Whisky.com

Die Raiffeisenbank und der Millionen-Deal

09.07.2014

Das Unternehmen "The Whisky Store" beherrscht den deutschen Online-Handel mit hochwertigem Whisky. Zum Aufstieg beigetragen hat auch die Hausbank, die Raiffeisenbank südöstl. Starnberger See. Gemeinsam haben sie einen Millionen-Deal gestemmt.

Auf Firmenbesichtigung bei Auf Firmenbesichtigung bei "The Whisky Store": Horst Lüning (li.) und Josef Pölt.


Im Dezember 2013 fand beinahe unbeachtet von der deutschen Presse der weltweit teuerste Domain-Verkauf des vergangenen Jahres statt. Für knapp 3,1 Millionen Dollar wechselte die amerikanische Internetadresse „Whisky.com“ ihren Besitzer. Dass die meistgeklickte Whisky-Adresse der Welt künftig einem Unternehmen aus dem oberbayerischen Seeshaupt gehört, war den deutschen Nachrichtenagenturen und Tageszeitungen keine Meldung wert.

Horst Lüning ist der neue Besitzer der Webseite. Man kennt ihn als humorvollen und kenntnisreichen Whisky-Verköster auf Youtube. Mit seinem Internetkanal hat er es zu gewisser Berühmtheit unter den deutschen Genießern schottischer Single Malts und Blends gebracht. Lüning ist Prokurist der Whisky.com Media GmbH & Co. KG. Seine Frau Theresia besitzt den Internetshop The Whisky Store, der im Netz unter der einprägsamen Adresse „Whisky.de“ zu finden ist. Gemeinsam beherrscht die Familie den deutschen Onlinehandel mit hochwertigen Whiskys. Mit dem Ankauf der englischsprachigen Domain möchte das Ehepaar nun die Internationalisierung seines Unternehmens in die Wege leiten.

The Whisky Store ist mit dem Online-Portal Whisky.de Marktführer

In den ersten Jahren nach der Gründung 1993 verzeichnete der The Whisky Store Wachstumsraten von 80 bis 100 Prozent jährlich. Heute, 20 Jahre später, wächst man langsamer – aber immer noch um 15 bis 20 Prozent im Jahr. Das Unternehmen ist in seinem Segment mit weitem Abstand deutscher Marktführer. Wichtig für ein funktionierendes Geschäft ist dabei eine verlässliche Hausbank. Vom ersten Tag an war die Raiffeisenbank südöstl. Starnberger See ein Teil der Erfolgsgeschichte. „Als wir nach einer Bankverbindung gesucht haben, kam für uns eigentlich nur eine Raiffeisenbank infrage“, sagt Horst Lüning. „Meine Frau kommt aus einer Familie mit landwirtschaftlichem Hintergrund: Wir sind vom genossenschaftlichen Prinzip überzeugt.“

Das Kreditinstitut wickelt seit 20 Jahren einen Großteil des Zahlungsverkehrs von The Whisky Store ab, finanziert den Firmenstandort und Investitionen. Und dann kam 2013 eine ungewöhnliche Anfrage. „Frau Lüning rief an und erkundigte sich, ob wir kurzfristig einen Millionenkredit zum Erwerb einer Domain ausreichen könnten“, so Josef Pölt, der Vorstand der Raiffeisenbank. Und sie mahnte zur Eile, alles müsse schnell gehen. „Da wir die hervorragende wirtschaftliche Situation des Geschäfts kannten, waren wir umgehend bereit, den Kredit auszureichen“, so Pölt. Allerdings habe man beim Aufsichtsrat noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen. „1 Million Euro für eine Internetadresse, da schluckt mancher zunächst“, sagt der Bankvorstand.

Die Raiffeisenbank ermöglicht den Kauf der Domain "Whisky.com"

Doch die Lünings hatten Zeitdruck. Die amerikanische Domain „Whisky.com“ stand nur kurzfristig zum Verkauf und zahlreiche Großkonzerne wollten mitbieten – für einen Whiskyproduzenten gleicht die Webadresse einer Lizenz zum Gelddrucken: „Doch die Konzerne hatten längere Entscheidungswege als wir und unsere Hausbank. So erhielten wir den Zuschlag.“ Für Familie Lüning ist die Domain ein zentraler Baustein ihrer Expansionsstrategie: Die deutsche Internetseite des Onlineversands ist zwischenzeitlich zur wichtigsten Kommunikationsplattform für Whiskygenießer im Land geworden. Sie besitzt weltweit die größte Sammlung von Flaschen- und Brennereifotos. Diese Inhalte und natürlich auch Horst Lünings Fachwissen sollen nun durch die neu gegründete Whisky.com Media GmbH & Co. KG zu Geld gemacht werden.

„Wir übersetzen unsere Inhalte derzeit ins Englische und wollen Whisky.com zum weltweit führenden Internetportal für Scotch und Bourbon machen“, berichtet Lüning. Und so bereitet er auch schon den Dreh der ersten englischen Youtube-Verköstigung vor. Doch warum nicht den naheliegenden Schritt wagen und weltweit Whisky verkaufen? „Logistisch ist das möglich, aber es fehlt die Ware auf dem Markt“, erklärt Lüning. Whiskys, besonders die teuren Exklusivmarken, seien international sehr gefragt und schwer zu erhalten. „Wir würden große Probleme bekommen, unsere deutschen Kunden zuverlässig zu beliefern. Und deren Zufriedenheit möchten wir nicht riskieren.“

Das Geschäftskonzept sieht daher vor, digitale Inhalte zu stellen und durch Werbung Geld zu verdienen. „Entwickeln sich die Zahlen nicht so, wie wir wollen, verkaufen wir die Domain eben“, sagt Lüning. „Wir kennen ja die Unternehmen, die bei der Versteigerung nicht zum Zug gekommen sind.“



Wer die Produkte von The Whisky Store in ihrer ganzen Breite testen möchte, kann dies im Hotel am Badersee tun, das zu den Kunden des Unternehmens gehört. Für Whisky-Einsteiger hat Horst Lüning unter Youtube ein interaktives Whisky-Tasting.