ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke

Warum das Handwerk Regionalbanken braucht

03.06.2016

Warum spielen Handwerksbetriebe und Regionalbanken so gut zusammen? Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), erklärt in einem Gastbeitrag die gut funktionierende Partnerschaft.

ZDH-Generalsekretär Holger SchwanneckeHolger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Das Handwerk ist regional verwurzelt. Inhaber von Handwerksbetrieben schaffen Arbeitsplätze und übernehmen Verantwortung für ihr gesellschaftliches Umfeld. Mit einer Million Betrieben, 5,4 Millionen Mitarbeitern in 130 Berufen und 380.000 Auszubildenden leistet das Handwerk einen unverzichtbaren Beitrag für Deutschlands Wirtschaftsentwicklung, Beschäftigung und Ausbildung.

Bei den Banken zählen Handwerksbetriebe in der Regel dennoch zu den „kleinen Kunden“. Damit geht einher, dass sie bei manchen Kreditinstituten nicht zu jenen Zielkunden gehören, die mit maßgeschneiderten Angeboten überhäuft werden. Die Bearbeitung kleinteiliger Kredite verursacht den Banken vergleichsweise hohe Kosten.

Handwerksbetriebe mit im Durchschnitt sechs Mitarbeitern können zudem nicht immer auf eigene kaufmännische Abteilungen zurückgreifen. So wird es schon rein personell für manche Betriebe schnell zur Herausforderung, sich mit betriebswirtschaftlichen Problemstellungen auseinanderzusetzen. In Familienbetrieben übernehmen das oftmals der Inhaber oder die Familienangehörigen, nicht selten regeln sie das „nebenbei“. So überrascht es nicht, dass im Fall von Kreditanträgen diese mitunter nicht die bankenseitig erwünschte Qualität oder den erforderlichen Umfang aufweisen.

Regionalbanken als vorrangiger Finanzierungspartner

Hilfreich für Handwerksbetriebe, die Darlehen nachfragen, sind Bankbetreuer, die in der Lage sind, „ihre Sprache zu sprechen“. Das kann man durchaus wörtlich nehmen. Denn die Ansätze der Europäischen Kommission, im Rahmen der Kapitalmarktunion europaweite Informationssysteme aufbauen zu wollen, damit kleine und mittlere Unternehmen auch in den Nicht-Heimatländern Darlehen nachfragen können, dürften bereits durch die Sprachbarriere massiv erschwert werden.

Der Hinweis, dass Handwerksbetriebe Bankbetreuer benötigen, die ihre Sprache sprechen, ist auch im übertragenen Sinn zu verstehen. Zumindest für die Vielzahl der Handwerksbetriebe ist es eine Hürde, wenn die Kreditgeber eben nicht in der Region anzutreffen sind, in der ein Handwerksbetrieb zu Hause ist. Bankbetreuer müssen für die Betriebe leicht erreichbar sein, müssen sich mit den Gegebenheiten der jeweiligen Region sowie der jeweiligen Branche auskennen. Es sind die Regionalbanken, die genau deswegen zum vorrangigen Finanzierungspartner des Handwerks geworden sind.

Kreditvergabe nicht durch Regulatorik einschränken

Handwerksbetriebe brauchen zur Sicherung der darlehensbasierten Finanzierung starke Regionalbanken, deren Kreditvergabemöglichkeiten nicht durch regulatorische Vorgaben mit in der Folge hoher Beanspruchung von Personalkapazitäten und hohen Kosten eingeschränkt werden. Ziel des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) als Dachverband bleibt deswegen gegenüber dem Baseler Ausschuss, der EU-Kommission oder dem Europäischen Parlament, jedwede Verschlechterung der Kreditfinanzierung zu verhindern. So haben wir uns in den Konsultationen zum KMU-Korrekturfaktor selbstredend für dessen Erhalt ausgesprochen. Wir haben deutlich gemacht, dass das Handwerk eine unbefristete Einführung erwartet. Erst dann haben Banken Planungssicherheit und können den KMU-Korrekturfaktor auch für mittel- und langfristige Darlehen ansetzen.

EU-Kommissar Lord Jonathan Hill hat im April im Vorgriff auf den spätestens Ende Juni vorzulegenden Bericht der EU-Kommission in einer Rede erklärt, dass die EU-Kommission den KMU-Korrekturfaktor beibehalten wird. Das stimmt uns hoffnungsfroh. Darüber hinaus soll die Anhebung des zugehörigen Schwellenwerts von derzeit 1,5 Millionen Euro wohlwollend geprüft werden. Kommissar Hill traf allerdings keine Aussage dazu, ob die Beibehaltung erneut mit einer verpflichtenden Überprüfung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens einhergehen soll. Hier müssen wir also weiterhin Überzeugungsarbeit leisten.

EU-Einlagensicherung: Transferunion verhindern

Ausgehend von den ersten Ergebnissen der Sondierung des EU-Rechtsrahmens für Finanzdienstleistungen will die Kommission überdies prüfen, in welchem Rahmen Erleichterungen für kleine Banken geschaffen werden können. Das ist eine gute Nachricht. Beispielhaft wurde der Bereich der Berichts- und Offenlegungspflichten genannt – auch dies ein Problembereich, den wir immer wieder aufzeigen, denn diese Pflichten beanspruchen insbesondere die Kapazitäten der Regionalbanken über die Maßen und sind für diese kaum noch darstellbar. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir uns grundsätzlich ablehnend zur AnaCredit-Verordnung geäußert.

Und auch beim Thema des geplanten Europäischen Einlagensicherungssystems (EDIS) werden wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, die in Deutschland bewährten Sicherungssysteme zu erhalten. EDIS sieht in der aktuellen Ausgestaltung eine Transferunion in der Einlagensicherung vor und führt zur Vergemeinschaftung der Einlagensicherung. Das lehnt das Handwerk grundsätzlich ab. Leidtragende wären hier insbesondere die Regionalbanken mit ihren Sicherungseinrichtungen sowie Handwerksbetriebe als Kapitalanleger.

Zusammenarbeit mit Kammern stärken

Neben starken Regionalbanken brauchen die Betriebe des Handwerks aber auch unabhängige Beratungsleistungen sowie praktische Hilfe bei allen Fragen rund um die erfolgreiche Unternehmensführung, wie sie durch die Berater der Handwerkskammern gewährleistet werden. Davon profitieren auch die Kreditgeber: Eine kammerinterne Auswertung der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern-Oberpfalz ergab, dass fünf Jahre nach Existenzgründung ohne Beratungsunterstützung der Handwerkskammer noch 50 Prozent der Betriebe am Markt waren – bei Betrieben, die von der Kammer beraten wurden, waren es über 80 Prozent.

Im Idealfall läuft es wie bei der Patisserie Lehmann aus München: Bei ihrer Existenzgründung im Jahr 2013 wurde sie intensiv von der Betriebsberatung der HWK für München und Oberbayern begleitet. Durch diese enge Zusammenarbeit konnte das Unternehmen bestens aufbereitete Unterlagen vorlegen, so dass die finanzierende Bank sowohl bei der Gründungsinvestition als auch bei späteren Erweiterungsinvestitionen positive Entscheidungen treffen konnte. Damit mehr Betriebe von einem solchen Zusammenspiel profitieren können, wäre es deshalb wünschenswert, wenn die Regionalbanken als Hauptfinanzierer des Handwerks noch stärker als bisher die Zusammenarbeit mit den Handwerksorganisationen vor Ort suchen, um in allen Investitions- und Finanzfragen ein enges Miteinander zu pflegen.


Von Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Sein Gastbeitrag ist auch in der Juni-Ausgabe von „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ erschienen.