Wirtschaftsverbände über EDIS

Warum Handwerk und Mittelstand die EU-Einlagensicherung ablehnen

08.03.2018

Nicht nur die Banken in Deutschland sehen eine gemeinschaftliche europäische Einlagensicherung kritisch. Auch Handwerk und Mittelstand lehnen die Vorschläge der EU-Kommission ab, wie eine Umfrage von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ unter Kammern und Verbänden zeigt.

Eberhard Sasse (Foto: IHK München), Franz Xaver Peteranderl (Foto: Schuhmann), Josef Sanktjohanser (Foto: HDE), Holger Bingmann
Von links: Eberhard Sasse (Foto: IHK München), Franz Xaver Peteranderl (Foto: Schuhmann), Josef Sanktjohanser (Foto: HDE) und Holger Bingmann äußern sich zur euorpäischen Einlagensicherung (EDIS).



Bayerischer Industrie- und Handelskammertag (BIHK)

Eberhard Sasse, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), kritisiert, dass deutsche Sparer und Banken für die hausgemachten Probleme in ‎anderen Staaten haften sollen: „Dies hätte weitreichende Folgen für die deutsche Wirtschaft – vor allem für den Mittelstand“, sagte er gegenüber „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ (März-Ausgabe). Die hohen Einlagen der Bankkunden würden von den Geldinstituten zu einem großen Teil in Firmenkredite umgewandelt, was eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für Mittelstand sei, erklärt Sasse. „Die bayerische Wirtschaft lehnt die Pläne deshalb mit Nachdruck ab“, so der IHK-Präsident. 


Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern

Eine europäische Einlagensicherung würde zu Wettbewerbsverzerrungen im Bankensektor führen, befürchtet Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern. Das würde die Leistungsfähigkeit der Kreditinstitute schmälern und damit die Kreditversorgung von Handwerk und Mittelstand gefährden. „Das wäre ein massiver Wettbewerbsnachteil für unsere Unternehmen“, sagte Peteranderl gegenüber „Profil“.

Handelsverband Deutschland (HDE)

Auch aus der Handelsbranche gibt es Kritik an der EU-Einlagensicherung: Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), verweist darauf, dass vor allem mittelständische Händler auf Kredite angewiesen seien, um Innovationen zu finanzieren und damit den enormen Modernisierungsdruck bewältigen zu können. „Wenn die Sparer nicht mehr darauf vertrauen, dass ihr Geld bei den Banken sicher ist, können die Banken den Mittelstand in der Folge nicht mehr ausreichend mit Krediten bedienen.“ Dies wäre im aktuellen Umbruch mit seinem hohen Investitionsbedarf für mittelständische Unternehmen fatal, erklärt Sanktjohanser.

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) teilt ebenfalls die kritische Position der deutschen Kreditwirtschaft zur europäischen Einlagensicherung. Präsident Holger Bingmann hält eine Vergemeinschaftung des Einlagenschutzes für den falschen  Ansatz: „Es ist nicht vertretbar, dass Einlagen bei deutschen Instituten für unterlassene oder unzureichende Reformen in EU-Mitgliedsstaaten haften sollen, da dies zulasten bewährter Sicherheit ginge“, stellt der BGA-Chef fest. Erst müssten sich alle Staaten an die Vereinbarungen für solide Finanzen und ein stabiles Finanzwesen halten und ein vergleichbares Niveau erreichen.