Weinlese 2015

Frankens Winzer mit Ernte zufrieden

18.11.2015

Einbußen im Ertrag, dafür hochwertige Qualität - so lautet das Fazit der fränkischen Winzer für die diesjährige Weinlese. Trotz der Wetterkapriolen sind sie mit der Ernte zufrieden. Worüber sich Genießer freuen dürfen, erklären Experten zweier Winzergenossenschaften.

Weinlese 2015: Die fränkischen Winzergenossenschaften zeigen sich zufrieden. 


2015 war kein leichtes Jahr für die fränkischen Winzer: zu wenig Regen im Frühjahr, der Sommer zu heiß und trocken. „Die Hitze war für uns eine Riesenherausforderung“, sagt Andreas Oehm. Gerade die Bewässerung der Reben sei wegen der hohen Temperaturen sehr aufwendig gewesen, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Winzergemeinschaft Franken eG (GWF).

Auch Karl-Heinz Hardt, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Hörstein eG, bestätigt, dass der heiße Sommer die Winzer vor eine große Herausforderung gestellt hat. So hätten gerade die jüngeren Stöcke das Wetter schlecht vertragen, die älteren hingegen ausgezeichnet.

Während die beiden Vorstandsvorsitzenden mit einem geringeren Ertrag rechnen, zeigen sie sich bei der Qualität der Trauben vorsichtig optimistisch: Oehm berichtet, dass die Frühsorten in einem „guten und konstanten Bereich“ liegen. Bei den Spätsorten erwartet er eine „hochwertige Qualität“.

Neue Weinspezialitäten

Neben der Produktion der bekannten und geschätzten Sorten wie dem Müller-Thurgau wagen sich Frankens Winzer auch an Neues heran. Zum Beispiel der GWF-Winzerkeller Reicholzheim: Die Kellermeister Christian Baumann und Joachim Krumrey versuchen einen fränkischen Süßwein auf die italienische „Vin Santo-Art“ herzustellen.

Unterstützung erhalten sie dabei von einem Weinbauexperten aus der Toskana. Für das Experiment haben die Kellermeister einen Weißen Burgunder ausgewählt. Krumrey schätzt, dass mit dem neuen Wein ein Fass mit fast 250 Liter Volumen gefüllt werden kann: „Wenn unser Experiment gelingt, können wir die Methode in Zukunft für unsere Süßweine einsetzen.“

Geschmack: Frisch-fruchtig statt trocken

Wer nicht so lange warten möchte, kann fertigen Wein aus der 2015er-Ernte bei der GWF ab sofort testen. Die Genossenschaft bietet traditionell die Linie „Die jungen Frank’n“ an. Die anderen Sorten kommen nach und nach in den Handel, die meisten im Februar 2016. Kunden der Hörsteiner müssen sich ebenfalls bis dahin gedulden.

Wer seinen Wein fruchtig-frisch mag, kann sich besonders auf die diesjährige Ernte freuen. Da die Konsumenten verstärkt Weine mit diesem Geschmacksprofil wünschen, stellen sich die Winzergenossenschaften auf den Trend ein. Oehm: „Die Zeit der trockenen Weine ist vorbei.“

Ebenfalls beliebt sind alkoholreduzierte Weine, bei denen der Gärungsprozess des Zuckers frühzeitig gestoppt wurde. Beide Genossenschaften sind davon überzeugt, dass der Jahrgang 2015 bei den  Weinliebhabern gut ankommt und das Ansehen des Frankenweins weiter befördert.

Qualität gegen Kampfpreise der Discounter

Sorgen bereitet den Winzern aber der Preiskampf im Einzelhandel, vor allem durch die Discounter. Die bayerischen Wein-Genossenschaften versuchen mit ihrem wichtigsten Argument dagegenzuhalten: der Qualität. „Wir produzieren für den Handel hochwertige Weine und versuchen den Konsumenten zu zeigen, welchen Aufwand wir für sie betreiben“, sagt Oehm. Mit der jüngsten Ernte mit guter bis hervorragender Qualität sind sie dafür bestens gerüstet.


Der ungekürzte Artikel ist in der November-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.