Zinsänderungsrisiken

Überarbeitung der Regulierung von Zinsänderungsrisiken bedroht Mittelstandsfinanzierung

06.04.2016


Ausgangslage

Im Jahr 2013 wurde beim Baseler Ausschuss eine "Task Force on Interest Rate Risk in the Banking Book" gegründet. Diese wurde damit beauftragt, Ideen zu einer international möglichst vergleichbaren Berücksichtigung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch der Banken in den aufsichtlichen Mindestkapitalanforderungen (Säule I des Basel III-Regelwerks) zu entwickeln. Bisher beinhalten diese Mindestkapitalanforderungen Kredit-, Markt- und operationelle Risiken, die mit Hilfe von aufsichtlichen Modellen berechnet werden. Ausgenommen sind bislang Zinsänderungsrisiken, die von den Banken mit Hilfe interner, von der Aufsicht überwachter Verfahren, bewertet und mit Eigenkapital unterlegt werden (Säule II).

In der Diskussion ist nun, das Zinsänderungsrisiko analog zur Zinsschockberechnung zu quantifizieren und in die aufsichtlichen Mindestkapitalanforderungen (Säule I) mit einzubeziehen. Dabei ist es nicht sicher, ob es beim „Belastungsszenario Zinsschock +2%“ bleibt, oder ob eine Verschärfung oder Erleichterung in Betracht gezogen wird.

Bis Mitte September 2015 fand eine Konsultation des Baseler Ausschusses statt. Neben der Integration der Zinsänderungsrisiken in Säule I beinhaltete diese einen weiteren Vorschlag. So könnten die Zinsänderungsrisiken in Säule II belassen, die internen Messverfahren jedoch standardisiert werden.

Problem


Die gesonderte Hinterlegung von Zinsänderungsrisiken mit Eigenkapital in Säule I bei gleichzeitiger Verschärfung der Berechnungsparameter hätte eine Verknappung des Eigenkapitals der Banken zur Folge. Davon sind insbesondere die Kreditgenossenschaften betroffen, die klassisches Bankgeschäft in Form von Fristentransformation betreiben. Sollte es zu einer Integration der Zinsänderungsrisiken in Säule I des Basel III-Regelwerks nach dem Modell des Zinsschocks kommen, würde sich die Eigenmittelkennziffer der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken im Durchschnitt um 6,6 Prozentpunkte reduzieren (aktuelle Eigenmittelquote: 18,4%).

Dies wäre dramatisch, da in diesem Fall 14% der bayerischen Kreditgenossenschaften unter 10,5% Eigenmittelausstattung, bzw. über 65% unter 13% Eigenmittelausstattung fallen würden (Berechnungen für das Jahr 2015). Die möglichen Eigenkapitallücken sind durch Gewinnthesaurierung nur schwer aufzufüllen, da sich die Ertragslage der Kreditgenossenschaften im Niedrigzinsumfeld tendenziell verschlechtert.

Aber auch eine Standardisierung der Messverfahren in Säule II ist für die Banken nicht geeignet. Denn Zinsänderungsrisiken hängen von einer Vielzahl spezifischer Faktoren ab, insbesondere dem Verhalten der Kunden bei einer Änderung des Zinssatzes. Diese Faktoren können je nach Region oder Geschäftsstrategie der Bank sehr unterschiedlich sein. Eine Vereinheitlichung der Methoden würde zu falschen Informationen über die tatsächlichen Risiken führen. Fehlsteuerungen und unangemessen hohe Eigenkapitalanforderungen sind mögliche Folgen.

 

Lösung

Die Unterlegung von Zinsänderungsrisiken mit Eigenkapital im Rahmen der Säule I des Basel III-Regelwerks ist nicht zielführend. Zudem sollte von einer Standardisierung der Modelle in Säule II abgesehen werden. Denn beide Maßnahmen führen sowohl zu einer regulierungsbedingten Verknappung der Eigenmittel der Kreditgenossenschaften als auch in der Folge zu einer Einschränkung der Kreditvergabe. Im Ergebnis stünden weniger Kreditmittel zur Finanzierung der mittelständischen Unternehmen zur Verfügung. Dies hätte erhebliche wachstumshemmende Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.