SIE BENUTZEN EINEN VERALTETEN BROWSER

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benutzen Sie einen neueren Browser (z. B. Google Chrome oder Mozilla Firefox).

Aktionen
Artikel
Gründungen • Gewerbliche Genossenschaften
15.09.2026

Medizinische Versorgung genossenschaftlich organisiert

Die Genossenschaft GNM Gesundheitsnetz Mümlingtal zeigt, wie genossenschaftlich organisierte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) die ärztliche Betreuung im ländlichen Raum nachhaltig sichern können.

Als in Mömlingen im unterfränkischen Landkreis Miltenberg eine große Arztpraxis schloss, drohte sich die medizinische Versorgung der rund 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner spürbar zu verschlechtern. Die Kommune wurde deshalb aktiv und setzte auf eine genossenschaftliche Lösung.

Die Initiative entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen Ärzten und der Gemeinde, um gemeinsam eine nachhaltige Daseinsvorsorge aufzubauen: „Ideal ist unserer Ansicht nach, wenn Kommunen mit Ärzten kooperieren“, sagt Martin Felger. Der Mediziner und Betriebswirt unterstützt mit seinem Unternehmen Diomedes bei der Realisierung von genossenschaftlichen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

Die Gründung eines genossenschaftlichen MVZ folgt grundsätzlich den allgemeinen Regeln einer Genossenschaft: „Für die Gründung eines genossenschaftlich betriebenen MVZ benötigt man drei Mitglieder – wie bei jeder Gründung einer Genossenschaft“, erklärt Bahar Ucar von der Gründungsberatung des Genossenschaftsverband Bayern (GVB). Eng hat der GVB die Gemeinde bei der Gründung des genossenschaftlichen MVZ begleitet.

Darüber hinaus gibt es aber eine Reihe besonderer Regeln für MVZ-Genossenschaften: Beantragt eine Genossenschaft allerdings die Zulassung für ein MVZ, müssen mindestens zwei Ärzte gefunden werden, die im MVZ arbeiten werden. Zusätzlich muss ein Kassensitz, also die Zulassung zur Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen, vorhanden sein. Die im MVZ tätigen Ärzte können ihre eigenen Sitze einbringen oder die Genossenschaft beantragt neue Sitze für die jeweiligen Ärzte. „In der Summe muss eine Ganzzeit-Beschäftigung herauskommen, unabhängig davon, wie die tätigen Mediziner dies untereinander aufteilen“, sagt Felger von Diomedes. Mitglieder einer solchen Genossenschaft können neben Ärzten auch Kommunen oder Krankenhäuser sein.

Für die angestellten Mediziner bietet das Modell attraktive Arbeitsbedingungen: „Wir kümmern uns um die Finanzen und die Verwaltung“, sagt Felger. „Die angestellten Ärzte können ihre Wünsche bei der Arbeitszeit äußern. Und da sie im Team arbeiten, gibt es im Krankheits- oder Urlaubsfall eine Vertretung. Ein MVZ fördert somit die Work-Life-Balance und minimiert das wirtschaftliche Risiko – Aspekte, auf die immer mehr Ärzte achten.“

Neben diesen Vorteilen für die Beschäftigten liegt ein weiterer zentraler Mehrwert genossenschaftlicher MVZ in ihrer regionalen Verankerung: Statt einer gewinnorientierten Ausrichtung durch externe Investoren steht die langfristige Sicherung der Gesundheitsversorgung im Mittelpunkt:

„Die Bürgerinnen und Bürger ziehen einen Vorteil daraus, wenn vor Ort gehandelt wird, bevor ein Investor ins Spiel kommt, dem eine Gewinnmaximierung wichtiger ist als eine nachhaltige medizinische Versorgung“, sagt Felger.  

Damit zeigen genossenschaftlich organisierte MVZ eine zukunftsweisende Antwort auf den Wandel im Gesundheitswesen, indem sie wirtschaftliche Strukturen mit gesellschaftlicher Verantwortung zusammenbringen.
 

Einen ausführlichen Bericht finden Sie in unserem Mitgliedermagazin "Profil". 

Sie möchten auch eine Genossenschaft gründen? Melden Sie sich gerne bei unserem GVB-Expertenteam, das in den vergangenen zehn Jahren mehr als 300 Gründungen betreut hat:  

Aktionen