Zehn Gründe für ein genossenschaftliches Nahwärmenetz

15.07.2020

Immer mehr Menschen in Bayern sind bereit, sich vor ihrer Haustür für Klimaschutz stark zu machen und konkrete Projekte umzusetzen. Genossenschaftliche Nahwärmenetze sind ein gutes Beispiel, wie lokaler Klimaschutz geht – und was eine Dorfgemeinschaft alles bewirken kann, wenn sie zusammensteht. „Profil - das bayerische Genossenschaftsblatt“ hat die zehn wichtigsten Punkte zusammengefasst:

1. Nahwärmegenossenschaften liefern zu 100 Prozent Wärme aus erneuerbaren Energien

Geheizt wird in der Regel mit der Abwärme von Biogasanlagen oder mit Hackschnitzeln. Die Genossenschaftsmitglieder können also für sich in Anspruch nehmen, ihr Anwesen komplett klimaneutral zu heizen. Ein Argument, das in der Klimadebatte zunehmend an Gewicht gewinnt.

2. Genossenschaftsmitglieder bestimmen über ihr Nahwärmenetz mit

Die Entscheidung für den Anschluss an ein Nahwärmenetz hat für Hausbesitzer weitreichende Konsequenzen, weil sie sich dauerhaft an ein Unternehmen binden. Viele befürchten deshalb, fremde Entscheidungen mittragen zu müssen, ohne darauf Einfluss nehmen zu können. Genau das ist bei einer Genossenschaft nicht der Fall: Die Mitglieder sind über ihren Geschäftsanteil Miteigentümer der Genossenschaft und können in der Generalversammlung über die Geschäftspolitik mitbestimmen, indem sie über die Mittelverwendung des Jahresabschlusses entscheiden. Im Vergleich zu anderen Unternehmensformen ist das ein zentraler Vorteil. Nach dem Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ ist es bei Entscheidungen unerheblich, wie viele Geschäftsanteile ein Mitglied gezeichnet hat. Bei Genossenschaften hat also nicht das eingezahlte Kapital das Sagen, sondern die einzelnen Mitglieder. Von daher sind Genossenschaften eine sehr demokratische Unternehmensform.

3. Genossenschaften sind Unternehmen mit einem geprüften Geschäftsmodell

Bevor Genossenschaften gegründet werden, wird das Geschäftsmodell von einem genossenschaftlichen Prüfungsverband wie dem Genossenschaftsverband Bayern (GVB) genau unter die Lupe genommen. Das gibt den Mitgliedern Sicherheit. Außerdem bieten Prüfungsverbände wie der GVB rund um die Gründung einer Genossenschaft umfangreiche Beratungsleistungen an.

Die Gründungsprüfung durch den GVB ist für Verhandlungen mit Geschäftspartnern oder Banken von wertvoll. Denn so wird von unabhängiger Seite bestätigt, dass das Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist.

4. Der Gesetzgeber zwingt Gebäudebesitzer zum Handeln

Das neue Gebäudeenergiegesetz der Bundesregierung sieht in §72 ein Verbot von Öl- und Gasheizungen in Bestandsgebäuden vor, die vor 1991 eingebaut wurden. Öl- und Gasheizkessel mit Inbetriebnahmejahr 1991 oder später müssen spätestens nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden. Ab 2026 ist der Einbau von Ölheizungen verboten, wenn nicht ein Teil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann.

5. Anschließer sparen Geld und Aufwand

Weil es im Haus keine eigene Heizung mehr gibt, muss der Kaminkehrer nicht mehr kommen. Die Kosten für die Reinigung des Kamins und die Kontrolle der Feuerungsstätte auf einen ordnungsgemäßen Betrieb entfallen. Außerdem müssen sich die Hausbesitzer nicht mehr selbst um den Brennstoffkauf kümmern und aufwendig Preise vergleichen, weil die Wärme frei Haus kommt. Ohne Öltank braucht es zudem keine Öltankversicherung.

6. Nahwärmenetze minimieren Umweltrisiken

Öltankversicherungen gibt es nicht ohne Grund. Wenn Heizöl – etwa bei einem Hochwasser – ausläuft, wiegen die Schäden an Haus und Umwelt schwer. Nach der Jahrhundertflut an der Donau im Juni 2013 mussten im Deggendorfer Stadtteil Fischerdorf zahlreiche Häuser abgerissen werden, weil ausgelaufenes Öl die Bausubstanz unrettbar zerstört hatte. Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, da der Klimawandel Extremwetterlagen wie Starkregen begünstigt, die auch in Gegenden ohne größere Wasserläufe zu Überflutungen führen können.

7. Angeschlossene Haushalte erhalten mehr Platz

Weil die eigene Heizung ausgebaut werden kann, braucht es zum Beispiel keinen Öltank oder andere Brennstofflagerstätten mehr. Hausbewohner gewinnen somit einen ganzen Raum und profitieren zusätzlich, da der Geruch von Heizöl verschwindet.

8. Die Wertschöpfung bleibt in der Region

Bei genossenschaftlichen Nahwärmenetzen profitieren die Unternehmen vor Ort, zum Beispiel die Handwerker und die Landwirte als Energielieferanten. Damit bleibt die Wertschöpfung vor Ort.

9. Genossenschaftliche Nahwärmenetze stärken den Zusammenhalt

Die Einwohner einer Gemeinde engagieren sich gemeinschaftlich und solidarisch für ein Ziel, von dem alle profitieren: eine gemeinsame Wärmeversorgung aus regenerativen Energiequellen.

10. Mit der genossenschaftlichen Wärme kommt häufig auch das schnelle Internet ins Haus

Weil die Straßen für die Rohrleitungen ohnehin aufgegraben werden müssen, entscheiden sich viele Genossenschaften dafür, gleich ein Glasfaserkabel mit zu verlegen.

Nahwärmegenossenschaften erleben aktuell einen kleinen Boom. Warum das so ist und was die Rechtsform Genossenschaft attraktiv macht, hat „Profil – das bayerische Genossenschaftsblatt“ am Beispiel der Nahwärme Dornhausen eG recherchiert.