Weltspartag 2015

Warum Sparen glücklich macht

26.10.2015

Der Weltspartag ist für viele Kinder ein besonderes Ereignis: Sie bringen ihr Sparschwein zur Bank und können sich dafür über ein kleines Geschenk freuen. Doch auch sonst macht Sparen glücklich: Der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm weiß, warum.


Ein Mädchen bringt am Weltspartag mit ihrer Mutter ihr Sparschwein zur Bank.
Ein Glück: Das Sparschwein kommt zur Bank.


Herr Professor Ruckriegel, warum macht Sparen glücklich?

Karlheinz Ruckriegel: Es gibt beim Sparen zwei Ziele: Zum einen das Vorsorgesparen. Da wollen Sie eine gewisse finanzielle Sicherheit für die Zukunft haben, beispielsweise wenn Sie in Rente gehen. Das ist wichtig für unser Wohlbefinden. Zum anderen das Zwecksparen. Da sparen Sie, um sich zum Beispiel ein neues Auto kaufen zu können. Da entsteht Vorfreude und das ist natürlich eine positive Emotion. Immer, wenn Sie Sparleistungen erbringen, werden Sie daran denken, dass Sie sich irgendwann mit dem ersparten Geld etwas kaufen können, das glücklich macht.

Braucht es dazu ein Sparschwein zum Geld einwerfen oder funktioniert das auch abstrakt mit Überweisung oder Dauerauftrag aufs Sparkonto?

Karlheinz RuckriegelRuckriegel: Je abstrakter Sie das machen, desto weniger fällt das natürlich auf. Aber die Vorfreude ist immer noch da. Wenn Sie zum Beispiel einen Dauerauftrag haben und sehen, wie sich das Guthaben aufbaut, freuen Sie sich natürlich. Aber Sie denken ja nicht ständig ans Sparen, sondern an das, was Sie mit dem Geld machen wollen. Da ist es dann indirekt - Sie sagen sich: „Jetzt brauche ich noch ein bisschen, dann kann ich mir das leisten“. Dann kommt die Vorfreude auf. Je öfter Sie sich dran erinnern, um so besser.

Also macht Sparen nur glücklich mit der Aussicht, sich dafür was leisten zu können?

Ruckriegel: Sparen muss einen Sinn haben. Man muss fragen: Wieso spare ich? Und das ist das Entscheidende. Sparen an sich ist ja, sagen wir mal, neutral. Es heißt, ich beschränke mich in den Möglichkeiten, die ich jetzt habe, damit ich mir in Zukunft etwas leisten kann. Und deswegen muss man natürlich auch einen Sinn dahinter haben.

Kann das Glücklichsein infolge des Sparens durch die derzeitigen Niedrigzinsen beeinträchtigt werden?

Ruckriegel: Die Zinsen tragen dazu bei, dass Sie mit der Sparleistung, die Sie jetzt erbringen, in Zukunft mehr anfangen können. Wenn die Zinsen niedrig sind, fällt dieser zusätzliche Anreiz weg. Aber man muss ja trotzdem vorsorgen und sparen. Das hat mit den Zinsen nichts zu tun. Das Glücksgefühl wird dadurch wohl kaum geschmälert.


Weitere Informationen

Webseite von Professor Karlheinz Ruckriegel mit Beiträgen zum Thema Glücksforschung