Zinsänderungsrisiken: Einschränkung der Mittelstandsfinanzierung vermeiden

18.12.2014

 

Seit einiger Zeit beschäftigt sich der Baseler Ausschuss mit dem Thema Zinsänderungsrisiken. Mit ihnen hängt die wichtigste volkswirtschaftliche Funktion der Banken zusammen: die Fristentransformation. Ein Kreditinstitut nimmt hierbei kurzfristige Einlagen an und verleiht sie mittelfristig. So werden beispielsweise Spareinlagen in Unternehmenskredite umgewandelt. Damit ist die Fristentransformation die Basis für die stabile Finanzierungskultur der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland.

Die Banken übernehmen bei der Fristentransformation für ihre Kunden das Risiko, dass sich die Zinsen verändern. Deshalb müssen sie Zinsänderungsrisiken innerhalb einer Risikotragfähigkeitsberechnung abbilden. Die Bankenaufsicht prüft diese Berechnung und kann gegebenenfalls einen regulatorischen Eigenkapitalzuschlag verordnen. Der Baseler Ausschuss denkt nun über eine Verschärfung dieser Regulierung nach. Die Zinsänderungsrisiken müssten danach pauschal mit Eigenmitteln unterlegt werden. Das soll die Stabilität des Bankensektors bei unerwarteten Zinsänderungen erhöhen.

Diese Maßnahme würde aber Institute, die ihre Stärken im Kreditgeschäft haben, schwächen. So ist die erfolgreiche Steuerung von Zinsänderungsrisiken das Kerngeschäft von Regionalbanken wie den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die zusätzliche Eigenmittelunterlegung würde ihr Kreditvergabepotenzial um bis zu 47,6 Milliarden Euro mindern. Zudem würden sich die Finanzierungskonditionen für Unternehmen deutlich verschlechtern. Denn die Banken müssten entweder verstärkt kurzfristige Kredite vergeben oder Marktveränderungen mit variabel verzinslichen Darlehen an den Kunden weitergeben. Damit wären die Kunden selbst und nicht mehr ihre Bank den Zinsänderungsrisiken ausgesetzt. Vor allem mittelständische Betriebe, die für ihre Investitionen langfristige Kredite mit festgelegten Zinsen benötigen, wären davon betroffen.

Die funktionierende Mittelstandsfinanzierung in Deutschland darf nicht eingeschränkt werden. Nur dann können Unternehmen investieren. Eine pauschale Unterlegung der Zinsänderungsrisiken mit Eigenmitteln muss deshalb vermieden werden.