausbildung wollten wir wissen, wie die Menschen damit umgehen. Welche Vorteile bieten uns Kreditkarten, Smartphone-Apps und digitale Währungen? Mit welchen kreativen Ideen wird der bargeldlose Zahlungsverkehr weltweit umgesetzt? Welche Gefahren kann das beispielsweise für unsere Privatsphäre mit sich bringen? Und: Wie funktionieren eigentlich Bitcoins, die Blockchain & Co.? Gemeinsam mit unserem Studienleiter Burkhard Schäfers und der Seminarleiterin Karin Schlüter haben wir mögliche Formate und Ideen für unser Webprojekt entwickelt.

Welche Herausforderungen haben sich bei der Recherche des Themas ergeben?

Um die Webseite inklusive einer kleinen Social-Media-Offensive zu konzipieren und zu erstellen hatten wir weniger als eine Woche Zeit. Neben der Einarbeitung in das durchaus komplexe und vielfältige Thema nahm natürlich auch die technische Umsetzung einige Zeit in Anspruch. Glücklicherweise hat uns der ifp-Referent Michael Haas beim Programmieren und Coden unterstützt. Außerdem mussten wir uns selbst, dreizehn junge Journalistinnen und Journalisten, gut organisieren und die Aufgaben verteilen, um schnell, aber korrekt recherchieren zu können. Zu guter Letzt bedeutet der Zeitdruck auch, dass man spontan und flexibel reagieren muss: Etwa wenn der gewünschte Interviewpartner in dieser Woche gar keine Zeit für unsere Fragen hat, wenn wir widersprüchliche Informationen von verschiedenen Quellen erhalten, oder wenn es bei der Technik hapert.

Worin lag Ihr Erkenntnisgewinn?

Dass es nicht nur die reichen Industrienationen sind, die mit kreativen Lösungen bedeutende Schritte zum bargeldlosen Zahlungsverkehr machen, hat uns überrascht. Unsere interaktive Karte zeigt die erstaunlichsten Ideen, die wir weltweit entdeckt haben. Eine weitere Erkenntnis ist, dass Deutschland hier im Vergleich eher Schlusslicht ist – das fanden wir allerdings weniger überraschend, wie die meisten Bilder unserer eigenen Portmonnaies auf der Webseite verdeutlichen. In unseren Erklärvideos zu Bitcoins und der Blockchain werden Chancen und Risiken für die Zukunft hinterfragt. Dabei, und im Interview mit einer Expertin, wurde uns bewusst, dass der Trend zum bargeldlosen Zahlen nicht nur technologische Fragen aufwirft, sondern auch soziologische und sogar psychologische. Wie wir in Zukunft bezahlen möchten, betrifft uns alle – und für viele Deutsche ist Geld eine durchaus persönliche und emotionale Angelegenheit. Dieses Thema wird uns noch lange beschäftigen.