VR-Bank Passau

„Ertrag geht vor Wachstum“

01.06.2015

Die Geschichte der VR-Bank Passau eG reicht bis in das Jahr 1900 zurück. Aus der früheren Handwerkerkasse ist eine der großen bayerischen Genossenschaftsbanken hervorgegangen. Der heutige Vorstandsvorsitzende Reinhard Allinger ist seit 1974 für die Bank tätig und spricht über Wandel und Wettbewerbsvorteile.


VR-Bank Passau, Hauptstelle Ludwigsplatz. Foto: VR-Bank Passau
Die Hauptstelle der Bank am Ludwigsplatz in Passau. Foto: VR-Bank Passau



Herr Allinger, die VR-Bank Passau feiert im Jahr 2015 ihren 115. Geburtstag. Bemerkenswert ist nicht nur, dass die Bankzentrale heute noch wie zur Gründung am Passauer Ludwigsplatz 1 residiert. Bemerkenswert ist auch, dass Sie erst der zehnte Vorstandschef des Instituts sind. Woher kommt diese Beständigkeit?


Reinhard Allinger: Soweit ich mich erinnern kann, wurde in unserer Bank immer versucht, Eigengewächse heranzuziehen. Dadurch hat es nie größere Brüche in der Geschäftspolitik und der Betriebskultur gegeben. Wir setzen eher auf einen stetigen, sanften Wandel.

Sie und Ihre beiden Vorstandskollegen Franz Blöchl und Manfred Asenbauer sind mit einer Betriebszugehörigkeit von zusammengerechnet rund 120 Jahren gute Beispiele dafür...


Allinger: Das stimmt. Wir kennen die Bank in- und auswendig. Als es 2010 den Generationenwechsel im Vorstand unserer Bank gab und wir drei zusammen die Führung übernommen hatten, fragten uns die Kunden trotzdem, ob wir jetzt einen Strategiewechsel planen. Das taten wir nicht. Aber das zeigt, welche Rolle das Thema Kontinuität spielt.

Liegt die Kontinuität auch in der Natur der Rechtsform eG?

Allinger: Ich denke schon. Wir sind allein den Interessen unserer Mitglieder verpflichtet. Unser Handeln ist deshalb langfristiger angelegt, da wir nicht kurzfristig Börsen glücklich machen müssen. Ein Leitsatz, mit dem ich groß geworden bin, lautet: Ertrag geht vor Wachstum. Wir sind nicht jedem Trend hinterhergelaufen, sondern waren immer konservativ aufgestellt. Damit meine ich nicht langsam und verstaubt, sondern vorsichtig und verlässlich. Das ist unserer Vorstandsgeneration so auf den Weg mitgegeben worden und das hat sich am Ende immer ausgezahlt.

Hat das der VR-Bank Passau und ihren Vorgängerinstituten auch geholfen, um die vielfältigen Turbulenzen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu meistern?

Reinhard Allinger. Foto: VR-Bank PassauAllinger: In der Zeit, die ich miterlebt habe, auf jeden Fall. Unsere konservative Ausrichtung hat uns immer gutgetan. Das wurde insbesondere während der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich. Auch unsere Eigenanlagen im Depot A waren von den Wertschwankungen betroffen, aber wegen unserer vorsichtigen Anlagestrategie eben nur in einem überschaubaren Ausmaß. Darüber hinaus hat es bei uns immer ein großes Maß an Verbundenheit mit der Bank gegeben. Aus Erzählungen ist mir bekannt, dass in den 60er-Jahren der damalige Vorstand für eine kurze Zeit eine persönliche Bürgschaft für die Bank abgegeben hatte. So viel Loyalität zum eigenen Unternehmen gibt es nicht oft.

Reinhard Allinger.
Foto: VR-Bank Passau

Langfristigkeit, Verlässlichkeit, Solidität. Sind das die Stärken und Wettbewerbsvorteile einer Genossenschaftsbank?

Allinger: Definitiv. Nach meiner Erfahrung schätzen unsere Kunden vor allem drei Eigenschaften, die wir ihnen bieten können. Erstens begrüßen sie es, dass sich die Ansprechpartner nicht alle paar Monate ändern. Zweitens gefällt ihnen, dass wir direkt vor Ort schnell entscheiden, weil wir uns nicht mit einer Zentrale in Frankfurt abstimmen müssen. Und drittens wissen sie, dass sie uns mit Handschlagqualität vertrauen können. Schon allein deshalb, weil viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr ganzes Leben in der Region verbracht haben. Das unterscheidet uns von mancher Großbank.

Was sind die größten Herausforderungen in der Zukunft?

Allinger: Das Niedrigzinsumfeld wird uns in den kommenden Jahren weiter fordern, genauso wie die überbordende Bankenregulierung. Deshalb überlegen wir uns sehr gut, wie wir Aufwand und Ertrag optimieren können. Grundsätzlich sind wir gut gewappnet. In den vergangenen Jahren haben wir ordentliche Erträge erwirtschaftet und ein komfortables Eigenkapitalpolster aufbauen können. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass unser Haus auch diese Herausforderungen ordentlich meistern wird.