VR-Voice-Assistent

Wie digitale Sprachassistenten Bankkunden helfen

17.10.2017

In immer mehr Wohnzimmern stehen Sprachboxen wie Amazons Alexa. Zukünftig sollen sie auch Finanzgeschäfte für die Kunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken abwickeln können. Die VR-NetWorld hat dafür den VR-Voice-Assistent entwickelt. Geschäftsführer Alexander Doukas erklärt, was die Anwendung kann und worauf es bei der Entwicklung ankommt.

 

Amazon Echo mit Alexa. Foto: Amazon Amazon Europe Core S.à r.l.
Der VR-Voice-Assistent der VR-NetWorld ist eine Anwendung für digitale Sprachassistenten und kann auf verschiedene Plattformen übertragen werden, zum Beispiel Amazon Echo (Foto: Amazon Europe Core S.à r.l.), „Google Home“ oder Apples „Home Pod“.



„Alexa, starte Moni“, sagt Alexander Doukas, Geschäftsführer der VR-NetWorld. Daraufhin erwacht auf dem Tisch vor ihm ein 20 Zentimeter hoher, schwarzer Zylinder zum Leben. „Echo“ heißt das Gerät. Es verfügt über einen Lautsprecher, mehrere Mikrofone und ist neben einem Internetanschluss Voraussetzung, um Amazons Sprachassistenten „Alexa“ nutzen zu können.

Seit Oktober 2016 ist das Gerät in Deutschland erhältlich und kostet je nach Variante zwischen 60 und 180 Euro. Ein blaues Lämpchen an der Oberseite leuchtet auf und das Gerät antwortet: „Hallo, willkommen bei Moni. Womit kann ich heute behilflich sein?“ Doukas: „Wie sieht es auf meinem Konto aus?“ Antwort: „Sie haben 5.600 Euro in bar. Kann ich sonst noch helfen?“ Doukas: „Nein, danke Alexa.“ Mit diesen Worten erlischt das Licht.

Was der Geschäftsführer der VR-Net-World hier vorgeführt hat, ist „Moni“,der Prototyp des künftigen VR-Voice-Assistenten. Dieser kann von Nutzern als sogenannter „Skill“ heruntergeladen und in Amazons Alexa integriert werden. Skills sind Funktionserweiterungen, die Drittanbieter auf einer Plattform von Amazon wie in einem App-Store anbieten können. Durch sie gewinnt Alexa neue Fähigkeiten. Es ist beispielsweise möglich, sich Schlagzeilen von Spiegel Online vorlesen zu lassen, das Licht im Haus anzuschalten oder Autos aus der Ferne abzuschließen.

Jede Bank kann den VR-Voice-Assistenten individualisieren


„Wir haben in der genossenschaftlichen FinanzGruppe schnell erkannt, dass diese Skills auch für uns zahlreiche Möglichkeiten bieten“, sagt Doukas. Daher hat die VR-NetWorld bereits kurz nach dem Marktstart von Alexa beschlossen, einen VR-Voice-Assistenten zu entwickeln. Der soll ähnlich wie die web-Bank+ mandantenfähig und für jede einzelne Bank individualisierbar sein. Aktiviert wird der Assistent dann beispielsweise über den Sprachbefehl „Alexa starte Volksbank“ oder „Alexa starte Raiffeisenbank“.

Einmal gestartet, sollen Kunden bereits jetzt verfügbare Informationen über das jeweilige Institut abfragen können – beispielsweise zu den Öffnungszeiten oder der nächstgelegenen Geschäftsstelle.  Auch Informationen zu Produkten können sie sich von Alexa vorlesen lassen. Der VR-Voice-Assistent wird stufenweise mit neuen Fähigkeiten ausgestattet. So ist geplant, in Folgestufen den  eigenen Kontostand abzufragen und die Finanzen analysieren zu lassen. Beispielsweise kann der Assistent einzelne Ausgaben in Kategorien wie „Haushalt“ bündeln und separat ansagen. Zudem soll er erkennen, ob man langfristig zu viel Geld ausgibt und gegebenenfalls eine Warnung aussprechen.

Um dabei Sicherheit zu gewährleisten, werden für den Skill Authentifizierungsmechanismen aus dem Online-Banking für die Voice-Schnittstelle angepasst. Mittelfristig werden noch  Überweisungsfunktionen integriert und geprüft, inwiefern Services der Verbundpartner, beispielsweise zu Wertpapieren, eingebunden werden können. Hierzu ist die VR-NetWorld im Gespräch mit Verbundpartnern wie der Fiducia & GAD IT sowie mit Amazon und Google. „Ziel ist es, den Bankkunden im Rahmen der Omnikanalstrategie eine weitere Kontaktmöglichkeit zu ihrer Bank zu eröffnen“, sagt Doukas. Zusätzlich zur VR-Banking-App oder dem klassischen Online-Banking.

VR-Voice-Assistent lässt sich auf verschiedene Plattformen übertragen


Essenziell für die Akzeptanz von „Moni“ ist es, dass der Assistent auf Anhieb versteht, was von ihm verlangt wird. Dazu haben die Entwickler derzeit eigenhändig bereits 4,5 Millionen mögliche Satzvariationen aufgebaut und erweitern diese stetig. Damit die Verbraucher das Angebot annehmen, müssen sie zudem überzeugt werden, dass der VR-Voice-Assistent hilft und sie unabhängig informiert. „Der Kunde darf zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gewinnen, dass der Assistent die Interessen von jemand anderem vertritt und ihm ein Produkt verkaufen will“, erklärt Doukas.

Derzeit läuft eine Pilotphase, an der in Bayern die Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee teilnimmt. Banken, die den VR-Voice-Assistenten bei sich einführen möchten, können sich an die VR-NetWorld wenden. Die Auslieferung des Skills an die Banken soll ab Mitte Februar 2018 beginnen. Bis ihn sämtliche bayerische Kreditgenossenschaften anbieten können, wird es aber noch eine Weile dauern. Der Grund: Die individuellen Servicethemen und lokalen Informationen müssen jeweils manuell importiert und für die Sprachausgabe von Alexa aufbereitet werden. Rund sieben Wochen soll der Prozess zur Einführung pro Bank dauern.

Dieser Aufwand ist jedoch nur einmal erforderlich. Denn der VR-Voice- Assistent ist so programmiert, dass er schnell und unkompliziert auch auf andere Plattformen übertragen werden kann. Beispielsweise den seit August in Deutschland verfügbaren „Google Home“ oder den voraussichtlich erst im kommenden Jahr erscheinenden „HomePod“ von Apple. „Kurz und gut: Wir bringen die Volksbanken und Raiffeisenbanken in jedes deutsche Wohnzimmer“, kündigt Doukas an.


Der Artikel ist in der Oktober-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.