Wirtschaftliche Entwicklung 2018

Enorm gute Stimmungswerte in fast allen Branchen

02.01.2018

Wie wird die wirtschaftliche Entwicklung 2018 aussehen? Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, gibt in einem Gastbeitrag für „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ eine Prognose ab: Er rechnet mit weiterem Wachstum, aber keiner Zinswende.

Mitarbeiter der Thoma Metallveredelung in einer Fabrikhalle.Mitarbeiter in einer Fabrikhalle eines Metallverarbeitungsunternehmens: Die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland schätzt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, für 2018 optimistisch ein.



Aktuelles Geschäftsklima

Die Stimmung der deutschen Unternehmen war noch nie so gut wie zuletzt. Im Oktober ist der ifo-Geschäftsklimaindex sogar auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Die enorm guten Stimmungswerte ziehen sich durch beinahe alle Wirtschaftsbereiche. Neue Rekordwerte vermeldeten zuletzt das verarbeitende Gewerbe und das Bauhauptgewerbe. Zudem hat die Kapazitätsauslastung weiter zugelegt.

Damit hält sich das Geschäftsklima jetzt bereits seit einigen Monaten stabil auf einem überaus hohen Niveau. Eine anziehende internationale Konjunktur, weiterhin extrem niedrige Zinsen, eine stabile heimische Nachfrage bei anhaltend moderater Kostenentwicklung liefern auch weiterhin sehr gute Rahmenbedingungen für die Unternehmen.

Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt


Vor dem Hintergrund der sehr guten Stimmungswerte bei Unternehmen und Verbrauchern haben wir unsere Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2018 zuletzt noch einmal von 1,8 auf 2,0 Prozent angehoben. Das kommende Jahr wäre damit das fünfte Jahr in Folge mit Wachstumsraten von rund 2 Prozent. Das ist schon eine außergewöhnlich stabile Wachstumsphase, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt sehr positiv bemerkbar gemacht hat. Die Beschäftigung legt kräftig zu, und die Arbeitslosigkeit ist auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 1990 gesunken.

Damit ist die Basis gelegt für eine anhaltend gute Konsumkonjunktur in Deutschland. Denn eine hohe Job- und damit auch Planungssicherheit sowie spürbar steigende Einkommen sorgen gemäß den Umfragen der Gesellschaft für Konsumforschung dafür, dass die Verbraucher eher bereit sind, ihre Geldbeutel zu öffnen und bei ihren Ausgaben großzügig zu sein.

Inflationsrate in Deutschland


Die Inflationsrate in Deutschland bleibt trotz der lebhaften Konjunktur weiterhin sehr moderat. Die Deflationssorgen gehören zwar der Vergangenheit an, doch Angst vor stark steigender Geldentwertung muss derzeit auch niemand haben. Gemessen am nationalen Verbraucherpreisindex lag die Teuerungsrate im Oktober 2017 mit 1,5 Prozent leicht unter dem Niveau der Vormonate (August und September jeweils 1,8 Prozent).

Für das Gesamtjahr 2017 bleiben wir bei unserer Inflationsprognose von 1,7 Prozent, die Prognose für das Jahr 2018 haben wir leicht von 1,5 auf 1,4 Prozent gesenkt. Erst für das Jahr 2019 erwarten wir wieder etwas anziehende Teuerungsraten.

Deutsche Exportwirtschaft


An Fahrt gewonnen hat in den letzten Monaten auch die wirtschaftliche Erholung im gesamten Euroraum. Das hat direkte, positive Folgen für die deutsche Exportwirtschaft. Denn nach wie vor exportiert Deutschland mehr als die Hälfte seiner Güter in andere Länder der Europäischen Union.

Nicht nur die ohnehin stabilen Länder wie Deutschland, Österreich oder die Niederlande gedeihen, auch in den vormaligen Krisenländern Südeuropas zeigt die wirtschaftliche Entwicklung eindeutig nach oben. Im gesamten Euroraum herrscht inzwischen eine optimistische Stimmung vor, die nahezu mit den Boomjahren vor der Finanzkrise vergleichbar ist.

Die kräftigen Wachstumszahlen aus dem Euroraum haben uns auch veranlasst, unsere Wachstumsprognose zu erhöhen. Zudem deuten umfragebasierte Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes oder der von uns monatlich berechnete Euro-Indikator nicht darauf hin, dass sich der konjunkturelle Aufschwung des Euroraums in naher Zukunft abschwächen würde. Für das Jahr 2017 heben wir daher unsere Wachstumsprognose von 2,0 auf 2,3 Prozent an.

Die höhere Basis hat auch Konsequenzen für das kommende Jahr. Im Jahr 2018 dürfte sich das Plus beim Bruttoinlandsprodukt dann auf 2,0 Prozent statt bisher prognostizierten 1,7 Prozent belaufen. Die Inflationsentwicklung läuft der verbesserten Wirtschaftslage im Euroraum noch immer hinterher.

Verbraucherpreise


Dass die nun schon seit längerer Zeit extrem expansive Geldpolitik zu stark steigenden Verbraucherpreisen führen könnte, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Im Oktober lag die EWU-weite Inflationsrate bei 1,5 Prozent, noch ein Stück unter dem EZB-Ziel von „unter, aber nahe 2 Prozent“. Zwar stiegen zuletzt die Preise für unverarbeitete Lebensmittel gegenüber dem Vorjahr deutlich. Dies wurde jedoch durch einen geringeren Preisauftrieb bei den Ausgaben für Energie ausgeglichen.

Auch bei den industriellen Gütern ohne Energie und bei den Dienstleistungen fiel die Steigerungsrate der Verbraucherpreise unterdurchschnittlich aus. Insgesamt bleibt die Inflationsentwicklung im Euroraum trotz der guten Wirtschaftslage weiterhin nur moderat. Dies drückt sich auch in unserer Inflationsprognose für die EWU aus: Für 2017 dürften die Verbraucherpreise nur um 1,5 Prozent steigen, in 2018 sollte die Inflationsrate durchschnittlich bei lediglich 1,2 Prozent liegen.

Geldpolitik der EZB und Zinsentwicklung


Ende Oktober 2017 verkündete Europas Notenbankchef Mario Dragi, das Anleihekaufprogramm ab Januar 2018 auf nur noch 30 Milliarden Euro monatlich zu halbieren. Ein harter Tritt auf die geldpolitische Bremse ist das noch nicht. Doch klar ist, dass die Zeiten der ultraexpansiven Geldpolitik in Europa langsam zu Ende gehen.

An der Zinsfront dürfte sich dennoch nur wenig tun. Eine Erhöhung des Leitzinses dürfte erst Mitte 2019 auf der Tagesordnung stehen. Allenfalls können wir uns gegen Ende 2018 eine Anhebung des derzeit negativen Einlagesatzes vorstellen, was den Druck auf Sparer und Banken etwas vermindern würde. Aufgrund der vorerst fortgeführten EZB-Anleihekäufe und einer weiterhin nur geringen Inflationsrate erwarten wir zunächst ein Verbleiben der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf dem aktuellen Niveau zwischen 0,4 und 0,5 Prozent. Erst gegen Ende 2018 erwarten wir die Bundrendite leicht höher bei 0,8 Prozent.

Wechselkurs des Euro


Seit Jahresbeginn 2017 ist der Wechselkurs des Euro im Vergleich zum US-Dollar recht kräftig gestiegen. Damit kam auch die Angst auf, der starke Euro würde die stark vom Export abhängige deutsche Wirtschaft gefährden. Doch zum einen startete die jüngste Aufwertung des Euro von einem vergleichsweise niedrigen Niveau, zum anderen erstreckte sich die Wechselkursentwicklung über mehrere Monate und erfolgte nicht schnell und abrupt.

Sie wurde begleitet von einer Belebung der Weltwirtschaft, die die Nachfrage nach deutschen Produkten gesteigert hat. Insgesamt halten sich daher die nachteiligen Effekte auf die deutsche Außenwirtschaft in Grenzen. Mittelfristig sehen wir bis Jahresende 2018 nur eine weitere leichtere Erhöhung des Euro-Dollar-Kurses auf 1,23 Euro je US-Dollar.

Weltwirtschaftliches Wachstum


Das weltwirtschaftliche Wachstum wird im Verlauf des kommenden Jahrs weiter anziehen und im Hinblick auf die Einzelstaaten wohl auch synchroner werden. Der hohe Offenheitsgrad der DAX-Unternehmen dürfte dafür sorgen, dass die Gewinne 2018 im Einklang mit der gut laufenden Weltkonjunktur ebenfalls weiter ansteigen werden. Durch diesen Anstieg kann der DAX auf 14.000 Punkte steigen, ohne in einen Bereich der Überbewertung zu kommen.

In Anbetracht des positiven Konjunkturbilds für 2018 sind unterjährig durchaus auch höhere Kurse als 14.000 Punkte beim DAX möglich. Jedoch sollte die gestartete Entwöhnungskur der Notenbanken – Schrumpfung der Fed-Bilanzsumme und Drosselung der EZB-Anleihekäufe – eine positivere Kursentwicklung per Jahresultimo 2018 verhindern.

Geopolitische Faktoren für die Wirtschaft


Die Diskussionen um den zukünftigen Weg der Notenbanken könnten darüber hinaus die Kurse unterjährig belasten. Risiken für die Märkte bleiben auch 2018 die geopolitischen Konflikte, insbesondere eine mögliche atomare Auseinandersetzung um Nordkorea, die Wahlen in Italien, aber auch der Unsicherheitsfaktor Donald Trump.

Der drohende Brexit dürfte aus unserer Sicht allenfalls kurzfristig über die Marktstimmung auf den DAX wirken, zu gering ist auf lange Sicht die Bedeutung des operativen Geschäfts der DAX-Unternehmen in Großbritannien.


Stefan Bielmeier






Der Gastbeitrag von Stefan Bielmeier ist in der Dezember-Ausgabe 2017 von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.

Stefan Bielmeier