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Presseschau
11.05.2026

"Der Zustand des Mittelstands ist bedenklich"

Stefan Müller im Interview mit dem „Straubinger Tagblatt“

Im Interview mit der niederbayerischen Tageszeitung zeichnet GVB-Präsident Stefan Müller ein kritisches Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage und warnt: „Der Zustand des Mittelstands ist bedenklich, weil er sich leise verabschiedet“, sagte der Verbandspräsident. Die Zahl der Insolvenzen und notleidenden Kredite steige, zugleich agierten Banken vorsichtiger bei der Kreditvergabe. Eine Kreditklemme sehe Müller jedoch nicht: „Ein mittelständisches Unternehmen, das solide dasteht, hat keine Probleme, für Investitionen eine Finanzierung zu bekommen“, betont er, verweist aber auf eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten.
 

Im Immobiliengeschäft gab es 2025 laut Müller einen Zuwachs von rund 30 Prozent bei privaten Wohnungsbaufinanzierungen, allerdings vor allem im Bestand und bei Modernisierungen; Neubauprojekte blieben selten, so Müller. Gleichzeitig verändere sich das Anlageverhalten der Kunden: Es gebe eine stärkere Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren Anlagen wie Tagesgeld, während langfristige Bindungen gemieden würden.

Die Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern stünden trotz des schwierigen Umfelds stabil da und hätten 2025 ein sehr gutes Geschäftsjahr erzielt, getragen durch ein starkes Zinsgeschäft. Aktuell existieren 175 Institute im Freistaat; durch jährlich vier bis fünf Fusionen könnten es in zehn Jahren nur noch „100 plus X Banken“ sein, wobei insbesondere der Fachkräftemangel als Haupttreiber gilt.

Strukturelle Veränderungen zeigen sich auch im Filialnetz: Klassische Servicefilialen verlieren an Bedeutung, während Beratung künftig stärker zentralisiert wird. In Bezug auf die Lage der BayWa gab Müller Entwarnung: Die Risiken für die Banken seien „überschaubar“, entsprechende Wertberichtigungen seien bereits erfolgt.

Beim digitalen Bezahldienst Wero sieht Müller Fortschritte, was die Nutzung durch Bankkundinnen und -kunden angeht, aber auch Nachholbedarf, insbesondere bei der Händlerakzeptanz.

Regulatorisch fordert er differenziertere Regeln für kleinere Banken und zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass ein entsprechendes Kleinbankenregime bis 2028 umgesetzt werden könnte. Abschließend kritisiert Müller die Bundesregierung deutlich: Es fehle ein „Masterplan Deutschland 2030“, stattdessen verliere sich die Politik im „Klein-Klein“, ohne klare strategische Linie.

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